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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
11. November 2015

Erinnern - Gedenken - Mahnen: Die jüdischen Ärztinnen und Ärzte am Dr. von Haunerschen Kinderspital

31 jüdische Kinderärztinnen und -ärzte am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. An sie erinnerte das zum LMU-Klinikum gehörende Kinderspital am 9. November 2015 gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde und zahlreichen Gästen, unter ihnen auch Nachkommen der Verfolgten aus Israel. Die Gedenkstunde mit anschließender Ausstellung nannte die Präsidentin der Kultusgemeinde, Dr. Charlotte Knobloch, einen "Wegweiser (…) in die richtige Richtung".

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Manche mussten binnen eines Tages das Haus verlassen, wurden schikaniert, verhaftet, in den Suizid getrieben und ermordet. Diejenigen, denen die Flucht gelang, hatten mittellos in der Fremde oft große Schwierigkeiten. Die Kinderheilkunde war insgesamt besonders stark von der antijüdischen Ausschaltungspolitik der Nationalsozialisten betroffen. Denn mehr als die Hälfte der Anfang 1933 im Deutschen Reich tätigen Kinderärztinnen und -ärzte war im Sinne der NS-Rassengesetze jüdischer Abstammung. 31 von ihnen wirkten über Jahre oder gar Jahrzehnte am Dr. von Haunerschen Kinderspital im Herzen Münchens, darunter Koryphäen der Kindermedizin wie Erich Benjamin, Ernst Moro und Albert Uffenheimer, deren Pionierarbeit aus der Kinderheilkunde nicht mehr wegzudenken ist.

Diesen verfolgten jüdischen Kinderärzten war die Gedenkstunde im Großen Hörsaal des "Haunerschen" gewidmet. In seiner Begrüßung betonte Professor Dr. Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik, die Wichtigkeit des Erinnerns und die großen Beiträge jüdischer Kinderärzte in Medizin und Gesellschaft. Frau Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, knüpfte an ihr persönliches Erleben der Reichspogromnacht 1938 an und mahnte zur Wachsamkeit angesichts gefährlicher antidemokratischer und antisemitischer Tendenzen in der Gegenwart. Professorin Naama Constantini, eigens aus Israel angereist, erzählte von ihrer Großmutter Bella Wirz. Die gebürtige Münchnerin war nach dem Ersten Weltkrieg zunächst am Haunerschen tätig und emigrierte 1933 nach Palästina. So standen die Schicksale der Einzelnen im Zentrum der Veranstaltung: Professor Dr. Joseph Rosenecker und Dr. Andrea Autenrieth stellten in einem Vortrag die nach langer Recherche entstandenen Biographien der verfolgten jüdischen Mediziner am Kinderspital vor. Die Lebenswege, die am besten erforscht werden konnten, waren in der an-schließenden Ausstellung "Ärztinnen und Ärzte am Dr. von Haunerschen Kinderspital, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung wurden" dargestellt. Zur Eröffnung fand die feierliche Enthüllung einer Gedenktafel statt. Diese kann im Erdgeschoss des Haunerschen besichtigt werden. Sie soll ein Beitrag dazu sein, das Leid der verfolgten Kolleginnen und Kollegen vor dem Vergessen zu bewahren und es als Mahnung für die Gegenwart zu verstehen.

 
Quelle: Klinikum der Universität München



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