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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
09. Juli 2006

Wachstumsfaktor nimmt Mukositis den Schrecken

Mit dem Keratinozyten-Wachstumsfaktor Palifermin (Kepivance®) steht erstmals ein Medikament zur Verfügung, das sowohl die Inzidenz als auch die Dauer und Schwere der Mukositis eindrucksvoll reduzieren kann.
Eine Mukositis kann unter Chemotherapie, Strahlentherapie und kombinierter Strahlenchemotherapie auftreten und ist für die Patienten außerordentlich schmerzhaft und belastend. Bei ausgeprägten Formen benötigen die Patienten Analgetika als Dauerinfusion und eine parenterale Ernährung. Wie Prof. Monika Engelhardt, Freiburg, berichtete, ist besonders häufig mit solchen massiven Schleimhautschädigungen bei rasch aufeinanderfolgenden Chemotherapien, bei gastrointestinalen Tumoren, kombinierter Chemo-Radiotherapie und Ganzkörperbestrahlung zu rechnen. Weitere Risikofaktoren sind ein schlechter Zahnstatus, fortgeschrittenes Alter, ein schlechter Ernährungs- und Allgemeinzustand sowie Transplantationen.
Fast alle Patienten mit einer Knochenmarktransplantation leiden nach der Konditionierung unter einer zum Teil sehr stark ausgeprägten Mukositis. Etwa die Hälfte der Patienten geben die Schleimhautentzündung als die am schlimmsten empfundene Nebenwirkung an, so Prof. Dietger Niederwiese, Leipzig. Diese Situation lässt sich mit dem rekombinanten Keratinozyten-Wachstumsfaktor Palifermin, der seit September 2005 für myeloablative Therapie EU-weit zugelassen ist, wesentlich verbessern.
Wie in einer doppelblinden Phase-III-Studie an 212 Patienten mit Leukämien oder Lymphomen gezeigt werden konnte, reduziert Palifermin Dauer und Inzidenz der schweren, oralen Mukositis (WHO Grad 3-4) signifikant. Die Patienten erhielten entweder Palifermin i.v. 60 Mikrogramm/kg/Tag oder Plazebo an drei aufeinander folgenden Tagen vor einer myelotoxischen Hochdosistherapie mit Ganzkörperbestrahlung und drei Tage lang nach Transplantation hämatopoetischer Stammzellen. Die Mukositis vom Schweregrad 3-4 verminderte sich in der Palifermin-Gruppe im Vergleich zur Plazebogruppe um rund ein Drittel (63% vs. 98%), die Häufigkeit der Grad-4-Schweregrade nahm von 62% unter Plazebo auf 20% unter Palifermin ab. Die Dauer der schweren oralen Mukositis von Grad 3-4 reduzierte sich von 9 auf 3 Tage. Dies ging einher mit einem geringeren Opioidverbrauch, so Engelhardt.
Die häufigsten Nebenwirkungen waren eine allergische Reaktion, die sich als Hautausschlag, Hautrötung, Juckreiz oder Ödeme äußerte. Patienten berichteten über Gefühlsstörungen an Lippen und Zunge (Gefühl von Schwellungen) und Geschmacksveränderungen. Diese Reaktionen waren vorwiegend nicht stark ausgeprägt, vorübergehend und unterschieden sich nicht signifikant von Plazebo.
Ein Einfluss des Wachstumsfaktors auf das Tumorwachstum hat sich nicht gezeigt. In einer Studie von Spielberger et al. bestand kein Unterschied in der Mortalität zur Plazebogruppe.
Wie Engelhardt weiter berichtete, leben Patienten mit keiner oder leichter Mukositis länger als Patienten mit schwerer Mukositis. Ob die Ursache dafür primär die Mukositis ist oder darin begründet ist, dass Patienten mit leichter Mukositis weniger Risikofaktoren und damit eine bessere Ausgangsbasis haben, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Pressekonferenz: „Aufbruch in eine neue Zeit: Kepivance® - erste und einzige Therapie bei oraler Mukositis“. Im Rahmen des 32nd Annual Meeting of the European Group for Blood and Marrow Transplantation, Hamburg, 19 März 2006. Veranstalter: Amgen.

as

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