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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
24. Februar 2015

Universität Zürich: "Für Schweizer Ärzte greifen Fallpauschalen zu wenig"

Seit 2012 werden Schweizer Spitäler über Fallpauschalen finanziert. Deren Ziel - effizientere Prozesse und mehr Zeit für den Patienten - wurde aus Sicht der Ärztinnen und Ärzte nicht erreicht. Die finanziellen Interessen der Spitäler beeinflussen das medizinische Fachpersonal stärker, als dieses sich für das Wohl ihrer Patienten wünscht. Dennoch sind Ärztinnen und Ärzte mit ihrer täglichen Arbeit im Spital zufrieden, und sie beurteilen die derzeitige Patientenversorgung als gut. Dies geht aus einer schweizweiten Befragung durch das Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich hervor.

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In Schweizer Spitälern wird jeder Spitalaufenthalt anhand von bestimmten Kriterien einer Fallgruppe zugeordnet und pauschal vergütet. Die Fallpauschalen wurden vor drei Jahren eingeführt, um die Kosten für medizinische Leistungen in den Spitälern vergleichbar und transparent zu machen. Sie sollten dem medizinischen Fachpersonal helfen, seine Arbeit möglichst effizient zu erledigen.

Wissenschaftler des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich haben im Jahr 2013 schweizweit Ärztinnen und Ärzte befragt, wie sie seit der Einführung der Fallpauschalen die Patientenversorgung sowie ihre tägliche Arbeit im Spital einschätzen. Mehr als 90% der 382 befragten Teilnehmenden beurteilten die Qualität der Patientenversorgung insgesamt als sehr gut bzw. gut - und rund 80% waren mit ihrem Job zufrieden. Hingegen gab die Mehrheit der Befragten an, dass sie sich bei medizinischen Entscheidungen tendenziell mehr von den finanziellen Interessen ihrer Spitäler beeinflussen ließen, als sie es mit Blick auf das Patientenwohl wollen.



Fehlentwicklungen wie frühe Entlassungen kommen vor

Nach Einschätzung der Befragten zeigen sich bei der Patientenversorgung die folgenden in Zusammenhang mit Fallpauschalen gebrachten Fehlentwicklungen: frühe Entlassungen, sogenanntes "case splitting" bzw. die Aufteilung der medizinischen Behandlung auf zwei Aufenthalte, obwohl einer ausreichend wäre, "cherry picking", die bevorzugte Behandlung von Patienten mit lohnenswerten Fallpauschalen bzw. die Abweisung von Patienten mit nicht lukrativen Fallpauschalen sowie Überbehandlung, d.h. medizinische Behandlung bei fehlender Indikation, weil es Geld bringt. «Diese beobachteten Fehlentwicklungen kommen zurzeit noch in einem moderaten Mass vor, allerdings ist unklar, wie sich das in Zukunft entwickelt», erklärt Margrit Fässler, Projektmitarbeiterin am Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich.



Weniger Zeit für Patienten und weniger effizient als gedacht

Aus Sicht der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte wurden die Ziele der Spitalreform, Effizienz zu schaffen und Prozesse zu optimieren, bisher nicht erreicht. Patientinnen und Patienten sollten durch die Reform profitieren oder zumindest nicht schlechter gestellt werden; jedoch gab jeder fünfte Studienteilnehmer an, dass er seit Einführung der Fallpauschalen weniger Zeit für Kontakte und Gespräche mit Patienten und Angehörigen verwendet hatte, und jeder vierte stellte fest, dass sich die patientenorientierte Versorgung verschlechtert hatte.



Regelmäßige Ärztebefragungen einführen


Die Studienteilnehmenden schätzen die derzeitige Qualität der Patientenversorgung als hoch ein. "Gerade deswegen ist es sinnvoll, die Auswirkungen der Spitalreform langfristig zu untersuchen, damit es zu keinen unerwünschten Einbussen kommt", erklärt Nikola Biller-Andorno, Direktorin des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich und Leiterin des Gesamtprojekts. Ihr zufolge können bestimmte Fehlentwicklungen nur durch regelmässige Ärztebefragungen aufgedeckt werden, da sich beispielsweise Überbehandlungen oder vermehrter ökonomischer Druck schwer durch andere Erhebungen nachweisen lassen. Nach Möglichkeit sollen diese Erhebungen in das reguläre Qualitätsmanagement von Spitälern integriert werden. "Ob das auf Fallpauschalen basierte Finanzierungssystem dabei hilft, an den richtigen Stellen Kosten einzusparen, muss sich in Zukunft erweisen", schließt Nikola Biller-Andorno.

 
Quelle: Universität Zürich



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