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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
22. Januar 2013

40 Jahre nach Abzug der Amerikaner bleibt der Fluch: Agent Orange

Vor 40 Jahren besiegelten die Amerikaner ihren Rückzug aus dem Vietnamkrieg. Für viele Vietnamesen sind die Kriegsgräuel bis heute präsent: Das Entlaubungsmittel Agent Orange hatte verheerende Folgen.

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Es ist kalt in Hanoi. Eingepackt in wattierte Jacken und Schals kauern die jungen Leute auf Matten in einem kleinen Raum, Helfer sind dabei, um sie zu betten, zu heben, zu füttern. Sie warten im „Friedensdorf“ in Thanh Xuan bei Hanoi auf den Arzt, Dr. Vu Son Ha. Er deutet auf seinen nächsten Patienten, einen 22-Jährigen mit sehr großem Kopf und hervortretenden Augen. „Sein Vater war Soldat, er kämpfte in Südvietnam.“ Das Dorf, 1991 mit deutscher Hilfe gegründet, ist ein Heim für mehr als 100 Behinderte.

Für den jungen Mann ist der Fronteinsatz seines Vaters noch 40 Jahre nach dem Rückzug der Amerikaner aus Vietnam ein Fluch. Der Vater war „Agent Orange“ ausgesetzt, einem dioxinhaltigen Entlaubungsmittel, das die Amerikaner einsetzten, um die Fluchtwege des kommunistischen Feindes im Wald besser bombardieren zu können. Die Folgen waren verheerend: Hunderttausende Menschen wurden krank. Prostata-Krebs, Lungenkrebs, Hautkrebs, Leberkrebs, Leukämie und Anderes listet das Gesundheitsministerium als Folgen auf, sowie schwere Schäden bei Babys im Mutterleib. Selbst in der zweiten und dritten Generation werden noch behinderte Kinder geboren - mindestens 150.000 bis heute.

Als die Amerikaner am 27. Januar 1973 ihren Rückzug aus dem Krieg im Pariser Abkommen besiegeln, ist von den schrecklichen Folgen der Kriegsführung noch keine Rede. Am Pariser Tisch sitzt als US-Unterhändler der spätere Außenminister Henry Kissinger, der dafür später den Friedensnobelpreis bekommt. Zwei Monate später verlässt der letzte US-Soldat das Land. Das Kämpfen endet erst zwei Jahre später, mit dem Einmarsch der Kommunisten in Saigon. Vor 20 Jahren nahmen die USA und Vietnam wieder Beziehungen auf. Inzwischen blüht der Handel, aber Agent Orange bleibt ein ungelöstes Kapitel.

Die US-Armee hatte zwischen 1965 und 1970 mehr als 43 Millionen Liter des Gifts eingesetzt. 4,5 Millionen Menschen lebten in der Region. Die US-Regierung erkennt bis heute offiziell nicht an, dass der Gifteinsatz schwere gesundheitliche Folgen hatte. Wenigstens helfen die Amerikaner seit dem vergangenen Jahr dabei, verseuchte Erde von dem Gelände eines ehemaligen Militärstützpunktes bei Danang abzutragen. Sie geben dafür 43 Millionen Dollar (32 Millionen Euro).

US-Kriegsveteranen, die auch unter den Agent Orange-Folgen litten und klagten, bekamen wenigstens Geld nach einer außergerichtlichen Einigung. Vietnamesische Opfer gingen bis heute leer aus. „Die USA versuchen, sich ihrer Verantwortung zu entziehen“, sagt Mai The Chinh, Vorstandsmitglied des Verbandes der vietnamesischen Opfer (VAVA). Hilfe gab es für sie bislang nur im Rahmen allgemeiner Entwicklungshilfe: „Seit 1989 haben wir 54 Millionen Dollar gegeben, um Vietnamesen mit Behinderungen zu helfen - unabhängig von der Ursache“, sagt Botschaftssprecher Chris Hodges.

„Die US-Regierung sollte mehr für die Agent Orange-Opfer tun“, sagt die Direktorin des Friedensdorfes, Nguyen Thi Thanh. Sie ist zum Großteil auf Spenden angewiesen, doch kommt seit der Wirtschaftskrise immer weniger Geld herein. Der Staat unterstützt die Opfer mit einer bescheidenen Rente von bis zu 100 Dollar im Monat. „Als Amerikaner haben wir eine große moralische Pflicht, etwas zu tun und nicht darüber zu streiten, ob Agent Orange nun zu den Behinderungen geführt hat oder nicht“, sagt Susan Hammond von der US-Hilfsorganisation War Legacies Project.

 



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