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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
26. September 2016

Versorgungsforschung: Wie wirksame Medizin zum Patienten kommt

Ähnlich wie in der Versorgung mit Energie oder bei der Einbindung in Telekommunikationsnetzwerke ist auch in der medizinischen Versorgung der letzte Abschnitt auf dem Weg zum Verbraucher - oder Patienten - ein besonders schwieriger. Mit dieser "letzten Meile" des Gesundheitssystems beschäftigt sich die Versorgungsforschung, die fächerübergreifend medizinische Versorgungsprozesse und –strukturen sowie deren Ursachen und Wirkungen untersucht. "Wir wollen wissen, wie wirksame Medizin zum Patienten kommt", formuliert es  Dr. Horst Christian Vollmar, seit September Professor für Versorgungsforschung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und stellvertretender Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin des Uniklinikums Jena.

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Besonders schwierig ist es, gewohnte Behandlungsweisen zu ändern, hat der Allgemeinmediziner in seiner Forschungstätigkeit gelernt: "Bei unkomplizierten Rückenschmerzen wird unnötigerweise  geröntgt und bei derselben Erkrankungen werden Schmerzmittel gern als Spritze verabreicht, obwohl sie in Tablettenform nachweislich genauso gut helfen." Als einen seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte nennt Professor Vollmar Untersuchungen zur evidenzbasierten Versorgung von Menschen im höheren Lebensalter. Mit Fragestellungen zur Vielfachmedikation bei älteren Patienten, zur Versorgung von Menschen mit Demenz oder dem Einsatz von Neuroleptika in Pflegeheimen fügen sich seine Vorhaben gut in das Forschungsprofil von Uni, Klinikum und des Instituts für Allgemeinmedizin ein, welches sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Mental Health beschäftigt hat. Das Institut versteht sich als Brücke zwischen medizinischer Wissenschaft und hausärztlicher Praxis für eine bestmögliche Patientenversorgung. Diesen "Brückenschlag" möchte Professor Vollmar mit der sogenannten Implementierungsforschung unterstützen. Dabei geht es darum, wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse und evidenzbasiertes Vorgehen, z.B. in Diagnose, Behandlung und Versorgung von Menschen mit Demenz, rasch in den Alltag gebracht werden können.
 
Horst Christian Vollmar stammt aus dem Ruhrgebiet und hat in Düsseldorf Medizin studiert. Nach seiner Promotion und der Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner forschte er an der Universität Witten/Herdecke, wo er sich für die Fächer Gesundheitswissenschaften und Allgemeinmedizin habilitierte. Er leitete Projekte am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, eine eigene Arbeitsgruppe am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen und zuletzt den Schwerpunkt "Umgang mit Gesund- und Kranksein im Alter" am Institut für Allgemeinmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Daneben schloss er ein Studium der Sozial- und Gesundheitswissenschaften ab sowie eine Zusatzausbildung in der Medizinischen Informatik. Denn auch für das Thema "Digital Health" interessiert sich Horst Christian Vollmar: "In Deutschland besteht noch großer Forschungsbedarf, wie zum Beispiel Social Media und Gesundheitsapps sinnvoll und wirksam zur Verbesserung der medizinischen Versorgung eingesetzt werden können."
 
Die Grundlagen einer evidenzbasierten Gesundheitsversorgung sollen die angehenden Ärzte schon im Studium lernen, hier kann Professor Vollmar auch seine Erfahrungen aus den Modellstudiengängen in Witten/Herdecke und Düsseldorf einbringen. "Die künftigen Ärzte und Ärztinnen müssen noch besser darauf vorbereitet werden, ständig neues Wissen zu erwerben, und sie müssen die Güte und Relevanz der neuen medizinischen Wissensflut einschätzen können."

 
Quelle: Universitätsklinikum Jena



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