Dienstag, 17. Oktober 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
11. November 2015

DIVI fordert deutlich höheren Stellenwert für Notaufnahmen

Es kann so schnell gehen. Nur eine Sekunde nicht aufgepasst und man baut einen Autounfall, hat einen Fahrradcrash oder zieht sich eine schlimme Verletzung im Haushalt zu. Mehr als 20 Millionen Menschen müssen jedes Jahr in eine Notaufnahme, um sich behandeln zu lassen. Sie hoffen auf schnelle Hilfe und die bekommen sie auch. Doch das kostet Geld.

Anzeige:
 
 

Damit die Notfallversorgung zukünftig in Deutschland nicht weiter leidet, muss dringend etwas geschehen. Deshalb läuft der DIVI-Kongress 2015, der vom 02. bis 04.12.2015 in Leipzig stattfindet, auch unter dem Motto "Qualität trifft Ökonomie".
 
"Wenn ökonomische Zwänge zu schlechterer Qualität führen, kann das in einem Desaster enden, wie man jetzt bei VW sieht", sagt Professor Andreas Seekamp, Sprecher der Sektion Interdisziplinäre Notaufnahme der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie Präsident des diesjährigen DIVI-Kongresses. "In der Medizin darf so etwas nicht passieren. Ein Autobauer kann einen Rückruf starten, wir haben dann oft nur den Nachruf."
 
Das größte Problem: Die Notfallversorgung ist chronisch unterfinanziert. Krankenkassen schlagen zwar eine Querfinanzierung über die stationären Fälle vor, doch das deckt bei weitem nicht die Kosten. Die Folge: Für die Kliniken ist die Notfallversorgung ein Minusgeschäft. Laut einer Studie bekommt ein Krankenhaus pro Notfall im Durchschnitt 32 Euro, die Kosten liegen aber bei 126 Euro. "So entwickeln sich die Notfallstationen zu einer Bad Bank für die Krankenhäuser und das darf natürlich nicht sein", sagt der Experte, der Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel ist. "Aufgrund der Unterfinanzierung entsteht ein Personalmangel und das, obwohl qualifizierte Ärzte grundsätzlich zur Verfügung stehen."
 
"Unter ökonomischen Gesichtspunkten könnte man z.B. erwägen, regionale Notfallzentren einzurichten, anstatt in Flächenstaaten mit wenig Bevölkerung, wie Schleswig Holstein, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern, unrentable Kliniken zu betreiben, nur damit eine Notfallversorgung sicher gestellt ist", sagt Professor Seekamp. "Sie können Patienten aufnehmen und dann gezielt weiterleiten." Als Vorbild dient hier das Traumanetzwerk, das sich um die Versorgung von Unfallverletzten kümmert. Dabei kommt die so genannte Triagierung zur Anwendung. Dabei handelt es sich um eine Abstufung der Schweregrade von Verletzungen. Kleine Häuser behandeln leichte Verletzungen, schwere und schwerste Verletzungen kommen in größere Kliniken. "Die Transportwege sind dabei heute kein Problem mehr", sagt der DIVI-Sektionssprecher. "Wir können in ganz Deutschland den Luftweg nutzen. Fakt ist, dass wir an ökonomischen Zwängen nicht vorbeikommen. Medizin muss auch wirtschaftlich sein und nicht jedes Krankenhaus braucht eine Notaufnahme."
 
Hoffnung macht jetzt das neue Krankenhausstrukturgesetz, das zum 1. Januar 2016 in Kraft treten soll. Es verbessert die Wertigkeit der Notaufnahmen. Allerdings nur dann, wenn auch alle Punkte umgesetzt werden. Zu den wichtigsten Zielen zählen eine flächendeckende Verbesserung und nachhaltige Finanzierung der ambulanten, präklinischen und klinischen Versorgung von Patienten mit akuten Erkrankungen und Verletzungen, die eine rasche und kompetente Versorgung erfordern. Das ist nur möglich, wenn der Notfallmedizin eine angemessene Priorität im Gesundheitswesen eingeräumt wird.
 
