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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
20. September 2012

Finanzkrise und Währungsmanipulation schon vor 400 Jahren

Dass exzessives Gewinnstreben einiger weniger ganze Gesellschaften an den Abgrund bringen kann, ist nicht erst eine schmerzliche Erfahrung der Gegenwart. Vor 400 Jahren führte eine massive Geldmengenausweitung in den Staatsbankrott. Die Macher der Inflation aber hatten ihre Gewinne längst in Sicherheit gebracht. Davon handelt das Buch des Historikers Steffen Leins, Doktorand an der Universität Tübingen, zum „Prager Münzkonsortium“.

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Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde die Währung in weiten Teilen des alten deutschen Reiches massiv manipuliert. Kaiser Ferdinand II. hatte dies offiziell genehmigt, ohne dabei zu ahnen, worauf er sich einließ. Er wusste jedoch, dass er dringend große Mengen Geld zur Finanzierung des Krieges brauchen würde: Soeben hatte er den Aufstand der böhmischen Adligen blutig niedergeschlagen. Doch war der Konflikt längst auf das Reich übergesprungen und drohte Europa mitzureißen. In dieser angespannten Lage verpachtete der Kaiser sein Münzrecht für mehrere Länder an ein Konsortium. Die Silbermünze sollte mit Kupfer gestreckt werden, um Söldner zu bezahlen.

Dieses Geschäft betrieben zwei Prager Bankiers, die zu den bedeutendsten ihrer Zeit gezählt werden können: Jakob Bassevi und Hans de Witte. Ihre Silberhändler durchreisten Mitteleuropa, um von der Bevölkerung wertvolles altes Silber gegen neue, manipulierte Münzen aufzukaufen. Das so erworbene Silber, mehr als hundert Tonnen, wurde in böhmischen, mährischen und niederösterreichischen Münzstätten mit billigerem Kupfer eingeschmolzen und wieder in Umlauf gebracht. Die Umsätze des Konsortiums beliefen sich auf mehrere Staatshaushalte. Die beiden Bankiers schöpften große Gewinne ab, jedoch nur zum Teil für sich selbst. Als Jude und als Calvinist waren sie gesellschaftlich wenig angesehen und brauchten die Rückendeckung einflussreicher katholischer Adliger wie Wallenstein und Fürst Liechtenstein.

Wallenstein und Liechtenstein waren die mächtigen Statthalter des Kaisers im unterworfenen Böhmen. Nachdem sie die führenden Köpfe des Aufstandes gegen den Kaiser hatten hinrichten lassen, enteigneten sie den einheimischen Adel und kauften dessen Land in der Inflationsphase günstig auf. Auch die untertänige Bevölkerung bekam die Wirkungen der Münzmanipulation zu spüren: Die Preise für Nahrungsmittel explodierten, während die Löhne sanken. Eine Wirtschaftskrise und eine Hungersnot waren die Folge. Der Kaiser dagegen musste den Staatsbankrott erklären und die Währung abwerten. Es hatte sich erwiesen, dass es gefährlich war, in einer Krise die Geldmenge auszuweiten.

Steffen Leins M. A., geboren 1983, ist Doktorand an der Universität Tübingen. Seine Studie zum Prager Münzkonsortium beruht auf seiner erweiterten Magisterarbeit. Diese ist am Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Prof. Dr. Anton Schinding/Prof. Dr. Matthias Asche) entstanden und hat drei Wissenschaftspreise gewonnen: den Wilhelm-Deist-Preis, den Hannelore-Otto-Preis sowie den Werner-Hahlweg-Förderpreis der Bundeswehr. Die Finanzierung der Drucklegung des Buches erfolgte aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 437 „Kriegserfahrungen – Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit“.

Literaturhinweis:
Steffen Leins, Das Prager Münzkonsortium 1622/23. Ein Kapitalgeschäft im Dreißigjährigen Krieg am Rand der Katastrophe, Münster: Aschendorff Verlag 2012, 208 Seiten mit 19 Abbildungen, 29 Euro, ISBN 978-3-402-12951-7.

 
Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen



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