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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
04. Oktober 2017

Statistik-Professor simuliert: Wohin geht die Reise in Deutschland?

Ärztemangel, Pflegenotstand, Wohnraum-Knappheit. Probleme, die viele beschäftigen, zu denen es aber bislang kaum fundierte regionale Untersuchungen gibt. Wie entwickelt sich der Ärztemangel in der Eifel in den nächsten Jahrzehnten? Welchen Einfluss übt die Politik auf den Pflegenotstand in Mecklenburg-Vorpommern oder den Wohnungsmarkt in München in 20 Jahren aus? Antworten darauf will der Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik, Ralf Münnich, geben. Mit mehreren Wissenschaftlern plant er ein Simulationszentrum an der Universität Trier, in dem solche Entwicklungen anhand riesiger Datenmengen errechnet werden könnten.
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Das Besondere dabei: "Vorhersagen können anhand von Szenarien erstmals fundiert auch für Regionen erstellt werden", sagt Münnich. Denn bislang sei es so, dass es in Deutschland kein Modell gebe, das derart fein gegliedert in die "Mikrostrukturen" gehe, also "wirklich quasi Gemeinden von der Größe, der Bevölkerungs- und Altersstruktur her nachbaut". Das brauche man aber, wenn man nachbilden wolle, "wohin ziehen die Leute, wie klappt das mit der Versorgung, wie viel Einkommen gibt es in der Region?" Sein Team will das nun tun: "Wir zoomen runter."

Gestartet sind die Wissenschaftler mit einer Pilotregion - dem Großraum Trier. Seit diesem Jahr wird das Thema Pflege in den Fokus genommen, auch mit Blick ins angrenzende Luxemburg und in die Eifel. "Wir müssen dabei wirklich genau schauen, wo gibt es heute schon Pflegeheime, sind die erreichbar?". Doch der Blick soll über den Westen der Republik hinausgehen: "Wir wollen auf ganz Deutschland schauen und die Fragestellungen ausweiten", sagt der 53-Jährige. Dafür sollen noch um weitere Forschungsgelder geworben werden.

Bei den Simulationen können die Trierer Statistiker auf einen reichen Daten-Fundus zurückgreifen. Sie haben 2011 die statistische Methodik für Zensus-Befragung untersucht - und noch die anonymisierte Register-Auswertung der Zensus-Forschungsarbeiten auf ihren Rechner. "Wir wissen also im Prinzip, wie stark Häuser bewohnt sind, wie viele Personen in welcher Gemeinde leben." Hinzu kommen öffentlichen Daten zur geografischen Verteilung der Bevölkerung plus weitere Erhebungen. "Damit können wir die Bevölkerung ziemlich realitätsnah simulieren."

Im zweiten Schritt werden die Millionen Daten auf Regionen "heruntergebrochen". Und bestimmte Fragen dann in dynamischen Szenarien mit simuliertem Reaktionsverhalten von Menschen errechnet. "Unsere erste Simulation auf der Mikrostruktur hat gezeigt: Wir schaffen es, ein Jahr in wenigen Sekunden zu modellieren." Die Mega-Rechenanlage befindet sich in der Uni in einer Art Hochsicherheitslabor.

Als Projektpartner mit im Boot ist das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. "Das Projekt ist national das weitestgehende in diese Richtung", sagt der Leiter des Referats Wissenschaftskooperationen, Mikrosimulation und neue digitale Daten im Institut für Forschung und Entwicklung in der Bundesstatistik, Markus Zwick. Zudem habe es das Alleinstellungsmerkmal, dass es den Zensus-Simulationsdatensatz integriere. "Deshalb sind wir auch ganz optimistisch, dass wir weitere Fördergelder einwerben können", sagt er.

Was die Bundesstatistiker von dem Projekt erwarten? "Es hilft uns, wirklich zu lernen", erklärt Zwick. Mikrosimulationen würden von der Politik als Entscheidungsgrundlage zunehmend nachgefragt. Noch seien solchen Simulationen "kein Tagesgeschäft", daher sei es sinnvoll, solch ein Zentrum mit zu entwickeln. Es werde darüber nachgedacht, langfristig auch beim Bundesamt ein Mikrosimulationszentrum aufzubauen.

Wie viele Daten auf den Trierer Rechner sind? Bei er deutschen Bevölkerung seien dies pro Variable und pro Jahr 82 Millionen. Bei eingebauten Szenarien gehe die Datenmenge schnell hoch, sagt Münnich. "Wir gehen davon aus, dass wir, wenn die nächste Ausbaustufe kommt, binnen drei Jahren einen Zahlenkranz von 1.000 Variablen haben. Und dann sind wir jenseits von Terabytes."

Das Interesse an dem Projekt sei sehr groß, sagt er. "Wir haben schon Forschungsanfragen von Wissenschaftlern, Verbänden und sogar Gemeinden." Oder von der Ärztekammer und aus der Politik. "Viele Politiker interessieren sich nicht für Länder, sondern eher für Regionen. Zum Beispiel bei der Frage, ob ein neues Pflegezentrum in einem Gebiet Sinn macht oder nicht, oder ob sich die Versorgung mit Ärzten in verschiedenen ländlichen Regionen unterschiedlich darstellt."

Diese Anfragen könnten aber erst später beantwortet werden. "Erst muss die Forschungsinfrastruktur stehen." Es sei auch angedacht, diese später anderen Forschern für andere Inhalte zu öffnen – möglicherweise auch aus dem Ausland. "Die Sache hat Riesenpotenzial."

Allerdings gibt es beim Simulieren auch immer wieder Grenzen – denn nicht alles kann zahlenmäßig als Variable erfasst werden. "Wenn mir ein Forscher erzählt, er habe voraussehen können, wann genau eine Million Flüchtlinge in Deutschland ankommen, dann lache ich müde."
 
dpa



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