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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
26. Oktober 2017

Depressionen – Wie Apps die Therapie verändern

Mobile Angebote könnten die Behandlung psychischer Erkrankungen schon bald revolutionieren. Sogar Facebook hat den Markt inzwischen für sich entdeckt. Wir verraten, welche Chancen hinter der Entwicklung stecken.  Spätestens, wenn ein milliardenschweres Unternehmen aus dem Silicon Valley investiert, gilt ein Markt in der Regel als extrem zukunftsträchtig. Aktuelles Beispiel ist der Mobile-Health-Sektor. Unter diesem Begriff fassen Experten neuartige Online-Therapieangebote zusammen, auf die Patienten über ihre Smartphones zugreifen können.
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Stanford-Experten entwickeln Facebook-Chat-Roboter

Nun steigt Facebook in die mobile Gesundheit ein. Seit kurzem bietet das US-Unternehmen seinen Nutzern ein Programm namens Woebot an. Hierbei handelt es sich um einen rund um die Uhr verfügbaren Chat-Roboter, der Depressionen und Angstzustände erkennen und bei ihrer Therapie helfen soll.
 
Dazu fragt das Programm – bisher leider nur in englischer Sprache – nach aktuellen Tätigkeiten, nach der Stimmungslage und dem derzeitigen Energielevel des Nutzers. Außerdem regt es dazu an, positiv zu denken und das eigene Leben zu reflektieren. Eine im Journal of Medical Internet Research(1) veröffentlichte Studie hat die Wirksamkeit der Anwendung, die Psychologen der renommierten Stanford University entwickelt haben, bereits belegt.

Digitaler Gesundheitsmarkt boomt

Dass Facebook in mobile Gesundheit investiert, ist kein Zufall: Der digitale Gesundheitsmarkt boomt. Lag sein weltweiter Umsatz vor vier Jahren noch bei rund 60 Milliarden US-Dollar, soll er bis 2020 auf über 230 Milliarden anwachsen. Mobile Health hat einen erheblichen Anteil an dieser Entwicklung: Laut Prognosen vergrößert der Sektor seinen Umsatz von gut acht Milliarden US-Dollar 2013 auf knapp 59 Milliarden 2020 – ein Wachstum von mehr als 700% innerhalb von nur sieben Jahren.
 
Ein kurzer Blick in App- und Play-Store zeigt, wie weit die Gesundheitsindustrie zumindest quantitativ schon ist: Inzwischen stehen dort mehr als 100.000 Gesundheits-Apps zum Download bereit. Und auch wenn längst nicht alle Programme einen medizinisch nachweisbaren Nutzen haben – das Wachstum hält an.
 
Mobile Health stößt in Versorgungslücke

Die Gründe für die Entwicklung sind mannigfaltig. Einer ist zweifellos die zunehmende Unterversorgung mit Ärzten und Therapeuten in den ländlichen Regionen vieler Industrienationen. Digitale Angebote stoßen hier in eine Lücke: Sind die Praxen zu weit weg, kommt der ärztliche Rat eben per Internet zu den Patienten.
 
Doch auch wer nicht fernab der Ballungszentren wohnt, kann von mobiler Gesundheit enorm profitieren, wie Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wahl-Kordon, Ärztlicher Direktor der Oberbergklinik Schwarzwald und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie erläutert: „Mit digitalen Therapie-Angeboten können wir online Menschen erreichen, zu denen wir aktuell nicht vordringen. Personen etwa, die aus Scham oder Furcht vor Stigmatisierung den Gang zum Therapeuten oder Arzt scheuen.“ Dabei handelt es sich keineswegs um eine kleine Gruppe, wie Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO belegen: Demnach bleiben in den Industrienationen bis zu 50% der psychischen Erkrankungen unbehandelt.
 
Apps können psychische Krankheiten frühzeitig erkennen

Auch Menschen, deren Krankheit sich noch nicht in einem fortgeschrittenen Stadium befinde, könne die digitalen Therapie helfen: „Bestimmte Apps können Zeichen einer Depression, Essstörung oder Angsterkrankung bereits in einer frühen Phase erkennen“, so Dr. Wahl-Kordon. Hat eine Anwendung ein psychisch auffälliges Verhalten erfasst, empfiehlt sie den Betroffenen den Gang zum Fachmann. „Dies führt im besten Fall dazu, dass die Leute deutlich früher zum Therapeuten oder Arzt gehen als ohne die Online-Hilfe.“
 
Sinnvoll kann der Einsatz mobiler Angebote überdies im Anschluss an eine stationäre Behandlung sein, wie Dr. Wahl-Kordon erläutert: „Apps helfen dem Patienten dann, einen Rückfall zu vermeiden – und empfehlen ihm in kritischen Situationen, beim Therapeuten anzurufen.“
 
Wichtiger denn je sind mobile Therapieangebote vor allem aufgrund der Flüchtlingskrise. „Viele Flüchtlinge leiden in Folge der Flucht an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS, Anm. d. Red.)“, so Dr. Wahl-Kordon. „Online-Therapien, bei denen Patienten in ihrer Muttersprache mit Therapeuten chatten können, stellen hier eine wichtige erste Hilfe dar und werden bereits genutzt.“
 
Mobile Angebote als wichtige Ergänzung zur stationären Behandlung

Obwohl zahlreiche Unternehmen bereits viel Geld in Entwicklung und Forschung investiert haben, ist sich der Ärztliche Direktor der Oberbergklinik Schwarzwald sicher: „Im Bereich Mobile Health stehen wir erst am Anfang.“ Ob die stationäre Therapie deshalb auf lange Sicht überflüssig werde? „Nein“, glaubt Dr. Wahl-Kordon. Dazu sei der Kontakt zwischen Arzt und Patient bei vielen Krankheitsbildern zu wichtig. „Doch werden mobile Angebote uns helfen, psychische Erkrankungen flächendeckender zu erkennen und öfter ohne stationäre Behandlung zu therapieren.“
 
Oberbergkliniken
Literaturhinweise:
(1) Fitzpatrick, Kathleen Kara / Darcy, Alison / Vierhile, Molly: Delivering Cognitive Behavior Therapy to Young Adults With Symptoms of Depression and Anxiety Using a Fully Automated Conversational Agent (Woebot): A Randomized Controlled Trial, in: JMIR Ment Health 2017 (Jun 06), 4(2): e19.



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