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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
29. Oktober 2012

Kampagne für Organspende startet - Millionen bekommen Ausweis

Zuletzt sorgten Tricksereien bei der Organvergabe für Schlagzeilen. Wie steht es heute um die Spendebereitschaft? Tausende Kranke warten auf ein Organ - jetzt startet die groß angelegte Werbekampagne.

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Ungeachtet des jüngsten Skandals um die Transplantationsmedizin startet in der kommenden Woche eine Kampagne für mehr Spenderorgane. Die Versicherten bekommen einen Organspendeausweis und Informationen zugeschickt. Die Techniker Krankenkasse (TK) kündigte am Freitag in Berlin an, direkt zum Inkrafttreten der Organspendereform am Donnerstag (1. November) mit dem Versand an ihre 6,9 Millionen Versicherten über 16 Jahre zu beginnen. Andere Kassen warten noch ab.

Bis Ende Oktober kommenden Jahres haben die Kassen nun für entsprechende Briefe Zeit. Das Ziel sei es zunächst, die Versicherten zu informieren, sagte TK-Chef Jens Baas. Die Versicherten könnten die Ausweise in Scheckkartenformat auch unausgefüllt lassen oder einer Organentnahme nach dem Tod widersprechen. Baas: „Wir wollen niemanden dazu drängen.“

Ziel der im Bundestag über die Fraktionsgrenzen hinweg beschlossenen Entscheidungslösung und der Kampagne ist aber schon eine Steigerung der Spendebereitschaft. Der nun umgesetzten Reform waren jahrelange Debatten vorausgegangen. Jetzt sollen alle Versicherten informiert und um eine Entscheidung gebeten werden. Bisher musste man sich aktiv um das Thema kümmern und gegenüber den Angehörigen oder per Ausweis seine Spendebereitschaft bekunden, wenn man nach dem Tod als Organspender infrage kommen wollte.

Die TK beginnt mit dem Versand an ihre Versicherten in Hamburg und Berlin. Alle zwei Jahre muss künftig erneut informiert werden. Andere Kassen wollen noch abwarten. Baas übte deshalb Kritik: „Das ist Aus-der-Verantwortung stehlen.“ Für die Kassen sei das Engagement bei dem für viele unangenehmen Thema nicht ohne Risiko.

Die größte Kasse, die Barmer GEK, fügt in Versichertenschreiben Flyer zur Vorabaufklärung und Motivation bei. „Anfang des kommenden Jahres findet die Kampagne ihren Höhepunkt, wenn die Versicherten vollumfängliche Informationen samt Organspendeausweisen per Post erhalten», sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Für die DAK-Gesundheit sagte ein Sprecher: «Wir werden erst im nächsten Jahr damit starten.“ Angepeilt seien die ersten Monate 2013.

Die AOK informiere seit April ihre Versicherten zum Thema im Internet, sagte ein Sprecher des AOK-Verbands der dpa. Mit dem Start des Gesetzes beginne die AOK in einigen Regionen mit der schriftlichen Information. „Der Schwerpunkt der Versendung der Informationsmaterialien wird im kommenden Jahr sein.“

Die 111 Betriebskrankenkassen entscheiden jeweils selbst über den Zeitpunkt des Versandes, wie eine Verbandssprecherin sagte. Der BKK-Bundesverband habe ein Muster-Anschreiben erarbeitet. Die Siemens-Betriebskrankenkasse teilte mit, die Versicherten noch nicht mit Ausweisen zu versorgen. „Der Skandal und die anhaltende Diskussion haben die Akzeptanz der Ausweise in den Keller gefahren - leider!“, so ein Sprecher.

Tatsächlich hatte der Verdacht auf kriminelle Tricksereien bei der Vergabe von Organen in Göttingen und Regensburg laut Umfragen zu einem Rückgang der Spendebereitschaft geführt. Bei einem Treffen von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) mit Vertretern von Ländern, Ärzten, Kassen und Kliniken waren im August schärfere Kontrollen und Sanktionsmöglichkeiten vereinbart worden. In der Koalition, vor allem aber bei SPD, Linken und Grünen blieben jedoch Zweifel und Forderungen nach mehr staatlicher Aufsicht.

Von den 12.000 Menschen, die in ganz Deutschland auf eine Spende warten, sterben jeden Tag 3. Baas räumte ein, die nun verschickten Briefe allein könnten die Probleme nicht deutlich abmildern. Wieviele Menschen einen Ausweis ausfüllen, werde auch nicht ermittelt. Es komme auf die ebenfalls beschlossene Neuerung an, dass sich in den einzelnen Kliniken jemand darum kümmert und Spenden vorbereitet.

Überraschend dürfte für viele Empfänger des Kassen-Materials sein, dass sie sich auch über Patientenverfügungen Gedanken machen sollen. Baas erläuterte: „Wenn ich ausschließe, dass ich Apparatemedizin bekomme, schließe ich damit auch die Organspende aus.“ Denn ist der Hirntod eingetreten, müssen Betroffene an Apparate angeschlossen werden, damit die Organe bis zur Entnahme funktionsfähig bleiben.

 



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