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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
14. November 2014

Steuern auf gestrickte Socken - Wenn aus dem Hobby ein Job wird

Selbermachen ist in. Immer mehr Menschen basteln, nähen und werkeln zu Hause schöne Dinge. Oft so überzeugend, dass auch andere daran Gefallen finden und die Produkte kaufen möchten. Doch darf man das? Wann wird aus einem Hobby eine selbstständige Tätigkeit?

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Mit einer Babymütze als Geschenk für eine Freundin fing vor ein paar Jahren alles an. Maren L. entdeckt die Begeisterung fürs Nähen. "Anfangs waren es nur Geschenke oder auch Kleidung für meine Tochter, dann kamen die ersten Anfragen mit gezielten Aufträgen." Erst fragen nur Freunde, dann Freunde von Freunden. "Schließlich haben mich wildfremde Menschen angerufen und bei mir Mützen bestellt." Und plötzlich geht es um das Thema Geld. "Ich hatte überhaupt keine Ahnung, ob das nun noch eine private Sache ist oder ob ich schon mitten in der Selbstständigkeit stecke."

"Die Sachlage ist tatsächlich oft sehr kompliziert», sagt Karsten Schmidt vom Deutschen Steuerberaterverband aus Berlin. Regelmäßig finden Hobbykreative in seine Kanzlei, um sich beraten zu lassen. Pauschale Antworten gibt es selten: "Die Gesetze sind in dieser Frage nicht eindeutig, es kommt immer auf den Einzelfall an."

Grundsätzlich gilt die Regel, dass für eine Selbständigkeit eine nachhaltige Absicht vorliegen muss, Gewinn zu erzielen. Wer zum Beispiel aus Spaß an der Freude ab und zu Socken strickt und diese - weil die ganze Familie schon versorgt ist - auf dem Weihnachtsmarkt verkauft, erfüllt diese Regel nicht. "So etwas bewertet das Finanzamt meistens als Liebhaberei", erklärt Schmidt.

Der Maler, der einmal im Jahr ein Bild verkauft, der Restaurator, der nach vielen Monaten Schrauberei seinen Oldtimer im Internet zum Verkauf anbietet, oder der Gartenfreund, der im Herbst Marmeladen im Straßenverkauf feilbietet - alles Liebhaberei? "Solange dabei kaum oder kein Gewinn erzielt wird und das Ganze nicht häufig wiederholt wird, in der Regel schon", sagt Schmidt.

Er empfiehlt trotzdem, zur Sicherheit ein kleines Kassenbuch für die Ein- und Ausgaben zu führen. "Es muss ja nur der Verdacht aufkommen, dass Sie mehr mit Ihrem Hobby verdienen, dann stehen Sie gegenüber dem Finanzamt in der Nachweispflicht." Bis zu 410 Euro Gewinn pro Jahr in Form einer Nebentätigkeit seien akzeptabel, sagt Schmidt. "Das ist dann steuerlich nicht relevant." Constanze Grüning vom Bund der Steuerzahler ergänzt: "Geht die Plussumme darüber, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Grundlage für eine selbstständige oder gewerbliche Tätigkeit vor."

Welche der beiden Formen vorliegt, entscheidet der Blick auf die Tätigkeit: Gewerblich sind handwerkliche oder handwerksnahe Tätigkeiten mit Waren für den Alltag, wie zum Beispiel Bekleidung, Lebensmittel, Möbel oder Bastelarbeiten. In die Rubrik selbstständig fallen Tätigkeiten, die eine künstlerische Grundlage haben, wie zum Beispiel Naturfotografien, gemalte Bilder oder Designobjekte. «Bei den meisten Do-it-yourself-Produkten dürfte es sich deshalb eher um Gewerbeeinnahmen handeln», sagt Grüning. Auch bei Maren ist die Sache klar: Ihre Kinderbekleidung ist eine Alltagsware. Für den Verkauf ihrer Werke muss sie deshalb ein Gewerbe anmelden.

"Das geht persönlich oder schriftlich beim zuständigen Gewerbeamt", erklärt Rechtsanwalt Dirk Adamaszek aus Berlin. Mit seinem Kanzleipartner Franz Wegener betreut er Kreative und Online-Händler beim Start in die Selbstständigkeit und hat den Ratgeber "Rechtsgrundlagen für Kreative" geschrieben. "Diese Anmeldung wird vom Gewerbeamt dann in der Regel automatisch an das Finanzamt, die Handelskammer und die Berufsgenossenschaft weitergeleitet - die Pflicht sich darum zu kümmern, liegt aber beim Gewerbetreibenden."

Für das Finanzamt müssen Angaben zum geschätzten Umsatz und Gewinn im "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" gemacht werden. "Wir empfehlen Gewerbegründern aus dem Hobbybereich häufig, hier erstmal die sogenannte Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch zu nehmen", sagt Constanze Grüning. Dabei handelt es sich um ein vereinfachtes System, bei dem man bis zu einem Umsatz bis 17.500 Euro pro Jahr keine Umsatzsteuer einnehmen muss. "Wer nicht genau einschätzen kann, ob diese Regelung auf ihn zutrifft, sollte sich auf jeden Fall steuerlich beraten lassen", empfiehlt Schmidt.

Liegt die offizielle Steuernummer vor, kann mit dem Verkauf begonnen werden: "Wichtig ist es, konsequent über alle Ein- und Ausgaben Buch zu führen und Belege ordentlich zu sammeln", sagt Schmidt. Zum Jahresabschluss muss nämlich mit der Einkommensteuerklärung eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung beim Finanzamt eingereicht werden: "Dafür werden alle Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt, was unterm Strich übrig bleibt, ist dann der zu versteuernde Gewinn." Als Ausgaben gelten neben erforderlichen Wareneinkäufen zur Herstellung des Endprodukts auch Telefon -, Porto- und Fahrtkosten. "Auch Kosten für Treffen mit anderen Kreativen, Workshops und Messen sind Ausgaben, die zum Gewerbebetrieb gehören", erklärt Schmidt.

Ebenso gehört das Schreiben von Rechnungen zum Geschäft, zumindest wenn die hergestellten Waren an ein anderes Unternehmen gehen, zum Beispiel selbst gezogene Kerzen an ein Ladengeschäft verkauft werden. Bei Privatkunden ist eine Rechnung nicht zwingend erforderlich. "Hier reicht eine Quittung, wenn der Kunde es wünscht", sagt Schmidt. Wer auf Onlineportalen verkauft, sollte eine Rechnung ausstellen, rät Anwalt Adamaszek: "Das belegt ein professionelles Handeln."

Literaturhinweise:
- Franz Wegener, Dirk Adamaszek: "Rechtsgrundlagen für Kreative - Fundiert verkaufen mit Dawanda", ISBN 978-3-00039533-8, 19,95 Euro
- Andreas Lutz: "Selbstständig in Teilzeit: Als Kleinunternehmer zum Großen Erfolg", ISBN: 978-3-709305287, 19,90 Euro

 



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