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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
02. Februar 2018

Samuel Koch schlägt Pflichtsozialdienst gegen Pflegenotstand vor

Der querschnittsgelähmte Schauspieler Samuel Koch macht sich während der Koalitionsverhandlungen für deutliche Verbesserungen in der Pflege stark. 8.000 neue Fachkräfte allein könnten den Notstand bei weitem nicht beheben. Es müsse komplett umgedacht werden.
Samuel Koch hat immer wieder Schwierigkeiten, Pfleger zu finden. "Ich selbst könnte meine Pflege nicht stemmen, wenn ich nicht Familie und Freunde hätte. Aber nicht jeder hat eine so große Familie, die füreinander einspringt", sagt der querschnittsgelähmte Schauspieler in der Kantine des Darmstädter Staatstheaters. "Es gibt zu wenig Pfleger" und "Respekt vor der Verantwortung" nennt er als Gründe für die Schwierigkeiten, Pfleger zu finden. Vor allem aber: "Die geringe Wertschätzung, die Menschen erfahren, die anderen bei körperlichen oder sonstigen Gebrechen helfen."

8.000 neue Pflegestellen, wie bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin vereinbart, seien daher nur ein "kalter Tropfen auf den kalten Stein", kritisiert Koch. Der 30-Jährige wünscht sich ein Umdenken der Gesellschaft bei diesem "Brennpunkt-Thema". Dabei könne die Einführung eines verpflichtenden Pflegesozialdienstes helfen – "als Notwehr gegen den Pflegenotstand". "Es gilt zu handeln. Und ich hoffe, dass das Thema bei den Koalitionsverhandlungen anständig auf den Tisch kommt und sich in allen Köpfen festsetzt."

Koch war im Dezember 2010 bei einer Wette in der ZDF-Show "Wetten, dass..?" schwer gestürzt und ist seitdem querschnittgelähmt. Später beendete er seine Schauspielausbildung. Seit 2014 gehört er zum Ensemble des Staatstheaters Darmstadt. Der erste Kinofilm, in dem er eine Hauptrolle spielt ("Draußen in meinem Kopf"), wurde am Wochenende beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken mit dem Preis der deutsch-französischen Jugendjury ausgezeichnet.

"Es reicht nicht aus, 8.000 oder 16.000 neue Stellen zu schaffen – bei 12.000 akut unterversorgten Einrichtungen", sagt Koch zwischen einer Hörspiel-Probe und einem Auftritt in Friedrich Schillers "Die Räuber". "Die Einstellung zur Pflege muss sich ändern." Der Beruf könne sehr attraktiv sein. Zwar sei es eine Herausforderung, sich an den Lebensrhythmus eines anderen anzupassen. Darin stecke aber auch der Reiz, eine Weile zwei Leben zu leben. Und: "Ich weiß von mir selbst, dass es gut tut, wenn man anderen hilft."

Einer seiner Assistenten beschreibt die Vielfalt des Jobs so: "Ich bin Fahrer, Pfleger, Butler, Hauswirtschafter und Sekretär." Dazu kommt eine geistige Verbundenheit – seit drei Jahren ist er bereits Kochs Assistent. Er war selbst im Filmgeschäft, bevor er zusammen mit seinen beiden Brüdern seinen Vater sieben Jahre lang pflegte.

Die Löhne für Pfleger zu erhöhen, ändere noch nichts an den schlechten Arbeitsbedingungen und den vielen Patienten, für die ein einziger Pfleger zuständig sei, betont Koch. Die Menschen müssten trotzdem vernachlässigt werden. Darauf habe Krankenpfleger-Azubi Alexander Jorde im Wahlkampf zurecht aufmerksam gemacht. Die Würde des Menschen in deutschen Krankenhäusern und Altenheimen werde "tagtäglich ... tausendfach verletzt": Mit diesen Worten hatte Jorde in der ARD-"Wahlarena" mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Finger in die Wunde gelegt.

Koch erinnert sich noch gut an das Jahr nach seinem Unfall. Er war bettlägerig. Zwar habe er das Privileg gehabt, in der Schweiz behandelt zu werden, wo viel weniger Patienten auf einen Pfleger kämen als in Deutschland. "Aber auch da gab es Situationen, von denen ich nicht weiß, ob ich sie überstanden hätte, wenn Freunde und Familie nicht da gewesen wären." In Deutschland müsse sich ein Pfleger nachts mitunter sogar um 50 Patienten kümmern, erzählt er.

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht fehlten Zivildienstleistende in der Pflege, bedauert Koch. Ein Pflichtsozialdienst würde "ganz akut Menschen in den Kliniken und Altenheimen entlasten." Zugleich könnten junge Menschen, die nach der Schule noch orientierungslos seien, feststellen, wie wichtig Pflege sei, Berührungsängste abbauen und für sich entscheiden, ob der Beruf etwas für sie sei. Vielleicht könnten Vergünstigungen beim Pflegebeitrag die Motivation dazu erhöhen, regt Koch an.

Dabei lernten junge Menschen auch, dass sie irgendwann einmal selbst in der Situation seien. "Als Kleinkind braucht man Pflege, als alter Mensch – und nach einem Unfall", sagt Koch. "Wenn man alt ist und nicht das Glück hat, plötzlich zu sterben, ist man auch auf Freunde und Familie angewiesen, sonst lebt man entwürdigend." Dann wäre es gut, wenn der Sozialstaat einsteht. "Das macht er aber im Moment nicht ausreichend."

"Der Dienst an der Gesellschaft als Thema wäre auch schon in der Schule gut", betont Koch. Ein Schülerpraktikum in einer Behindertenwerkstatt sei eine "der tollsten Erfahrungen gewesen, die ich je gemacht habe". Und: "Den meisten Menschen macht es doch unterm Strich auf Dauer mehr Spaß mit Menschen zu arbeiten als nur am Computer im Büro zu sitzen."
 
dpa



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