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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
10. März 2014

Hebammen bangen um ihren Traumberuf

Für Hebamme Lena Ehlebracht kommt eigentlich kein anderer Beruf infrage. "Es ist für mich eine Berufung, eine Herzensangelegenheit", sagt die Stuttgarterin. Trotzdem überlegt sie in letzter Zeit immer öfter, den Job zu wechseln. "Beim Gedanken daran blutet mit das Herz. Aber die Situation für freiberufliche Hebammen hat sich in den letzten Jahren einfach immer mehr verschlechtert." Das hat vor allem einen Grund: Ihre Beiträge für die notwendige Haftpflichtversicherung sind explodiert.

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Ehlebracht zahlt für ihre Haftpflicht bisher 4400 Euro im Jahr. Im Juli steigt der Beitrag auf 5090 Euro - das ist so viel, wie sie brutto für ungefähr zehn Geburten bekommt. Im Jahr ist die 26-Jährige rund 18 Mal dabei, wenn ein Baby das Licht der Welt erblickt. Auf ihre monatlich rund 1400 Euro netto kommt sie vor allem dank vieler Kurse zur Geburtsvorbereitung und Rückbildung nach der Schwangerschaft. Nur weil sie keine Kinder habe und in einer Wohngemeinschaft lebe, könne sie jeden Monat ein bisschen Geld zurücklegen, sagte sie.

Ehlebracht ist mit ihren Überlegungen nicht allein. Überall in Deutschland stellen sich freiberufliche Hebammen die Frage: Lohnt es sich finanziell noch? Wer keine Geburten mehr begleitet und sich auf die Vor- und Nachsorge für Schwangere beschränkt, zahlt nur rund ein Zehntel der Versicherungsprämie. Immer mehr Hebammen ziehen sich daher aus der Geburtshilfe zurück - oder wechseln komplett die Branche.

Das Problem ist seit Jahren bekannt, hat sich aber mit einer Mitteilung der Nürnberger Versicherungsgruppe kürzlich noch verschärft: Als einer der wenigen Anbieter, die überhaupt noch freiberufliche Hebammen versichern, will sie sich zum Sommer 2015 aus diesem Markt zurückziehen.

Mit diesem Schritt ist die Zukunft der freiberuflichen Hebammen noch unsicherer geworden. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat ihnen zwar Hilfe zugesagt, die Details sind aber noch offen. Manche schlagen einen steuerfinanzierten Haftungsfonds vor. "Wir müssen dem Minister jetzt erst einmal Zeit geben", sagt die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes, Martina Klenk. "Wenn sich bis Ende Mai nichts tut, dann rufen wir auch zu Demos auf."

Für Schwangere wird es damit immer schwieriger, eine Hebamme zu finden, viele sind nervös. Je nach Region ist die Lage unterschiedlich angespannt. Werdende Mütter müssen nach Angaben des Berufsverbandes oft lange herumtelefonieren, bis sie eine Hebamme finden. In mehreren Städten quer durch die Republik gingen daher am Samstag Eltern bei Solidaritätskundgebungen auf die Straße. Auf Plakaten war unter anderem zu lesen: "Stell Dir vor, Dein Kind kommt, und keine ist da!"

Cerstin Jütte von der Elterninitiative "Happy Birthday" aus Karlsruhe hat diese Erfahrung selbst gemacht: "Die Suche war sehr schwierig - es hat mich viele Nerven und Tränen gekostet." Ihr Wunsch war es, während der Schwangerschaft nicht von unterschiedlichen Hebammen betreut zu werden, sondern dieselbe Ansprechpartnerin für Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge zu finden. "Das Wunschpaket hat nicht geklappt."

Die Eltern seien enttäuscht und wütend auf die Politik - und gingen deshalb auf die Straße, sagt die 27-Jährige. Mütter und Väter wollten selbst entscheiden, ob ihr Kind in einem Geburtshaus, zu Hause oder in einer Klinik zur Welt komme. Dieses Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes sehen sie gefährdet, wenn immer mehr Hebammen wegen der hohen Versicherungsbeiträge aus der Geburtshilfe aussteigen.

Auch Hebamme Ehlebracht aus Stuttgart muss Eltern enttäuschen. "Ich sage täglich bestimmt vier Frauen ab, weil ich einfach nicht so viel Nachsorge machen kann", erzählt sie. "Für mich gibt es momentan viel Arbeit, weil es so wenige andere Hebammen gibt." Sie bekomme schon jetzt Anfragen für September. Paradoxerweise muss das Stuttgarter Geburtshaus zwischen August und Oktober schließen - wegen Hebammenmangels. Ehlebracht sagt enttäuscht: "Ich fühle mich einfach von der Politik im Stich gelassen."

 



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