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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
07. September 2017

Neues Zulassungsverfahren für die mobile Rehabilitation in der Geriatrie

Gute Nachrichten für viele ältere Patienten, die zuhause oder im Heim versorgt werden. Geriatrische Reha-Einrichtungen können ab sofort ein vereinfachtes Zulassungsverfahren für die mobile Rehabilitation durchlaufen. Das bedeutet: Überall in Deutschland können nun unter erleichterten Bedingungen neue Angebote für die mobile Reha entstehen. Das ist ein wichtiges Angebot, damit betagte Patienten länger selbstständig bleiben und zunehmende Pflegebedürftigkeit vermieden wird. Bislang gibt es nur rund 20 Standorte in Deutschland, einer davon ist die Mobile Reha Bremen, die rund 170 Fälle im Jahr betreut.
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„Mit dieser Neuregelung können wir das geriatrische Reha-Angebot deutlich ausbauen“, sagt Dr. Rudolf Siegert, medizinischer Geschäftsführer der Mobilen Reha Bremen sowie Chefarzt der Klinik für Geriatrie, Physikalische Medizin und Rehabilitation am Klinikum Bremen Ost. Er bietet mit Kollegen jetzt ein Gründerseminar für die mobile Reha an. Im Interview spricht Siegert über die neuen Chancen, die sich Patienten, Ärzten und Kliniken jetzt bieten.

Herr Dr. Siegert, welche Neuregelungen gibt es konkret für die mobile Reha in der Geriatrie?

Der Aufbau einer mobilen Reha in einer geriatrischen Einrichtung war bislang an umfangreiche Vertragsverhandlungen und Bedingungen geknüpft. Deshalb sind viele Kliniken davor zurückgeschreckt. Diese Hürden wurden durch die Spitzenverbände der Krankenkassen nun deutlich abgesenkt und werden bis Ende 2021 niedrig bleiben. So können bei der Reha-Gründung zum Beispiel einfachere Ergänzungsvereinbarungen abgeschlossen werden, die mobile Rehabilitation muss nicht als eigenständige Betriebseinheit ausgewiesen werden und zudem kann teilweise das bereits vorhandene Personal eingesetzt werden.

Was bedeutet das genau für geriatrische Einrichtungen in ganz Deutschland?

Einrichtungen der Altersmedizin, die bereits Rehabilitation betreiben, wird es nun erstmals leichter gemacht, überhaupt mobile Rehabilitation anzubieten. Meines Erachtens gehört dies überall zum geriatrischen Versorgungsverbund dazu. Nicht nur in Metropolregionen, sondern auch in kleineren Städten sollte es in Zukunft die mobilen Reha-Angebote in der Geriatrie geben.

Warum ist die mobile Geriatrie so wichtig?

Es gibt derzeit eine deutliche Zahl an Patienten, die unter- beziehungsweise nicht versorgt sind und erst mithilfe der mobilen Geriatrie ein Rehabilitations-Angebot erfahren können. Dabei geht es um jene Menschen, die von einer Reha-Maßnahme nur profitieren können, wenn diese direkt in ihrem vertrauten Wohnumfeld erfolgt, sei es in ihrem eigenen Haus oder in einer Pflegeeinrichtung. Nach einer Schenkelhalsfraktur oder einem Schlaganfall kann eine klassische ambulante oder stationäre geriatrische Rehabilitation zum Beispiel an einer ausgeprägten Demenz, Depression oder massiven Sehstörung scheitern.

Was genau umfasst das Angebot?

Wir bieten eine komplexe, rehabilitative Versorgung wie in einer stationären oder ambulanten Einrichtung. Dies ist nicht mit einem therapeutischen Hausbesuch zu verwechseln. Stattdessen arbeiten wir mit dem kompletten geriatrischen Team, das heißt, bei uns arbeiten Ärzte und Pflegefachkräfte mit Fachleuten aus den Bereichen Physio- und Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Ernährungs- und Sozialberatung eng zusammen. Auch Prozesse wie Fallbesprechungen und die Festlegung von Reha-Zielen sind identisch. Und es gibt gewisse Vorteile: Zum einen sind wir in einem gewissen Rahmen flexibel, wie die vorgesehenen 40 Therapieeinheiten à 45 Minuten zeitlich verteilt werden. Zum anderen handelt es sich stets um Einzeltherapien durch sehr berufserfahrene Therapeutinnen und Therapeuten.

Ist die Einrichtung einer mobilen Geriatrie für Kliniken finanziell attraktiv?

Die geriatrische Rehabilitation allgemein steht in Deutschland unter einem enormen Finanzierungsdruck durch die Kostenträger. Auch mit mobiler Reha können keine größeren Gewinne erwirtschaftet werden. Aber mobile Reha kann so organisiert werden, dass sie sich trägt und auch Mittel für notwendige Investitionen abwirft. Neben diesem wirtschaftlichen Aspekt ist aber von besonderer Bedeutung, dass eine Klientel erreicht wird, die zuvor schlecht oder gar nicht versorgt wurde. Und das ist eine wirklich sinnvolle Ergänzung im Sinne des geriatrischen Versorgungsnetzes.

Warum gibt es bislang so wenige mobile Geriatrien?

Trotz des seit 2007 gesetzlich verankerten Anspruchs auf Versorgung durch mobile Geriatrie gibt es bisher wenig Interesse, solche Angebote zu schaffen – sowohl bei den Kostenträgern als auch unter den Ärzten. Die Kostenträger befürchten zusätzliche finanzielle Belastungen, geriatrische Einrichtungen fürchten um den Fortbestand ihrer stationären und ambulanten Behandlungsplätze. Dabei wird jedoch übersehen, dass diese Klientel bisher überwiegend gar nicht versorgt wurde und in einer klassischen geriatrischen Einrichtung nicht adäquat behandelt wäre. So ist es kein Wunder, dass erste mobile Geriatrien zwar schon Anfang der 90er-Jahre entstanden, aber seitdem nur wenige Einrichtungen hinzukamen. Zum Vergleich: Der Anspruch auf spezialisierte, ambulante Palliativversorgung, die Schwerstkranken ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in häuslicher oder familiärer Umgebung ermöglichen soll, wurde in etwa zeitgleich gesetzlich geregelt – aber wird schon jetzt weit verbreitet in Deutschland angeboten.

Wie lassen sich durch die neuen Vorgaben jetzt neue mobile Geriatrien aufbauen?

Die Gesundheitspolitik hat die mangelnde Umsetzung mobiler Rehabilitation für ältere Patienten registriert und reagiert. Jetzt sind wir Ärzte und Kliniken in der Pflicht, die passenden Angebote für die Patienten zu entwickeln. Als erstes müssen wir den Klinik-Chefs die Ängste nehmen, dass Bettenplätze wegfallen könnten oder Zusatzkosten entstehen. Unsere Erfahrung in Bremen zeigt das Gegenteil: Die Anzahl geriatrischer Behandlungsplätze ist insgesamt deutlich gestiegen. Zudem ist die mobile Reha gut etabliert, sie arbeitet wirtschaftlich und hat deutliches Steigerungspotential.
 
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)



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