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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
24. Februar 2017

Soziale Netzwerke als Krisenbarometer

Kommunikationsmechanismen in sozialen Netzwerken stehen im Fokus eines neuen, vom Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften koordinierten EU-Projektes. „ODYCCEUS Opinion Dynamics and Cultural Conflict in European Space“ wird von der Europäischen Union im Rahmen des Forschungsprogramms Horizont 2020 in den kommenden vier Jahren mit 5,8 Millionen Euro gefördert. Derzeit treffen sich die am Projekt beteiligten Partner zu einem Kick-off-Meeting am Leipziger Institut.
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Unsere heutige Gesellschaft ist mit einer Reihe großer globaler Probleme konfrontiert, vom Klimawandel mit seinen unvorhersehbaren Konsequenzen, über Terrorismus, bewaffnete Konflikte und der daraus resultierenden Flüchtlingsbewegung bishin zu extremen politischen Gruppierungen. Gleichzeitig entwickeln sich die Informationsmechanismen im Web rasant, und soziale Medien und die Digitalisierung unserer Gesellschaft haben weitreichende Auswirkungen auf unsere soziale Interaktion und Kommunikation. Sie führen zu komplexen Wechselbeziehungen von Millionen von Individuen und bestimmen immer mehr die Art und Weise wie sowohl Individuen als auch Gemeinschaften miteinander kommunizieren. „Kann man den stetig zirkulierenden Informationsfluss analysieren, um die großen Probleme der heutigen Gesellschaft besser zu verstehen? Könnte man diese Daten nutzen, um sozialen Krisen, die durch kulturelle Unterschiede und divergierende Weltansichten entstehen, besser auf den Grund zu gehen? Und könnte dies das frühzeitige Aufdecken von Konflikten vereinfachen und vielleicht sogar zu einer raschen und vor allem gewaltfreien Lösung beitragen?“ mit diesen Fragen umreißt Dr. Eckehard Olbrich, Projektleiter am Max-Planck-Institut die zentralen Problemstellungen von ODYCCEUS. „Gemeinsam mit unseren Projektpartnern möchten wir sowohl konzeptionelle Grundlagen und Methoden als auch Werkzeuge schaffen, um auf all diese Fragen eine positive Antwort zu geben und eine Vision Wirklichkeit werden lassen.“

Zu den Projektpartnern gehören die Universität Leipzig, die Universita Ca‘ Foscari Venedig (Italien), die Technische Hochschule Chalmers, Göteborg (Schweden), die beiden Pariser Universitäten Pierre-et-Marie Curie sowie Paris-Diderot (Frankreich), die Vrije Universiteit Brüssel (Belgien) sowie die Universiteit van Amsterdam (Niederlande).

Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, verschiedenste Diskussionsforen im Internet sowie die zahlreichen Nachrichtenkanäle stellen unermessliche Datenquellen dar. Diese nach bestimmten Gesichtspunkten gezielt zu eruieren und zu analysieren haben sich die Wissenschaftler zum Ziel gemacht.

Wir leben im Moment in einer unruhigen und turbulenten Welt. Geschuldet ist dies zu einem großen Teil kulturellen Konflikten und divergierenden Weltanschauungen, gegensätzlichen multilateralen Interessen, aber auch den rapiden Informationsflüssen in sozialen und digitalen Medien. Die Sozialwissenschaften stellt dies vor signifikante Herausforderungen. Sie sind gefordert, sich entwickelnde Konfliktpotentiale besser vorauszusehen, das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Interessensgruppierungen, Eskalationen von Gewalt sowie politische Instabilitäten zu ergründen und zu verstehen, um letztendlich Wege zu einem friedvollen und stabilen Zusammenleben in einer komplexen multikulturellen Welt aufzuzeigen.

Ein Kernpunkt des ODYCCEUS-Projektes liegt in der Beobachtung politischer Anschauungen und Meinungen und deren empirischer Auswertung in Hinblick auf gesellschaftlich relevante Themen und Prozesse. Ein Hauptaugenmerk wird auf die sich neu konfigurierenden Dimensionen der politischen Auseinandersetzung gelegt. Mittel der automatischen Textanalyse sollen helfen, dieses Phänomen der langfristigen Neuordnung des politischen Raumes zu ergründen. Die Wissenschaftler arbeiten zudem an der Entwicklung von speziellen Werkzeugen, um die Hauptströme politischer Diskurse in den unterschiedlichsten Ebenen im Netz gezielt zu beobachten und zu visualisieren. Der mathematischen Modellierung der Dynamik von Meinungen und Ansichten im politischen Umfeld, deren Orientierung und Polarisierung kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Zudem möchte man die Bedeutung kultureller Unterschiede und divergierender Weltanschauungen entschlüsseln und verstehen, um Einsichten zu gewinnen in die Dynamik sozio-politischer Entwicklungen und Konflikte, um diese im Idealfall letztendlich vermittelnd und konfliktlösend positiv nutzen zu können.

ODYCCEUS vereint in interdisziplinärer Zusammenarbeit verschiedenste Forschungszweige aus den Medienwissenschaften, Linguistik, Ökonomie, Politik, Geschichte, Geografie, Soziologie, Mathematik und Informatik. So finden sich theoretische Grundlagen für das Verständnis von Konflikten als Resultat kultureller Unterschiede als auch antizipierende Handlungsweisen beispielsweise in der Spieltheorie. Diese sowie weitere theoretische Modelle und Methoden erlauben Abstraktionen von Einzelphänomenen auf generelle Entwicklungen. Zur Evaluierung und Validierung der gewonnenen Resultate dient eine Reihe inkludierter Fallstudien. Ausgefeilte Methoden der Textanalyse und die Entwicklung entsprechender Algorithmen leisten die Identifizierung politischer Statements und feinster Repräsentationen von Meinungsbildern und kulturellen Konflikten im Netz. Geografische Methoden und Instrumente dienen zur Strukturierung der Informationsflüsse und deren Einordung in geografische Räume als auch zur Identifizierung von „Agenda settings“ im europäischen Raum.

Integriert in das Projekt ist die Entwicklung einer interaktiven offenen Softwareplattform, welche die Möglichkeit bieten soll, die unsichtbaren und sich schnell entwickelnden dynamischen Prozesse im Netz und die  daraus gewonnenen Erkenntnisse einer breit gefächerten Nutzergemeinde in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft verfügbar zu machen und im Gegenzug mit deren Beteiligung und Input die Forschung auf diesem Gebiet weiter voranzutreiben.

„Unsere Vision ist es, mit dem Projekt ODYCCEUS zu einem besseren Verständnis der Dynamik öffentlicher Debatten beizutragen und es sowohl für wissenschaftliche Zwecke als auch für eine breite Öffentlichkeit nutzbar zu machen. ODYCCEUS bietet eine große Chance, bei der Annäherung und Konfliktlösung in einer heterogenen, mit kulturellen Vorurteilen und unterschiedlichsten Interessen belasteten Gesellschaft mitzuwirken.“ fasst Eckehard Olbrich das Projektziel zusammen.


Informationen zum Projekt ODYCCEUS Opinion Dynamics and Cultural Conflict in European Space: http://www.odycceus.eu
Informationen zum Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020:
http://www.ec.europa.eu/programmes/horizon2020, http://www.horizont2020.de
 
Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)



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