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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
10. November 2017

Fast jeder Fünfte von Armut oder Ausgrenzung bedroht

Im Europa-Vergleich liegt Deutschland zwar unter dem Schnitt. Trotzdem sind knapp 20% der Bevölkerung in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das entspricht etwa 16 Millionen Menschen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Die Zahlen für das Jahr 2016 stammen aus der Erhebung "Leben in Europa (EU-SILC)". Europaweit liegt der Schnitt der Betroffenen bei 23,5%. Der Sozialverband VdK appelliert deswegen an die künftige Bundesregierung: Das Problem dürfe nicht länger kleingeredet werden.
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Exakt beträgt der Anteil 19,7% der Bevölkerung. In allen Altersgruppen ist das Risiko für Frauen höher als für Männer, am größten ist der Abstand zwischen den Geschlechtern in der Altersgruppe ab 65 Jahre.

Eine Person gilt als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Lebenssituationen zutrifft: Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze, ihr Haushalt ist von erheblicher materieller Entbehrung betroffen oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung.

Mit 16,5% der Bevölkerung war jeder Sechste in Deutschland armutsgefährdet. Als solches gilt ein Mensch, wenn er über weniger als 60% des mittleren Einkommens verfügt. 2016 lag dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person in Deutschland bei 1.064 Euro, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.234 Euro im Monat.

3,7% waren von erheblicher materieller Entbehrung betroffen. Das bedeutet, dass ihre Lebensbedingungen aufgrund fehlender finanzieller Mitteln eingeschränkt waren. Sie waren zum Beispiel nicht in der Lage, ihre Miete zu bezahlen, ihre Wohnungen angemessen zu heizen oder eine einwöchige Urlaubsreise zu finanzieren.

9,6% der Bevölkerung unter 60 Jahren lebten in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbsbeteiligung. Das umfasst Haushalte, in denen die Erwerbsbeteiligung der erwerbsfähigen Haushaltsmitglieder insgesamt weniger als 20% beträgt.

Im EU-Durchschnitt waren 17,3% der Bevölkerung von Armut bedroht und 7,5% von erheblicher materieller Entbehrung betroffen. 10,4% lebten in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbsbeteiligung.

Arme Menschen hätten oft große Schwierigkeiten, "am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen", erklärte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Der Sozialverband VdK nahm die Politik bei der Armutsbekämpfung in die Pflicht. "Armut ist ein drängendes Problem in Deutschland und ein unhaltbarer Zustand, den die neue Bundesregierung schnell angehen muss", mahnte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. "Wenn trotz der guten wirtschaftlichen Konjunktur 16 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung in unserem Land bedroht sind, dann darf die Politik das Problem der Armut nicht länger kleinreden."

Dringenden Handlungsbedarf sieht der VdK in verschiedenen Politikfeldern: "Ein wachsender Niedriglohnbereich, ein Mindestlohn, mit dem man kaum über die Runden kommt, Kürzungsfaktoren und hohe Abschläge, die die Alterseinkommen ausbremsen, kaum Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose, Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung, die Versicherte einseitig belasten, hohe Mietbelastungen und Sozialleistungen, die zum Leben nicht reichen. Armut hat viele Ursachen", sagte Mascher.
 
dpa



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