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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
31. Oktober 2013

BA-Vorstand Alt: Firmen müssen psychisch Kranken eine Chance geben

Viele von ihnen suchen schon jahrelang einen Job, dabei sind manche gut ausgebildet und hoch motiviert. Es gibt nur ein Handicap: Über ein Drittel aller Hartz-IV-Empfänger ist psychisch krank. Die Bundesagentur für Arbeit will sie jetzt besser fördern.

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Die Erkenntnis ist nicht ganz neu - aber trotzdem alarmierend: Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Studie leidet mehr als ein Drittel aller Hartz-IV-Empfänger unter einer psychischen Störung. In einem Interview der Nachrichtenagentur dpa erläutert das für Hartz IV zuständige Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, was das für die Jobcenter bedeutet - und was sich bei der Betreuung der Betroffenen künftig ändern muss.

Eine aktuelle Studie hat festgestellt, dass rund ein Drittel aller Hartz-IV-Betroffenen psychisch krank ist. Ist dieser Befund für Sie überraschend?

Für die, die mit Arbeitslosen und unseren Mitarbeitern in den Jobcentern in Kontakt sind, ist der Befund nicht überraschend. Wir haben eine Verschiebung von Menschen, die körperbehindert sind, hin zu Menschen, die psychisch beeinträchtigt sind. Früher war Arbeit mit physischer Anstrengung verbunden. Heute haben wir eher psychische Belastungssituationen in der Arbeitswelt. Und ebenso kann natürlich auch Arbeitslosigkeit Depressionen und andere psychische Erkrankungen auslösen oder verstärken.

Und wie gehen Sie als das für Hartz IV verantwortliche Vorstandsmitglied in der Bundesagentur damit um?

Wir fühlen uns von dieser Studie herausgefordert, dieses Thema noch intensiver zu bearbeiten als bisher. Im Zentrum steht die Frage: Erkennen wir die psychischen Probleme auch, die ein Mensch hat? Dafür brauche ich einen geschulten Blick, damit ich sagen kann: Hier könnte vielleicht ein Handicap vorliegen, das einer Arbeitsaufnahme im Weg steht oder einer Qualifizierung.

Wie sieht das im Alltag eines Jobcenters konkret aus?

Wenn unsere Fachkraft im Jobcenter der Meinung ist, psychische Einschränkungen erschweren oder behindern eine Arbeitsaufnahme, dann muss er natürlich den Menschen darauf ansprechen. Erkennt ein Kunde schließlich selbst, dass er psychisch krank ist, dann gibt es unter anderem Angebote der Kommune, die sogenannten psychosozialen Dienste. Diese sind dazu da, psychische Erkrankungen zu diagnostizieren und einen gesicherten Therapievorschlag zu machen.

Reichen denn die bisherigen Angebote der Kommunen aus, um psychisch kranken Arbeitslosen zu helfen? Wie ist es etwa um die Kapazität der von Ihnen genannten psychosozialen Dienste bestellt?


Das stellt sich von Kommune zu Kommune und von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich dar. Die meisten Kommunen haben sicher einen hohen Bedarf. Lange Wartezeiten von einem halben Jahr für Therapieplätze oder für psychosoziale Begutachtung helfen nicht wirklich weiter. Häufig verschlechtert sich noch das Krankheitsbild im Zeitablauf.

Wen sehen Sie beim Thema "psychisch kranke Arbeitslose" außer den Jobcentern noch in der Pflicht?

Unternehmen sollten auch psychisch eingeschränkten Menschen eine Chance geben. Denn viele von ihnen sind hochproduktiv, hoch intelligent. Aber sie müssen in einem Rahmen arbeiten, der nicht zusätzlich belastet, sondern eher in einem Arbeitsumfeld, das zur Genesung beiträgt. Vorgesetzte und Kollegen müssen gut informiert sein über die psychischen Einschränkungen neuer Mitarbeiter. Denn die Erfahrung zeigt: Eine zufriedenstellende Arbeit ist oftmals die beste Therapie.

In Nordrhein-Westfalen hat die Bundesagentur gerade ein Pilotprojekt zum Umgang mit psychisch kranken Arbeitslosen gestartet. Worum geht es da genau?

An dem Projekt arbeiten wir unabhängig von der aktuellen Studie schon länger. Gestartet wurde es bereits Anfang Oktober im Jobcenter Bergisch-Gladbach, es folgt noch Gelsenkirchen. Ärzte und Psychologen schulen Mitarbeiter darin, psychische Erkrankungen im Gespräch zu erkennen, und in dem dann folgenden richtigen Umgang mit den Betroffenen.

 



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