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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
13. November 2012

Langzeitstudie: mehr Dynamik, aber auch deutlich stärkere soziale Brüche in der Arbeitswelt

Die Arbeitsmarktreformen zeigen Wirkung. Die Architektur der Arbeitswelt ist in der vergangenen Dekade in Bewegung gekommen. Die Erwerbsarbeit ist mobiler, aber auch ungleicher. Die sozialen Abstände zwischen den Beschäftigtengruppen wachsen. Es entstehen neue Gelegenheiten, aber auch neue Risiken. Biographien verändern sich und die Erfahrungen der Unsicherheit und Ungewissheit werden zu fixen Bestandteilen einer neuen Arbeitswelt.

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Zu diesen Ergebnissen kommt eine soziologische Langzeitstudie, die von 2007 bis 2012 am Hamburger Institut für Sozialforschung von Dipl. Sozw. Natalie Grimm und PD Dr. Berthold Vogel durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt standen jährlich wiederholte biografisch-narrative Interviews mit rund 150 Personen, die sich in prekären, unsicheren und wechselhaften Erwerbssituationen befinden. Sie gaben in vier Befragungswellen Auskunft über ihre aktuelle Situation. „Mehr als die Hälfte von ihnen sind erwerbsgesellschaftliche Grenzgänger, die zwischen Grundsicherungsbezug und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung hin und her wechseln bzw. trotz Erwerbsarbeit (aufstockend) ALG II beziehen“, konstatiert die Sozialforscherin Natalie Grimm als ein zentrales Ergebnis der Studie. „Diese Grenzgänger“, ergänzt die Wissenschaftlerin, „pendeln zwischen unterschiedlichen Statusformen der Erwerbsarbeit, bekommen aber keinen sicheren und verbindlichen Zugang zum Erwerbsleben.“

Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigen, dass auf dem Arbeitsmarkt eine neue, stetig wachsende Zwischenzone entstanden ist, in der sich neue Instabilitäten stabilisieren. „Wir können zeigen, dass sich in der ‚Zwischenzone’ nicht nur Beschäftigungsverhältnisse, sondern auch soziale Beziehungen und normative Überzeugungen verändern“, sagt der Projektleiter PD Dr. Berthold Vogel. „Dies hat nicht nur Folgen für Betrieb und Beruf, sondern auch für die Qualität des gesellschaftlichen Zusammenlebens und Zusammenarbeitens“. Die Beteiligung am Erwerbsleben verbrauche immer mehr Energie, so Vogel, eine Energie, die anderen Orts, in den Familien oder bei sozialen Aktivitäten, fehle.

Die umfangreiche qualitative Paneluntersuchung war Teil des Verbundprojekts „Armutsdynamik und Arbeitsmarkt“, das vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg konzipiert, drittmittelfinanziert und geleitet wurde. Ein weiterer Kooperationspartner im Projektverbund war das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung in München mit dem Auswertungsschwerpunkt „Entwicklung von Arbeitsvermögen und Beschäftigungsfähigkeit“.

 
Quelle: Hamburger Institut für Sozialforschung



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