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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
23. Juli 2015

Osteopathie - Viele Krankenkassen erstatten die Kosten anteilig als freiwillige Zusatzleistung

Osteopathen behandeln mit den Händen. Sie versuchen damit, Funktionsstörungen im Körper zu erkennen und zu therapieren. Der Grundgedanke ist, dass Bewegungsapparat, Schädel und Rückenmark sowie die inneren Organe als Systeme miteinander zusammenhängen und durch Faszien - das sind feine Gewebenetze - verbunden sind. Mit sanften Griffen sollen auftretende Blockaden in diesen Verbindungen gelöst und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden. Die Therapeuten wollen nicht Symptome eines körperlichen Leidens beheben, sondern deren Ursache.

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"Wir suchen nach dem Ursprung der Belastung», erklärt Georg Schöner, Heilpraktiker und Osteopath. Dafür nutzen Osteopathen vor allem ihre Hände und Augen. "Wir tasten und fühlen, betrachten den ganzen Körper", sagt Schöner, der auch Vorsitzender beim Bundesverband Osteopathie (BVO) ist. Technische Hilfsmittel sind kaum im Einsatz. Er werfe zwar einen Blick auf ein MRT-Bild, wenn der Patient eines vorlegen kann. «Für unsere Beurteilung reicht so ein Ausschnitt aber nicht aus, da wir den Körper ganzheitlich betrachten."

Schöner illustriert diesen Ansatz an einem klassischen Beispiel: Beschwerden an der Bandscheibe. "Die werden ohne eine Behandlung über den Dickdarm nie ganz verschwinden." Bandscheibe und Darm seien durch Faszien verbunden. "Spannungen am Darm übertragen sich immer wieder auf die Bandscheiben." Er nennt weitere Phänomene aus der täglichen Arbeit: Demnach können Funktionsstörungen der Nieren Rückenschmerzen auslösen. Bei Frauen verbinden Faszien die Gebärmutter mit dem Kreuzbein. "Das sind Zusammenhänge, auf die wir bei der Behandlung achten", betont Schöner.

Kritiker bemängeln, dass der Osteopathie als Therapieform Qualitätskontrolle und wissenschaftliche Fundierung fehlen. Das betont etwa Johannes Flechtenmacher, Präsident des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). "Osteopathie geht davon aus, dass alle Erkrankungen manuell behandelbar sind. Für ihre Wirksamkeit gibt es aber kaum wissenschaftliche Belege." 2009 ließ die Bundesärztekammer Osteopathie wissenschaftlich bewerten. Die Experten notierten in ihrem Bericht, dass "einigermaßen zuverlässige Aussagen zur Wirksamkeit / Effektivität osteopathischer Behandlungen nur bei wenigen Erkrankungsbildern vorliegen", und zwar im Wesentlichen bei chronischen Schmerzsyndromen der Wirbelsäule.

Wenngleich die wissenschaftliche Evidenz demnach nicht vollständig gegeben ist: Osteopathie ist auf dem Vormarsch. Laut der Bundesvertretung der Osteopathen in Deutschland (VOD) sind jährlich mehr als fünf Millionen Menschen in osteopathischer Behandlung. Die Kosten einer solchen Behandlung liegen zwischen 60 und 100 Euro.

Viele Krankenkassen erstatten die Kosten anteilig als freiwillige Zusatzleistung. Meist sind Maximalbeträge pro Sitzung oder Jahr in den Satzungen festgelegt. "Für Versicherte heißt das: bei der eigenen Krankenkasse fragen, ob Osteopathie angeboten wird oder es geplant ist, welche Konditionen mit diesem Angebot verbunden sind und mit welchen Therapeuten die Kasse zusammenarbeitet", erläutert Ann Marini vom GKV-Spitzenverband.

Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz widmen sich Osteopathen nicht nur Rückenleiden. Sie behandeln Babys mit Schreikoliken ebenso wie Senioren mit Hüftproblemen, versuchen bei Sodbrennen, Migräne oder Menstruationsbeschwerden für Linderung zu sorgen. Auch einige Leistungssportler - etwa NBA-Star Dirk Nowitzki - vertrauen auf die alternative Heilkunde, um ihren Körper in Schuss zu halten.

Dem VOD zufolge findet Osteopathie in all jenen medizinischen Sektoren Anwendung, wo funktionelle Störungen die Ursache für Beschwerden sind. Sie kann dann auch begleitend zu anderen medizinischen Behandlungen eingesetzt werden.

Der Beruf des Osteopathen ist staatlich nicht anerkannt. Erst vor wenigen Monaten haben sich einzelne Interessenverbände auf ein konkretes Berufsbild geeinigt. Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebenen Richtlinien für die Ausbildung. Patienten sollten deshalb vorab die Qualifikation des Therapeuten erfragen. "Er sollte mindestens 1.350 Ausbildungsstunden absolviert und eine differential-diagnostische sowie medizinische Prüfung abgelegt haben", sagt Schöner.

Ärzte können sich nach ihrer Ausbildung in Chirotherapie und manueller Medizin weiterbilden lassen. "Sie können dann auch osteopathische Behandlungen durchführen, da diese Teil der manuellen Medizin sind", sagt Flechtenmacher. "Das ist kein Gegensatz. So können sie am besten die adäquate Behandlung bestimmen."

Schöner legt Wert darauf, dass Osteopathen nicht mit manuellen Therapeuten oder Chiropraktikern gleichgesetzt werden. "Die gehen an die Behandlung der Symptome heran, indem sie etwa einrenken. Das benötigen wir meist nicht." Trotz ihrer ganzheitlichen Betrachtungsweise: "Verantwortungsvolle Osteopathen kennen ihre Grenzen", betont er. Schwere Verletzungen, Brüche, Wunden, aber auch seelische Erkrankungen sind kein Fall für deren heilende Hände. Sie müssen von Ärzten beurteilt werden.

 



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