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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
13. Juli 2015

17 Stunden verhandeln: "Politiker nicht mehr Herr ihrer Sinne"

Seit Samstag wurde intensiv beraten, dann folgte ein Verhandlungsmarathon die ganze Nacht hindurch. So manchen der Staats- und Regierungschefs hat das lange Ringen um eine Griechenland-Lösung wohl an seine Grenzen gebracht.

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17 Stunden verhandelten die Staats- und Regierungschefs in Brüssel für eine Einigung zum Spar- und Reformpaket für Griechenland. Der Psychologe Peter Spork erklärt die Auswirkungen eines solchen Tagungsmarathons für den Körper und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen.

Frage: Bis in die Morgenstunden haben die europäischen Staats- und Regierungschefs über die Zukunft Griechenlands verhandelt. Wie wirkt sich der damit verbundene Schlafentzug auf den Körper aus?

Antwort: Die Beeinträchtigung nach 17 Stunden ohne Schlaf hat eine Wirkung vergleichbar mit einer halben Promille Alkohol im Blut. Und die Politiker sind ja zumeist schon vorher ein paar Stunden wach, also gleicht ihre Leistungsfähigkeit nach 24 schlaflosen Stunden der eines Menschen mit einer Promille Alkohol im Blut. Dazu kommt noch, dass Politiker sowieso chronisch unausgeschlafen sind und schon mit einem Schlafdefizit in die Verhandlungen gehen. Deshalb dürften sie auf einen solchen Verhandlungsmarathon besonders empfindlich reagieren.

Konkret lassen die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit ganz besonders nach. Der Schlaf dient ja dazu, unser Gehirn von unseren zahllosen Eindrücken im Alltag zu entmüllen. Aber ohne dieses Aufräumen verliert das Gehirn die Fähigkeit, klar, präzise, konsequent zu arbeiten, weil sich zusätzlicher Müll im Gehirn ständig anhäuft.

Frage: Was bedeutet das für die Fähigkeit der Politiker, Entscheidungen zu treffen?


Antwort: Ganz wichtig ist hier die Rolle des Schlafes, Informationen zu sortieren und abzuwägen. Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass man unter Schlagmangel bereitwilliger frühzeitig Entscheidungen fällt - eben ähnlich wie in einem alkoholisierten Zustand: Man gibt eher nach, stimmt eher irgendeinem Vorschlag zu und prüft nicht so genau. In Bezug auf einen solchen Verhandlungsmarathon bedeutet das, dass im Laufe von 17 Stunden Verhandlungen Politiker bereitwilliger einlenken.

Solch eine Tendenz kann natürlich auch strategisch verwendet werden - solange zu verhandeln, bis sich alle auf irgendein Ergebnis einigen. Sonst gäbe es bei Verhandlungen, in denen die Positionen nur schwer vereinbar sind, vielleicht nie eine Einigung. Aber wie gut ist eine solche Entscheidung? Denn im Endeffekt wird eine solche Entscheidung von übernächtigten Politikern getroffen, deren geistige Verfassung der eines Angetrunkenen ähnelt. Eigentlich möchte man Menschen in einem solchen Zustand keine Entscheidungen mit einer solchen Tragweite überlassen.

Aber natürlich sind Politiker auf solche Situationen vorbereitet und haben ihre Berater im Hintergrund, die hoffentlich etwas ausgeschlafener sind. Aber im Endeffekt ist der Politiker, der nach 17 Stunden Verhandlungsmarathon seine Unterschrift unter einen Entschluss setzt, nicht mehr Herr seiner Sinne.

Frage: Was würden Sie Politikern raten, die einem solchen Verhandlungsmarathon ausgesetzt sind?

Antwort: Die Politiker müssen unbedingt Pausen einlegen. Um durch 17 Stunden Verhandlungen zu kommen, wären mehrere Powernaps ideal. Wahrscheinlich legen Politiker tatsächlich kurze Schlafpausen ein, wenn sie sich in längeren Verhandlungen kurz abmelden. Zugeben würde dies in Deutschland natürlich niemand, denn wer tagsüber schläft, gilt als faul, und das würde sich sicherlich negativ auf die Verhandlungsposition eines Politikers auswirken.

Zur Person: Dr. Peter Spork, geboren 1965 in Frankfurt am Main, hat Biologie, Anthropologie und Psychologie in Marburg und Hamburg studiert und im Bereich der Neurobiologie/Biokybernetik am Zoologischen Institut in Hamburg promoviert. Spork ist Autor der Bücher "Das Schlafbuch" und "Wake up - Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft".


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