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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
11. Mai 2012

Front gegen «Arzt-Abzocke» – Selbstzahler-Angebote umstritten

Patienten lassen beim Arzt immer mehr auf eigene Rechnung machen – obwohl die Kassen eigentlich alles Nötige zahlen. Opposition und Kassen wollen den umstrittenen Selbstzahler-Bereich beschränken.
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Opposition und Krankenkassen wollen die starke Ausbreitung umstrittener Selbstzahler-Angebote beim Arzt eindämmen. Immer öfter lassen sich Kassenpatienten etwa auf Ultraschall-Untersuchungen oder Augendruckmessungen ein, die sie aus eigener Tasche zahlen müssen. Experten zweifeln am Nutzen. Teils drastische Maßnahmen sollen aus Sicht der Kritiker die Spreu vom Weizen bei den Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) trennen. Die Ärzte wehren sich.

«Es geht nicht nur darum, Patienten vor Abzocke zu schützen, sondern auch vor Schäden», sagte die SPD-Gesundheitsexpertin Mechthild Rawert am Donnerstag im Bundestag. «Oft sind sie nicht sinnvoll, schon gar nicht für ihren Preis», fügte ihre SPD-Fachkollegin Carola Reimann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur hinzu. «Patienten werden in vielen Fällen überrumpelt.» Künftig sollten sie sich ohne Druck entscheiden können.

Deshalb sollen Ärzte laut SPD künftig in der Regel nicht mehr am selben Termin IGeL- und normale Kassen-Leistungen durchführen dürfen. Der entsprechende Antrag wurde nun erstmals im Plenum beraten.

Zuletzt gab es in Arztpraxen Individuelle Gesundheitsleistungen im Wert von 1,5 Milliarden Euro. Zwei Jahre vorher lag der Umsatz demnach 500 Millionen Euro darunter. «Patientinnen und Patienten werden in den Arztpraxen zum Teil durch aggressives Marketing zu den Leistungen gedrängt», so die SPD.

Die Krankenkassen machten auch Druck. Die Chefin ihres Verbands, Doris Pfeiffer, forderte eine 24-stündige Einwilligungsfrist. «Dann hätten Versicherte, denen eine der häufig nutzlosen IGeL-Leistungen angeboten wird, ausreichend Zeit, um sich ein eigenes Bild zu machen und frei zu entscheiden.» Der Medizinische Dienst der Kassen lasse sich bei seinem Internet-Ratgeber IGeL-Monitor – anders als Ärzte in ihrer Praxis – nicht von finanziellen Interessen leiten.

Die Ärzte sprachen sich für Aufklärung aus – wehrten sich aber gegen die Forderung, die bereits Ende 1990er Jahre eingeführten IGeL-Leistungen getrennt anzubieten. «Mit so einer Vorgabe würden nicht nur die Wartezeiten auf einen Arzttermin länger, die Patienten würden auch in absolut unakzeptabler Weise gegängelt», sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery.

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink sagte: «Heute fällt Patienten die Einschätzung schwer, ob die Leistungen sinnvoll sind.» Kämen die Ärzte ihren Informationspflichten verstärkt nach, sinke die Zahl der IGeL-Leistungen automatisch. Harald Weinberg (Linke) forderte: «Man muss überlegen, zumindest diejenigen IGeLs zu verbieten, die mehr schaden als nutzen.»

Experten kritisieren zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen von Gebärmutter und Eierstöcken zur Krebsfrüherkennung als unsicher. Bei vielen Frauen komme es zum Krebsverdacht, der sich nur selten bestätige. Auch zusätzliche Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren, bekannt als Baby-TV, gelten Experten als wenig sinnvoll. Die Früherkennung bei Grünem Star durch Messung des Augeninnendrucks und Augen-Spiegelung wird ebenfalls oft kritisch bewertet.

Die FDP sieht keinen Handlungsbedarf. IGeL seien eine «sinnvolle Ergänzung», sagte ihre Abgeordnete Gabriele Molitor. Die CDU wandte sich gegen den «Abzocke»-Vorwurf gegen Ärzte.

Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK wurde zuletzt mehr als jedem vierten Versicherten zuletzt innerhalb eines Jahres eine medizinische Leistung auf Privatrechnung verkauft. «Besonders alte und pflegebedürftige Menschen sind oft überfordert, wenn sie direkt vor die Wahl gestellt werden», kritisierte die Deutsche Hospiz Stiftung.
 



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