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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
12. April 2016

Studie bei Klinikpersonal: Mit Elternzeit sinken die Aufstiegschancen

Wie sich die Elternzeit auf die Karrierechancen von Klinikpersonal auswirkt, haben Wissenschaftler im Rahmen einer Studie untersucht. Das Ergebnis: Obwohl viele Vorgesetzte der Auszeit für die Familie positiv gegenüber stehen, setzen sie die Rückkehrer oft in weniger verantwortlichen Arbeitsfeldern als zuvor ein. Vor allem Führungskräfte sehen sich in ihrem beruflichen Fortkommen behindert. Viele kehren ihrem Arbeitgeber daher bereits kurz nach ihrer Rückkehr den Rücken.

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Diese und weitere Ergebnisse veröffentlichte Dr. med. Dr. rer. nat. Carsten Engelmann gemeinsam mit Kollegen 2015 in der "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag). Für den Beitrag "Weggegangen - Platz vergangen? Karriereaussichten universitären Gesundheitspersonals nach Rückkehr aus der Elternzeit" erhalten er und seine Koautoren den diesjährigen DMW Walter Siegenthaler Preis.
 
Für ihre Studie werteten Dr. Carsten Engelmann und seine Kollegen 406 von 709 Fragebögen aus, die sie an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Medizinischen Hochschule Hannover versendet hatten. Alle hatten zwischen 2009 und 2012 Elternzeit in Anspruch genommen. Zu den Befragten zählten nicht nur Ärzte, sondern auch Pflegekräfte, Laboranten und Verwaltungsangestellte. Darüber hinaus schickten 63 von 88 Abteilungsleitern ausgefüllte Interviews an das Institut für Medizinische Soziologie der Hochschule zurück.
 
Die Auswertung ergab, dass die Beschäftigten die Reaktion ihrer Vorgesetzten auf die Inanspruchnahme der Elternzeit überwiegend positiv bewertete. Mit den Arbeitsbedingungen nach ihrer Rückkehr waren die meisten jedoch unzufrieden. So registrierte die Hochschule, dass sich viele von ihnen schon nach kurzer Zeit nach einem neuen Arbeitsplatz umsahen. "Innerhalb eines Jahres wechselten allein 39% der Ärzte nach der Elternzeit die Arbeitsstelle - unter den Kollegen ohne Arbeitsunterbrechung waren es nur halb so viele", erklärt Dr. Engelmann.
 
Nach Aussage der Preisträger hängen die Probleme beim Wiedereinstieg unter anderem mit der unterschiedlichen Bewertung der beruflichen Fähigkeiten nach der Elternzeit zusammen. Während die Mitarbeiter ihren Wissensverlust als gering einstufen, befürchten ihre Vorgesetzten Kompetenzeinbußen. Sie wünschen sich deshalb eine möglichst rasche Rückkehr. Dieses Signal nehmen insbesondere Ärzte und Führungskräfte wahr. Sie kehren deutlich früher ins Berufsleben zurück als andere.
 
Aber auch sie sehen sich häufig in Tätigkeitsfelder gedrängt, in denen sie weniger Einfluss haben als zuvor. Ihre Karriereaussichten beurteilten sie überwiegend negativ. "Frauen waren pessimistischer als Männer, vor allem wenn sie vor der Elternzeit eine Führungsposition inne hatten", so Dr. Engelmann. Diese negativen Erfahrungen minderten gleichzeitig das Bestreben, ein weiteres Mal Elternzeit zu nehmen. Den Wunsch nach Teilzeittätigkeit konnten die Mitarbeiter umso weniger umsetzen, je höher ihre frühere Position war. In 41% der Fälle wurde den Beschäftigten erklärt, dass sie ihre bisherige Tätigkeit aufgrund mangelnder Flexibilität und erhöhtem Organisationsaufwand dann nicht mehr ausüben könnten.
 
Um zu verhindern, dass eine Elternzeit eine berufliche Deklassierung nach sich zieht, rät Dr. Engelmann zu detaillierten Rückkehrvereinbarungen. Darin sollte der Status der bisherigen Beschäftigung fixiert und die Fortsetzung der Karriere vereinbart werden. Dies gab es in Hannover nur bei 7% der Mitarbeiter in schriftlicher und bei 30% in mündlicher Form. Darüber hinaus fehle es bislang häufig an einer expliziten Vertretungsregelung. Das führe häufig dazu, dass nach der Rückkehr frühere Verantwortungsbereiche bei Kollegen verbleiben.
 
Die Jury des DMW Walter Siegenthaler Preises überzeugte die Arbeit vor allem durch das fundierte Studiendesign und die Relevanz der Ergebnisse für den Klinikalltag. "Die Autoren liefern mit ihrer Arbeit wichtige Daten und Empfehlungen, die helfen können, die offensichtliche Benachteiligung von berufstätigen Eltern in deutschen Kliniken zu beseitigen", betont Professor Dr. med. Martin Middeke, Vorsitzender der Jury und Schriftleiter der DMW.
 
Die 1875 gegründete DMW, die seit 1887 im Georg Thieme Verlag erscheint, vergibt den nach dem Schweizer Internisten Professor Dr. med. Dr. h. c. Walter Siegenthaler (1923–2010) benannten Preis in diesem Jahr zum 17. Mal. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis zeichnet Autoren aus, deren Forschungsarbeit im Vorjahr in der DMW publiziert wurde und prägenden Einfluss auf Medizin und Gesundheit genommen hat und nimmt.

 
Quelle: Georg Thieme Verlag



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