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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
17. September 2014

Pharmabranche im Spannungsfeld zwischen Profit und Gesundheit

Pharmabranche und Politik stecken in einem Dilemma: Die Unternehmen wollen profitable Preise für ihre Arzneimittel. Die Politik will die Kosten im Gesundheitssystem niedrig halten, zugleich aber den Pharma-Standort Deutschland ausbauen. 20.000 Euro für eine Arzneimittelpackung, 700 Euro für eine Tablette. Solche "Mondpreise"  das Hepatitis C-Präparat Sovaldi des Herstellers Gilead festigen beim Bürger das Bild der gierigen Pharmabranche. Die Pharmaindustrie rechtfertigt solche Preise mit hohen Forschungs- und Herstellungskosten. Die Krankenkassen nennen das "Wucherpreise", die mit Entwicklungskosten nicht zu begründen seien.

Die Kassen hoffen, dass der Spuk nach einer "Schonfrist" von zwölf Monaten vorbei ist und es zu einer Preisregulierung durch Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband kommt. Denn das Präparat ist, das räumen auch die Kassen ein, sehr wirksam gegen Hepatitis, hat also einen großen Zusatznutzen. Und sie wissen auch: Ein Patient mit einer Hepatitis-C-Infektion wird in seiner Not nicht nach den Kosten für ein solches Medikament fragen. Er will es haben.

Im Bundesgesundheitsministerium heißt es, der Fall Sovaldi sei in dieser Form bislang ein Einzelfall. Das Ministerium "wird die Ausgabenentwicklung dieses und anderer Arzneimittel gerade im ersten Jahr weiterhin aufmerksam beobachten". Danach werde entschieden, wie zu reagieren sei. Eine solche Ausgabenentwicklung sollte keinesfalls Schule machen.

Die Pharmaindustrie hat nicht nur ein Imageproblem, sie steckt auch in einem Dilemma. Die Branche ist als Innovationsmotor wichtig für den Forschungs- und Industriestandort Deutschland. 30 000 Krankheiten sind heute bekannt, aber nur für rund ein Drittel gibt es wirksame Arzneimittel, sagt Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

Die Branche erwirtschaftete 2013 mehr als 42,3 Milliarden Euro Umsatz, zwei Drittel davon im Ausland. Sie beschäftigte in Deutschland über 110 000 Mitarbeiter. Jeder siebte Euro des Pharma-Umsatzes fließt in Forschung und Entwicklung - so viel wie in keiner anderen Branche.

Zum anderen sorgt sie für die Arzneimittelversorgung in Deutschland. Die Branche bewegt sich also im Schnittpunkt von Markt und staatlich reglementiertem Gesundheitssystem, ihr geht es um den Profit, dem Gesundheitsminister um überschaubare Gesundheitskosten.

"Der Missbrauch von Marktmacht einzelner Unternehmen zulasten der Versichertengemeinschaft ist nicht akzeptabel", beschrieb Gröhe das Problem zuletzt im «Handelsblatt» (Montag). "Auch die Industrie muss ein Interesse daran haben, dass das System nicht aus dem Gleichgewicht gerät; denn die Leistungsfähigkeit des Systems sorgt für eine stabile Nachfrage." Die Ausgaben der Krankenkassen sind nach einigen Jahren der Stagnation im der ersten Jahreshälfte wieder deutlich gestiegen. Auch vor dem Hintergrund gab Gröhe am Montag den Startschuss für einen Pharma-Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Der Vorsitzende des Verbandes forschender Pharmaunternehmen (vfa), Hagen Pfundner, sicherte dabei zu: "Wir sind bereit, in dieser Allianz verlässliche Verabredungen zu treffen." Und er fügte hinzu: "Wir hoffen, dass sich das Zerrbild zusehends selbst entzerrt" - er meinte auch das der Bundesregierung.

Pfundner beklagte, dass der Wert von Arzneimitteln in der Öffentlichkeit immer mehr infrage gestellt werde. Die Hauptgeschäftsführerin seines Verbandes, Birgit Fischer, sagte am Dienstag, als sie den Arzneimittelatlas 2014 vorstellte, neue Arzneimittel fänden immer schwerer den Zugang zum Markt. Auferlegte Sparzwänge hinterließen schon Versorgungsdefizite.

Nun wird niemand in Deutschland ob solcher Klage nervös. Doch eines ist auch klar, die deutsche Pharmaindustrie steht auch im internationalen Wettbewerb. Der Vorsitzende der IG Bergbau Chemie Energie, Michael Vassiliadis, hob zu Beginn des Pharma-Dialogs hervor, seit Anfang der 80er Jahre gebe es einen weltweiten Konzentrationsprozess in dieser Branche. Deutschland habe keinen Player mehr unter den ersten zehn der Weltspitze. Und der Druck steige weiter - durch Megafusionen oder -übernahmen.

 



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