Wichtige von der DIVI in diesem Zusammenhang geforderte Punkte sind: Eine notfallmedizinische Versorgung, die schwerpunktmäßig in klinischen oder ambulanten interdisziplinären Notfallzentren mit enger Anbindung der kassenärztlichen Notdienste, der Notärzte und des Rettungsdienstes erfolgt. Diese Notfallzentren könnten in drei Kategorien unterteilt werden. Zur Kategorie I zählen überregionale Zentren und zur Kategorie II gehören regionale Versorgungskrankenhäuser mit eingeschränkter Anzahl an stationären Fachabteilungen. Zur Kategorie III schließlich zählen ambulante Versorgungszentren, z.B. in ländlichen Gebieten ohne eigenes Krankenhaus. Diese Notfallzentren müssen mit den klinischen Notfallzentren der Kategorie I und II auf vereinbarten Wegen kooperieren. "Die Entscheidung für eine ambulante oder stationäre Behandlung muss dabei grundsätzlich nach medizinischen und darf nicht nach primär wirtschaftlichen Kriterien erfolgen", fordert Professor Seekamp. "Selbstverständlich müssen unnötige stationäre Aufnahmen vermieden werden. Notwendige stationäre Aufnahmen dürfen dagegen von den angeschlossenen Krankenhäusern nicht verzögert oder gar verweigert werden. Es muss eine Übernahmepflicht bestehen und im stationären Bereich müssen ausreichende Kontingente für Notfallpatienten eingeplant werden."
 
DIVI-Kongress 2015 "Qualität trifft Ökonomie"

Das Thema "Notfallversorgung" ist einer der Schwerpunkte des DIVI-Kongresses 2015, der vom 02. bis 04.12. im CCL Congress Center in Leipzig stattfindet. In Anbetracht der 15. Veranstaltung kann man von einem kleinen Jubiläum sprechen. Ein Grund für das wachsende Interesse an der DIVI insgesamt ist, dass Medizin heute mehr als je zuvor interdisziplinär betrieben wird und die Notfall- und Intensivmedizin dafür ein Paradebeispiel darstellt.
 
Mehr als 500 Vorträge und 40 verschiedene praktische Workshops stehen in den drei Tagen unter dem diesjährigem Motto "Qualität trifft Ökonomie" auf dem Programm. Zudem kann sich das Fachpublikum in Live-Demonstrationen z.B. über Intensiv-Telemedizin informieren oder an Führungen durch eine Neonatologische Intensivstation teilnehmen.
 
Aus aktuellem Anlass wird auch Flüchtlingshilfe und deren medizinische Herausforderungen in einer eigenen Sitzung "Bewältigung der Flüchtlingswelle" thematisiert. In drei Vorträgen stellen Vertreter des Landes Schleswig-Holstein, des dortigen Universitätsklinikums und des Friedrich-Ebert-Krankenhauses ihre praktischen Erfahrungen vor.

Spannende News sind auch eine hochkarätig besetzte Delegation aus China zum diesjährigen Kongress. Sie wird in der "Präsidentensitzung" am 03.12. über die chinesische Intensiv- und Notfallmedizin berichten. Die DIVI betrachtet diesen Besuch als Auftakt für eine internationale Kooperation entsprechend § 2 der DIVI-Satzung. Ein Entwurf für ein Kooperationsabkommen in der Intensivmedizin und Notfallmedizin zwischen der DIVI und der HHRDC liegt bereits vor. Die HHRDC (The Health Human Development Center) ist eine Institution im chinesischen öffentlichen Gesundheitswesen, die für die Personalqualifikation und -entwicklung zuständig ist. Geplant sind u.a. gegenseitige Hospitationen und Einladungen zu Tagungen und Vorträgen.
 
Am 03. und 04.12. führt die Feuerwehr Leipzig jeweils von 12:00 bis 12:30 Uhr eine Höhenrettung im Atrium des CCL durch und die Bundeswehr präsentiert jeweils von 10:00 bis 10:30 Uhr auf einem eigenen Stand die praktische Arbeit der Sanitätskräfte im Einsatz. Kongressteilnehmer können außerdem eine Intensivrettung an Bord eines Hubschraubers erleben, zu der wir auch die Presse herzlich einladen. Ein weiterer Höhepunkt des Kongresses und mittlerweile schöne Tradition ist der DIVI Charity Lauf am 04.12., dessen Erlös an die Organisation "Kinderhilfe Organtransplantation - Sportler für Organspende e.V." geht. Schirmherr des Laufes ist der Olympiasieger im Gehen Hartwig Gauder, der selbst seit 1997 ein Spenderherz hat.

 
Quelle: DIVI



Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
CUP
NET
CML
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs