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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
29. März 2016

Umfrage: Zertifizierung von Gesundheits-Apps durch Ärzte ist überfällig

Ob Handy, Tablet oder Smartwatch: Die Zahl der verfügbaren Gesundheits-Apps steigt rasant. Doch Ärzte raten zur Vorsicht: Auf  dem Markt tummeln sich inzwischen diverse fragwürdige Programme - und viele Nutzer blenden das Thema Datensicherheit völlig aus. Auch sind  die Mediziner überzeugt: Eine Überprüfung oder Zertifizierung der  Apps durch Ärzte ist eigentlich überfällig.

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Längst können Apps ortsunabhängig Puls, Blutzuckerwerte oder die  Gewichtsentwicklung ihrer Nutzer dokumentieren und zusätzlich  medizinische Infos aus dem Netz ziehen. Anbieter und Hersteller  preisen die neuen Möglichkeiten als echten Meilenstein in der  Entwicklung der Patientenversorgung. Der Ärztenachrichtendienst in  Hamburg (änd) wollte nun wissen, wie die Mediziner über die  elektronischen Helfer denken. 303 niedergelassene Ärzte beteiligten  sich an der Umfrage - und 97% davon zeigten sich überzeugt:  Die Anzahl der Nutzer von Gesundheits-Apps wird in den nächsten  Jahren stark ansteigen.

Jeder zweite Arzt (50%) gab an, dass er sich mit dem Thema schon auseinandergesetzt und sich die eine oder andere App angeschaut habe.
Weitere 16% kennen sich eigenen Angaben zufolge schon sehr gut aus - und haben bereits diverse Apps getestet. Im  Arzt-Patienten-Gespräch kommt das Thema offenbar auch immer häufiger  hoch: Fast die Hälfte der Ärzte (46 %) sind von Patienten schon  einmal mit Gesundheitsdaten konfrontiert worden, die auf einem  Smartphone gespeicherten waren.

Die Frage, ob Apps den Patienten auch sinnvolle Informationen über  medizinische Sachverhalte oder eine gesundheitsfördernde Lebensweise  bieten können, beantworteten lediglich 18% der Ärzte mit einem eindeutigen "Nein". Die große Mehrheit sieht dies positiver: 62% der Mediziner sind überzeugt, dass immerhin "einige wenige"  gute Programme für Patienten hilfreiche Informationen liefern können. Allerdings sind sie auch der Überzeugung, dass viel Unsinn auf dem  Markt ist. Von "sehr vielen" hilfreichen Apps auf dem Markt sprechen  nur 20% der Ärzte.

Skepsis klingt auch bei der Frage nach medizinischen Messwerten  durch, die von den Apps erhoben und ausgewertet werden können. Ob  Daten über den Kreislauf, Gewicht oder Blutzuckerwerte: Fast jeder  dritte Arzt (31%) hält diese Funktionen für Spielereien ohne großen  Nutzen - aber auch ohne große Gefahren. 24% warnen dagegen: Solche medizinischen Daten könnten den Nutzer ohne ärztliche Interpretation eher verwirren, als dass sie ihm irgendwie helfen. Immerhin 45% der Ärzte betrachten diese Entwicklung entspannt: Prinzipiell böten die Apps hilfreiche oder lehrreiche Informationen - was durchaus zu begrüßen sei.

Erleichtern die mit Smartphone, Tablet oder Spezialuhr gesammelten  Daten dem Arzt in der Praxis also die Arbeit? Offenbar nur in seltenen Fällen: Lediglich 30 Prozent der Umfrageteilnehmer sprechen von einer Erleichterung im Behandlungsalltag. Ihrer Meinung nach lassen sich hilfreiche Erkenntnisse aus den gesammelten Daten ziehen. 25% halten die Daten für unbedeutend und keine echte Hilfe. Deutliches Warnsignal dagegen: 45% sprechen im Zusammenhang mit Gesundheits- oder Medizin-Apps eher von einer Gefahr oder Mehrarbeit. Von den Angaben verwirrte Patienten müssten in der Praxis beruhigt oder aufklärt werden.

Sorgen machen sich die Ärzte auch beim Thema Datenschutz: Nur 4% der befragten Ärzte glauben, dass sich die Nutzer der Apps  voll über die Risiken im Klaren sind. Der Rest warnt: Patienten sollten bei den Apps genau schauen, welche persönlichen Daten von wem wo gespeichert und ausgewertet werden. 43% prophezeien sogar eine extrem gefährliche Entwicklung. Ihrer Meinung nach blenden viele Nutzer von Gesundheits-Apps das Thema Datensicherheit völlig aus - mit unüberschaubaren Folgen.

Angesichts der Tatsache, dass fast täglich neue - und völlig  ungeprüfte - Gesundheits-Apps auf den Markt kommen, hält die Mehrheit eine Überprüfung oder Zertifizierung durch Ärzte für dringend geboten: 37% der Ärzte sprechen sich gar für eine verpflichtende Kontrolle von Gesundheits- und Medizin-Apps aus, bevor sie in Deutschland angeboten werden dürfen. 55% würden sich zumindest eine Art Qualitätssiegel wünschen, das den Patienten die Auswahl sinnvoller Apps erleichtern würde. Ein Verbot schlechter Apps oder eine verpflichtende Überprüfung halten sie aber für wenig  sinnvoll beziehungsweise schwer umsetzbar.

An der Umfrage des Branchendienstes änd unter niedergelassenen Medizinern in Deutschland beteiligten sich vom 22. bis zum 27. März insgesamt 303 Ärzte. Rund 23% der Teilnehmer bezeichneten sich im Rahmen der Online-Umfrage selbst als Nutzer von Gesundheits-Apps.

 
Quelle: änd



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