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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
23. März 2017

SmartHealth: Digitale Hilfe für Eltern chronisch kranker Kinder

Experten schätzen, dass etwa jedes sechste bis achte Kind in Rheinland-Pfalz chronisch krank ist. Dabei wird die Belastung sehr unterschiedlich empfunden, die ein an Asthma, Diabetes oder Mukoviszidose erkranktes Kind für die Eltern und Geschwisterkinder mit sich bringt. Nicht wenigen bereitet die ständige Sorge schlaflose Nächte und setzt sie dauerhaft unter Stress. Körperliche Symptome lassen dann nicht lange auf sich warten. Das neue Projekt "BEcKi" der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz und des Universitätsklinikums Ulm möchte nun Familien niederschwellige Hilfe anbieten, bevor sie psychisch an ihre Grenzen stoßen: BEcKI steht für Beratung von Eltern chronisch kranker Kinder im Internet.
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"Die Betreuung eines chronisch kranken Kindes kann an die Substanz gehen", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung. Job, Familie und Haushalt stelle für viele eine Herausforderung dar; ein krankes Kind zu betreuen, verbrauche zusätzlich Energie und könne zu eingeschränkter Lebensqualität und Partnerproblemen führen. "Die Geschwister des erkrankten Kindes erhalten umständehalber häufig weniger Aufmerksamkeit und Zuwendung der Eltern. Man nennt sie deshalb auch Schattenkinder", sagt der TK-Landeschef. Auch hier seien Konflikte durch Eifersucht und Kampf um Aufmerksamkeit möglich.

Blick auf die psychosozialen Belastungen der Eltern

Gerade chronisch kranke Kinder benötigen aber ein möglichst harmonisches und strukturiertes Umfeld, um eine Verschlimmerung oder akute Schübe zu vermeiden. "Bei herkömmlichen Patientenschulungen werden die Eltern zwar oft einbezogen, ihre eigenen psychosozialen Belastungen aber kaum adressiert", stellt Prof. Dr. Lutz Goldbeck, Psychologe und Leiter der Sektion Psychotherapieforschung und Verhaltensmedizin am Universitätsklinikum Ulm, fest. "Wir wollen mit unserem Programm die Eltern gezielt bei der Bewältigung der Erkrankung ihres Kindes unterstützen und sie stark machen für die damit verbundenen Aufgaben."

Zunächst bietet die TK Eltern die Teilnahme bei BEcKI an, deren Kind an Asthma erkrankt ist und im sogenannten Disease-Management-Programm (DMP) der Kasse eingeschrieben ist. "Um die betroffenen Eltern in Rheinland-Pfalz zu erreichen, werden rund 200 Anschreiben versandt", so Simon. Er hoffe, dass möglichst viele Eltern daraufhin die digitale Beratung in Anspruch nähmen.

Individuelles Coaching durch Psychologen und Pädagogen

Die Teilnehmer treten mit ihrem Berater oder ihrer Beraterin über die gesicherte Plattform der Ulmer Onlineklinik in Kontakt. "Unsere Mitarbeiter sind Psychologen, Pädagogen oder Gesundheitswissenschaftler und machen sich zunächst über eine standardisierte Befragung ein Bild von der momentanen psychischen Belastung. Dadurch können sie das Coaching gezielt auf die individuelle Situation der Familie anpassen", erklärt Projektleiter Goldbeck. Über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Wochen werden dann anhand von Schreibaufgaben die Themenfelder Krankheitsmanagement, Angstbewältigung und Selbstfürsorge bearbeitet.

Internetbasierte psychologische Intervention

Diese Form der sogenannten internetbasierten psychologischen Intervention hat den Vorteil, dass die Teilnehmer von einem persönlichen Therapeuten individuell betreut werden, gleichzeitig durch die Online-Kommunikation aber keine festen Termine eingehalten werden müssen. "Die Eltern können theoretisch im Wartezimmer eine Schreibsitzung absolvieren, während ihr Kind untersucht oder therapiert wird", so Goldbeck. Zu jeder Aufgabe erhalten die Teilnehmer dann ein schriftliches Feedback mit Lösungsstrategien aus der Verhaltenstherapie. Die Umsetzung wird mit dem Berater besprochen und immer wieder reflektiert. Bei einem Pilotprojekt mit Eltern von Kindern und Jugendlichen, die an Mukoviszidose erkrankt sind, wurde diese Form der Online-Beratung bereits positiv bewertet. "Wir haben festgestellt, dass die Teilnehmer hinterher weniger über Angst und depressive Symptome berichteten. Insgesamt wurde die Lebensqualität der Familien deutlich gesteigert", betont der Psychologe.

Für die TK birgt BEcKI die Chance auf einen zweifachen Nutzen: "Zum einen werden die Eltern durch die Beratung befähigt, die Therapie des Kindes unterstützend zu begleiten und so dessen Gesundheitszustand zu verbessern, zum anderen beugen wir belastungsbedingten Gesundheitsproblemen der Eltern und Geschwisterkinder vor", sagt Jörn Simon. Hier zeige sich einmal mehr, wie telemedizinische Angebote zum Vorteil aller dienen könnten. Konventionelle Beratungsangebote für Rat suchende Eltern gebe es kaum oder seien im Alltag nicht realisierbar. Über das Online-Angebot kämen mehr Menschen zum Zug und die Hemmschwelle sei deutlich geringer.
 
Techniker Krankenkasse (TK) Rheinland-Pfalz



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