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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
24. November 2014

Ärzte helfen Migranten in Not

Der Patient spricht wenig, nennt sich selbst Kofi, auch wenn das nicht sein richtiger Name ist. Seine Hände zittern. Der junge Mann kam vor acht Jahren übers Mittelmeer nach Europa. Vor wenigen Wochen wurde bei dem 26-Jährigen in einer Hamburger Klinik Diabetes festgestellt. Er wurde behandelt, Ärzte gaben ihm Insulin mit. Doch die Vorräte sind nun aufgebraucht. Geld, sich das lebenswichtige Hormon zu kaufen, habe er nicht, sagt Kofi - genauso wenig wie eine in Deutschland gültige Krankenversicherung oder Papiere.

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Im spärlich beleuchteten Behandlungszimmer des Hamburger Marienkrankenhauses hört Detlev Niebuhr, 69, Arzt im Ruhestand, Kofi aufmerksam zu. Ehrenamtlich hält der Mediziner hier, bei der Malteser Migranten Medizin, mit zwei Kollegen im Wechsel wöchentlich seine Sprechstunde ab. Niebuhr sagt: "Es ist ein Skandal, dass meine Arbeit überhaupt nötig ist." Doch der Bedarf an seiner medizinischen Hilfe steigt. Laut einer Studie des Diakonischen Werks lebten bereits 2008 allein in Hamburg bis zu 22 000 Menschen ohne gültige Papiere oder Krankenversicherung. Aktuellere Schätzungen für die Hansestadt gibt es nicht. Bundesweit, vermuten Experten, leben mehr als eine Million Migranten illegal.

Für ein besseres Leben floh Kofi einst aus Ghana. Gestrandet in Italien beantragte er Asyl, doch er wollte weiter. Denn in Hamburg lebt einer seiner Brüder. Seit mehreren Monaten ist Kofi nun in Deutschland. Doch seine italienische Versicherung, klagt der Mann, werde hier nicht anerkannt. Wenn ihn die Polizei kontrolliere, müsse er zurück nach Italien, fürchtet er. Anders als Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt wurde, immerhin wohl nicht zurück nach Afrika.

Viel kann Detlev Niebuhr für Kofi nicht tun. Er fragt nach Beschwerden, nimmt ihn in die Kartei auf. Insulin ist gerade aus bei der Migrantenmedizin, die sich durch Spenden finanziert und die meiste Arznei vom Verein "Medikamentenhilfe für Menschen in Not" bezieht. Niebuhr schreibt ein Privatrezept und schickt Kofi zum Flüchtlingszentrum Hamburg. Dort könne er um Geld für das Insulin bitten, erklärt er auf Englisch. Medizinisch schwierigere Fälle vermittelt Niebuhr an einen von rund 60 niedergelassenen Kollegen, die die Migrantenmedizin ebenfalls unterstützen. Selbst Operationen konnten sie so schon organisieren.

Zur Malteser Migranten Medizin, die es bundesweit in 13 Städten gibt, kamen 2013 allein in Hamburg 265 neue Patienten. Pro Jahr werden es nach Angaben der Organisation zehn Prozent mehr, aktuell denke man über eine zweite wöchentliche Sprechstunde nach. Würde die Ausländerbehörde vor der Sprechstunde Pässe kontrollieren, erzählt Niebuhr, hätte jeder zweite keine gültigen Papiere. Die andere Hälfte hat aus anderen Gründen keine Versicherung. Zu ihnen zählen auch Armutsflüchtlinge aus EU-Staaten, die legal in Deutschland leben dürfen. Doch Kontrollen habe es noch keine gegeben, beruhigt Niebuhr.

Die Arbeit mit den namenlosen Patienten kann auch lustige Momente haben. Im Marienkrankenhaus scherzt Detlev Niebuhr: "Auch Einstein habe ich schon mal behandelt." Dem Internisten ist es egal, ob seine Patienten gültige Papiere haben oder welchen Namen sie ihm nennen. Nur müsse der Name immer der gleiche sein, damit er die Patientenakte wiederfindet.

Kofi ist zum ersten Mal bei der Migrantenmedizin. Seit der Diagnose  Diabetes hat er zehn Kilo abgenommen. "Ich habe Angst zu essen, denn wenn ich esse, brauche ich Medikamente", sagt er. Doch wie die meisten Patienten, ergänzt Niebuhr, einst niedergelassener Arzt in Itzehoe, sei auch Kofi erst gekommen, als er es nicht mehr hinauszögern konnte.

Neben der Malteser Migranten Medizin gibt es allein in Hamburg eine Handvoll weiterer Einrichtungen, die sich anonym und kostenlos um Patienten ohne Krankenversicherung kümmert. Dazu zählen etwa die "Praxis ohne Grenzen" oder das Medibüro, das Termine bei einem der rund 150 dem Büro vertrauten Ärzten vermittelt. Anders als beispielsweise in Belgien oder Frankreich haben Menschen ohne Papiere in Deutschland bislang keinen rechtlich gesicherten Zugang zu medizinischer Grundversorgung.

 



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