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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
26. November 2012

Charité-Chef will Aufarbeitung der Pannen vorantreiben

Die Berliner Uniklinik Charité fürchtet um ihren Ruf. Nach Negativ-Schlagzeilen über einen Missbrauchsverdacht soll die Aufarbeitung von Informationsfehlern beginnen. Der Charité-Chef sucht die Flucht nach vorn.

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Deutschlands größtes Uni-Klinikum, die Berliner Charité, sucht nach Informationschaos und Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pfleger einen Weg aus der Krise und hat Konsequenzen angekündigt. Nach Darstellung von Charité-Chef Karl Max Einhäupl haben Versäumnisse von Kollegen zu den Kommunikationsfehlern beigetragen. Er kündigte an, Krankenpfleger besser überprüfen zu wollen. Die Charité muss auf politischen Druck hin die Aufarbeitung der Pannen vorantreiben. Ein 58 Jahre alter Pfleger soll eine 16-jährige Patientin sexuell missbraucht haben.

Die Charité war massiv in die Kritik geraten, weil das Klinikum erst nach einer Woche über die Vorwürfe berichtet hatte. Nun soll ein Expertenteam um die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) von diesem Montag an die Abläufe in der Uni-Klinik überprüfen. Kommunikationsprobleme wie die an der Charité sind aus Sicht von Zypries aber nicht ungewöhnlich für große Organisationen.

Einhäupl verteidigte sich in der „Welt am Sonntag“ und der „Berliner Morgenpost“ gegen Vorwürfe, er habe auf erste Hinweise zu dem Missbrauchsverdacht nicht rasch genug reagiert. Der Klinik-Chef erklärte in dem Interview, er sei davon ausgegangen, dass der Ärztliche Direktor und die Pflegedienstleitung dem Fall nachgingen. „Für mich war zunächst nur erkennbar, dass zwei leitende Mitarbeiter der Charité sich verantwortlich kümmern“, sagte Einhäupl. „Mir waren keine Details bekannt, es wurde mir gesagt, es sei bereits in den Händen von A und B...“

Er selber habe nicht gewusst, dass es sich um ein Kind und eine Patientin gehandelt habe. Er habe das nicht richtig eingeordnet. „Aber ich erwarte als Vorstandsvorsitzender, dass solche gravierenden Probleme mir in ihrer gesamten Tragweite geschildert werden“, betonte Einhäupl.

Bereits nach der Entdeckung von Darmkeimen in der Charité vor einigen Wochen war es zu Kommunikationspannen gekommen. Berlins Gesundheitssenatorin Sandra Scheeres (SPD) forderte den Charité-Vorstand nun auf, bis zum Montag einen Bericht über den Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen vorzulegen. Polizei und Staatsanwalt ermitteln. Am Sonntag gab es dazu allerdings keine Stellungnahme der Behörden.

Die betroffene 16-Jährige konnte augenscheinlich auch noch nicht befragt werden. „Wir haben die Eltern nach wie vor nicht erreicht“, sagte eine Charité-Sprecherin. Zudem waren über eine neu eingerichtete Hotline des Klinikums womöglich neue Missbrauchsvorwürfe aufgetaucht. Die Klinik wolle einem anonymen Hinweis zu „Grenzüberschreitungen“ genauer nachgehen, hieß es. Eine Sprecherin der Charité sagte am Samstag: „Das muss man ernst nehmen. Bislang sind wir aber noch nicht weitergekommen.“ Zudem soll der 58-jährige Pfleger auch schon früher auffällig geworden sein, einen Vermerk dazu gibt es in seiner Personalakte aber nicht.

Charité-Chef Einhäupl will nun ein erweitertes Führungszeugnis einführen - das hatte zuvor bereits der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, gefordert. „Wir werden künftig von Mitarbeitern in sensiblen Bereichen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis verlangen (...)“ , sagte Einhäupl der „Berliner Morgenpost“. Ein Sprecherin der Charité bestätigte die Pläne.

Für Menschen, die direkt mit Kindern arbeiten, dürfen Arbeitgeber ein erweitertes Führungszeugnis beantragen. Es gibt in größerem Umfang Auskunft darüber, ob Stellenbewerber wegen bestimmter Sexualdelikte an Kindern und Jugendlichen vorbestraft sind. In einem „normalen“ Führungszeugnis stehen nur die Delikte, die eine Geldstrafe von mindestens 90 Tagessätzen oder eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten nach sich gezogen haben.

Zudem kündigte Einhäupl an, die Kommunikation verbessern zu wollen. „Wir müssten einen Kommunikationsmanager an der Spitze einsetzen, um alle Schwierigkeiten zu bewältigen“, sagte er der „Berliner Morgenpost“.

Zudem soll das Expertenteam um die Politikerin Zypries helfen, die Pannen aufzuarbeiten. „In großen Verwaltungen stellt sich immer die Frage, wie einzelne Abteilungen mit ihrem Wissen umgehen. Behalten sie es für sich oder teilen sie es?“, sagte Zypries dazu im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Auch sei sexueller Missbrauch in Kliniken nicht ungewöhnlich. „Krankenhäuser und Heime sind besonders gefährdet, da Menschen dort in der Abhängigkeit von anderen Menschen sind.“

 



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