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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
23. August 2017

Medizinstudierende sehen Handlungsbedarf bei Prüfungen

Die zunehmende Ausrichtung des Medizinstudiums hin zu einer kompetenzbasierten und praxisorientierten Ausbildung erfordert die Anpassung der Prüfungsformate und die Etablierung möglichst objektiver und – mit Blick auf den Lernerfolg – langfristig effektiver Prüfungen. Nachhaltigem Lernerfolg und einer breiten Wissensbasis sollte eine größere Bedeutung zukommen als dem reinen Abfragen von speziellem Detailwissen. Zu diesem Schluss kommt der Hartmannbund nach Auswertung des zweiten Teils seiner Umfrage „Dr. med. – Heilen ohne Hut?“, an der in der ersten Jahreshälfte 2.291 Medizinstudierende teilgenommen haben.
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„Unsere Befragung hat gezeigt, dass die Mehrheit der Studierenden per Multiple Choice geprüft wird, die Befragten einen langfristigen und nachhaltigen Lernerfolg aber vor allem in den mündlichen sowie den standardisierten praktischen Prüfungen sehen“, sagt Moritz Völker, Vorsitzender des Ausschusses „Medizinstudierende im Hartmannbund“. Ähnlich verhalte es sich bei der Frage, welches Prüfungsformat den tatsächlichen Wissensstand am besten abprüft. Aus Sicht der Teilnehmer sind dies vor allem mündliche Prüfungen wie z.B. Testate, standardisierte praktische Prüfungen wie z.B. OSCEs oder schriftliche Prüfungen im Freitextformat. Lediglich 14% der Teilnehmer bescheinigen dies den Multiple-Choice-Prüfungen.
 
„Diese augenscheinliche Diskrepanz wirft die Frage auf, was sich Medizinstudierende einerseits und Prüfer andererseits von Prüfungen erhoffen“, so Völker. Aus studentischer Sicht liege der Fokus klar auf den Aspekten „langfristiger Lernerfolg“ und „Bestehen“. Die Anzahl an Prüfungen im Medizinstudium stelle für die Studierenden kein generelles Problem dar. Hingegen werde die Vergabe von Noten kritisch gesehen. Gut zwei Drittel der Befragten würden Noten zugunsten von reinen Bestehensnachweisen abschaffen, da Noten aus ihrer Sicht für zusätzlichen Druck und Konkurrenzkampf im Studium sorgen und bei späteren Bewerbungen kaum Beachtung finden. „Aus unserer Sicht sollte der Fokus auf die Entwicklung neuer und langfristig effektiver Prüfungsformate gelegt werden“, so Völker.
 
Auf der Grundlage der Umfrageergebnisse haben die Medizinstudierenden im Hartmannbund ein Positionspapier „Prüfungen und Prüfungsformate im Medizinstudium“ veröffentlicht – mit folgenden Forderungen: Eine bundesweite Standardisierung der Prüfungsformate ist dringend notwendig, auch, um eine bessere Vergleichbarkeit gewährleisten zu können. Dem langfristigen Lernerfolg und der Abfrage einer breiten Wissensbasis sollte im Rahmen der kompetenzbasierten Medizinerausbildung mehr Bedeutung zukommen als der reinen Abfrage von speziellem Detailwissen. Kompetenzbasiertes Lernen benötigt Praxisbezug. Hierzu sollten vermehrt klinische und vorklinische Fächer longitudinal miteinander verknüpft werden und z.B. in praktisch-mündlichen Prüfungen bereits frühzeitig Fallbeispiele zum Einsatz kommen. Auch die mündlich-praktische Prüfung (M3) nach dem Praktischen Jahr muss in ihrer Ausgestaltung diesbezüglich reformiert werden. Der Fokus sollte mehr auf ärztliche Kernkompetenzen statt auf das Abprüfen von Faktenwissen gelegt werden. Die Relevanz von Noten im Medizinstudium sollte zugunsten von reinen Bestehensnachweisen reduziert werden, da so der zum Teil unnötig hohe Leistungsdruck gemindert und der Fokus vermehrt auf effektives, nachhaltiges Lernen gelegt werden kann. Die interindividuelle Vergleichbarkeit z.B. durch Rankings erzeugt aus Sicht der Medizinstudierenden im Hartmannbund vor allem unnötigen Druck.
 
Mehr Informationen zur Umfrage und dem Positionspapier finden Sie hier:
 
http://www.hartmannbund.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Umfragen/2017-08-15_Hartmannbund_Umfrage_Pruefungsfragen.pdf
 
http://www.hartmannbund.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Themen/Studierende/Pruefungen_im_Medizinstudium/2017-08-15_Hartmannbund_Positionspapier_Pru__fungen.pdf
 
Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.



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