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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
04. September 2014

Blutiges Handwerk: Briten stellen auf Gipfel Feldmedizin vor

Abgerissene Beine, klaffende Wunden am Bauch, Kopfschüsse: Die Verletzungen, die Soldaten im Kampfeinsatz erleiden, sind in ihrer Entsetzlichkeit kaum vorstellbar. Die britische Armee entwickelt Möglichkeiten, Feldärzte so realistisch wie möglich auszubilden. Blutverschmiert liegt der Soldat auf dem OP-Tisch, über ihm nur ein Zelt. Ein Sprengsatz hat ihm beide Beine abgerissen, die Feldärzte kämpfen um das Leben des Verwundeten. Die Szene ist gestellt - hier, auf dem Gelände des Nato-Gipfels im walisischen Newport, wirkt die simulierte Kriegsrealität so ehrlich wie bizarr.

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Die britische Armee nutzt das Treffen von 60 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, um den Stand der Feld-Medizin zu demonstrieren.

"Mit jedem Konflikt entwickelt sich auch die Medizin auf dem Schlachtfeld weiter», sagt Tim Hodgetts, Brigadegeneral und Medizinischer Direktor der britischen Streitkräfte der Nachrichtenagentur dpa. Die Briten forschen derzeit viel an möglichst realistischen Puppen, an denen Ärzte schwerste Verletzungen nachstellen, die Soldaten im Krieg erleiden können. "Relevante Verwundungen" nennt Hodgetts das.

Ein walisisches Unternehmen hat es geschafft, Puppen so herzustellen, dass sie einem verwundeten Soldaten täuschend ähneln. Das Blut, das Maskenbilder auf den Stumpf malen, sieht aus wie echt. Das Silikon, aus dem der Oberschenkel gemacht ist, soll sich anfühlen wie ein Bein eines Soldaten, dem der Unterschenkel abgesprengt wurde. "Das echte Bein ist nur etwas wärmer", sagt Hodgetts sachlich und fügt hinzu: "Wenn man Glück hat." Für die Soldaten, die er "die Glücklichen" nennt, hat er gleich noch die passenden Prothesen parat - solche, die beim Kampfeinsatz nicht stören.

Nach Angaben des Professors für Feldmedizin steht das oft unappetitliche Fachgebiet weiter vor riesigen Herausforderungen. "Eine der größten ist es, die Kühlkette etwa für Blutkonserven unabhängig zu machen von Kühl- und Gefriergeräten", sagt Hodgetts. Auf diesem Gebiet seien etwa die Deutschen weltweit führend. Sie hätten gefriergetrocknetes Blutplasma für den Einsatz auf dem Schlachtfeld entwickelt.

Die Royal Army ist laut Hodgetts in der Lage, innerhalb von spätestens einer Stunde an jedem Punkt der Erde einen Notarzt zu einem Verwundeten zu bringen. Wenn viele Blutkonserven gebraucht werden, dann heißt das über Funk verbreitete Codewort "Operation Vampire". Mindestens jeder vierte Soldat im Kampfeinsatz ist medizinisch ausgebildet und hat Bandagen dabei, die mit einer blutstillenden Flüssigkeit getränkt sind. "Das Stillen von Blutungen ist die große Herausforderung der Feldmedizin", sagt Hodgetts.
 

 



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