Dienstag, 17. Oktober 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
13. Juli 2012

Historiker: Beschneidungsverbot war immer antisemitisch motiviert

Der Moskauer Rabbiner Pinchas Goldschmidt sorgt mit seiner Aussage für Aufsehen, das Kölner Beschneidungsurteil gefährde die Zukunft der Juden in Deutschland. Michael Brenner ist Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München und stimmt Goldschmidt völlig zu. Deutschland stehe mit dem Urteil in einer unrühmlichen Tradition, sagt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Bislang hätten nur totalitäre und judenfeindliche Regime die rituelle Beschneidung verboten.

Anzeige:
 
 

Der Rabbiner Pinchas Goldschmidt hat das Kölner Beschneidungsurteil als schwerste Attacke auf das jüdische Leben in Deutschland seit dem Holocaust bezeichnet. Überrascht Sie diese heftige Reaktion?

Brenner: «Ich bin nicht überrascht, denn es ist tatsächlich ein entscheidender Eingriff in die Ausübung der jüdischen Religion. Er hat das Urteil ja nicht mit dem Holocaust gleichgesetzt, sondern gesagt, dass es seit dem Holocaust die einschneidendste Veränderung in der Ausübung jüdischer Religionspraxis ist. Und das kann man nicht in Abrede stellen. Die Beschneidung ist kein Brauch, sondern ein religiöses Gebot.»

Wird Deutschland mit dem Urteil Ihrer Ansicht nach zu einem Land, in dem man als Jude seine Religion nicht mehr ausleben kann?

Brenner: «Das ist richtig so. Man kann die jüdische Religion in der Art und Weise, wie sie traditionell praktiziert wurde, nicht mehr ausleben - und das trifft auf liberale wie auch auf orthodoxe Juden zu. Interessant an diesem Urteil ist, dass hier das erste Mal in einem westlichen Land dieses Recht infrage gestellt wird.»

Worauf führen Sie das Urteil zurück?


Brenner: «Was im Hintergrund mitspielt, sind völlig falsche Vorstellungen eines barbarischen Aktes der Beschneidung. Die Beschneidung erscheint in der deutschen Gesellschaft als kulturell fremd. Dabei wird sie von der Weltgesundheitsbehörde empfohlen, in Amerika sind die meisten christlichen Männer beschnitten, die Nachkommen des englischen Königshauses auch. Auch Jesus wurde beschnitten. Die Beschneidung ist aber im Laufe des 19. Jahrhunderts aus dem deutschen kulturellen Kontext verschwunden. Ich sage nicht, dass jeder, der die Beschneidung ablehnt, Antisemit ist. Aber viele antisemitische Stereotype spielen im Hintergrund bei dieser Ablehnung der Beschneidung eine Rolle.»

Inwiefern?

Brenner: «In anderen Staaten wie in den USA oder England ist die Beschneidung viel eher als gängigere kulturelle Praxis akzeptiert. In Deutschland aber scheint sie mit dem Makel des Fremden und Barbarischen behaftet zu sein. Das hat mit kulturellen Praktiken zu tun, die sich seit langer Zeit herausgebildet haben. Und da würde ich schon sagen, dass in diesem Prozess auch die Ablehnung der eben von Juden praktizierten Praxis eine gewisse Rolle spielt. In der Vorstellung der Juden ist mit dem Verbot der Beschneidung immer eine antisemitische Gesetzgebung verbunden. Das geht zurück in das zweite vorchristliche Jahrhundert unter griechischer Fremdherrschaft über die römische Zeit und bis hin zur Sowjetunion. Es waren immer totalitäre Regime, mit denen antijüdische Verfolgung verbunden war, die die Bescheidung verboten haben. Und es wäre schon traurig, wenn die Bundesrepublik Deutschland jetzt der erste demokratische Staat wäre, der ähnlich handelt.»

 



Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
CML
NET
CUP
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs