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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. Oktober 2006 Zielgerichtete Therapie mit Antisense-Wirkstoff

Die Antisense-Technik erlaubt eine zielgenaue Therapie, indem sie das Protein Transforming Growth-Factor-beta (TGF-beta) im Tumorgewebe spezifisch hemmt. Damit lassen sich die vielfältigen schädigenden Effekte dieses Proteins unterbinden. Bei zwei Patienten mit malignem Gliom induzierte die innovative Technik eine komplette Remission.
Besonders bösartige Tumoren, wie das maligne Gliom, das Pankreaskarzinom und das maligne Melanom, haben eine fatale Eigenschaft gemeinsam: Ihre Zellen exprimieren im Übermaß TGF-beta. Dieses Protein steuert maßgeblich die Aggressivität und Metastasierung des Tumors, ferner Migration, Angiogenese sowie Proliferation und gilt als stärkster aller bislang identifizierten Immunsuppressoren. TGF-beta und vor allem die Isoform TGF-beta2 bilden gleichsam eine Hülle um die Krebszelle, die sie vor dem Angriff des Immunsystems schützt.
Der Regulator TGF-beta2 steuert vier Schlüsselprozesse des Krebsgeschehens. Diese multimodalen Effekte machen TGF-beta zum wichtigsten Ziel einer an den Ursachen orientierten onkologischen Therapie. Und hier dürften Antisense-Wirkstoffe künftig eine zentrale Rolle spielen. Dabei handelt es sich um modifizierte DNA-Sequenzen, die sich im Zytoplasma komplementär zur Sequenz der mRNA des Zielproteins anlagern. Dann kann die Krebszelle dieses Protein nicht mehr produzieren. „Der Antisense-Wirkstoff AP 12009 unterbindet zielgerichtet die Synthese von TGF-beta2“, sagte Privatdozentin Dagmar Fischer, Regensburg.
Die erste Tumorentität, bei der AP 12009 klinisch eingesetzt wurde, ist das maligne Gliom. Weil Operation, Bestrahlung und Chemotherapie bisher keinen Durchbruch gebracht haben, kommen 75 Prozent der Patienten innerhalb von zwei Jahren ab der Erstdiagnose ad exitum. Die Überlebenszeit nach einem Rezidiv beträgt 32 Wochen beim Glioblastom und 42 Wochen beim anaplastischen Astrozytom. In einer Phase-I-Studie, in der man 24 Gliompatienten den Wirkstoff direkt in den Tumor applizierte, wurde in sieben Fällen ein Stillstand des Tumors beobachtet. Zweimal kam es sogar zu einer kompletten und anhaltenden Remission. Einer dieser Patienten ist viereinhalb Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

kbf

Quelle: 89. Stammtisch der Münchner Medizinjournalisten, München, 10. Oktober 2006; Sponsor: Antisense Pharma GmbH, Regensburg


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