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Imfinzi NSCLC
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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
23. April 2010

Therapie des NSCLC: Histologie und molekulare Marker gewinnen zunehmend an Bedeutung

Die individualisierte Therapie ist in den letzten Jahren auch beim Lungenkrebs Realität geworden. Einen hohen Stellenwert haben dabei die histologischen Merkmale des Tumors gewonnen. Ein Ansatzpunkt für die individualisierte Therapie des NSCLC zeigte sich in der Studie von Scagliotti et al., in der Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinomen (Adeno- und großzellige Karzinome) von der Kombination Pemetrexed (Alimta®)/Cisplatin im Vergleich zur Standardtherapie einen signifikanten Überlebensvorteil hatten. Die Tumorhistologie als prädiktiver Faktor ist wegweisend für eine in Zukunft noch differenziertere und damit für eine auf den Patienten noch stärker abgestimmte Therapie, wie auf einem Lilly-Symposium zum 29. Deutschen Krebskongress in Berlin deutlich wurde.
Die moderne Lungenkrebstherapie ist individuell auf den Patienten zugeschnitten. Der Therapiealgorithmus orientiert sich an Stadium, Allgemeinzustand, Tumorhistologie, dem Ansprechen auf die Erstlinientherapie sowie am Tumorprofil und am vaskulären Risikoprofil des Patienten, wie PD Dr. Martin Reck, Großhansdorf, ausführte.
Mit dem Ziel, die Prognose der Patienten mit NSCLC durch Therapieauswahl und -intensität noch weiter zu verbessern, ist seit Januar 2010 ein neues Staging-System (TNM-System) gültig, berichtete Dr. Karl-Matthias Deppermann, Erfurt. Wichtigste Neuerung ist eine genauere Klassifizierung nach der exakten Tumorgröße sowie zur Fernmetastasierung.

Bedeutung der Histologie als prädiktiver Faktor

Welch hohen Stellenwert die Tumorhistologie für die Therapiewahl hat, verdeutlichte die Phase-III-Studie zur Erstlinientherapie des NSCLC (Stadium IIIB/IV), in der Patienten mit Adenokarzinom und großzelligen Karzinomen durch die Zweifachkombination Pemetrexed/Cisplatin ein medianes Gesamtüberleben von 11,8 Monaten erreichten im Vergleich zu 10,4 Monaten unter Gemcitabin/Cisplatin (p=0,033) [1]. Diese Studie, in der Patienten mit Adenokarzinom Studien-gebunden erstmals mit einer Cisplatin-haltigen Dublette über ein Jahr lebten (12,6 Monate unter Pemetrexed/ Cisplatin), führte zur Zulassung von Pemetrexed in Kombination mit Cisplatin für Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit vorwiegend Nicht-Plattenepithelkarzinom (Adeno-und großzelliges Karzinom).
Gleichzeitig zeichnete sich Pemetrexed/Cisplatin durch ein günstigeres Nebenwirkungsprofil aus, es waren weniger hämatotoxische Nebenwirkungen aufgetreten.
Der relevante prädiktive Faktor für die Wirksamkeit der Pemetrexed-haltigen Therapie war die Histologie (Abb. 1), betonte Reck. Eine Schlüsselrolle scheint dabei die Expression der Thymidylatsynthase (TS) einzunehmen, die sich Histologie-spezifisch unterschiedlich darstellt. NSCLC vom Typ der Adenokarzinome exprimieren weniger TS als Plattenepithelkarzinome. Da das Multi-Target-Enzym Pemetrexed u.a. TS inhibiert, tritt wahrscheinlich deshalb der Effekt bei Adenokarzinomen stärker hervor.
Der Histologie-abhängige Überlebensvorteil bei Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinomen (Adeno- und großzellige Karzinome) durch eine Pemetrexed-haltige Therapie zeigte sich bereits in einer früheren Studie, die zur Zulassung von Pemetrexed in der Zweitlinie geführt hat [2] sowie in einer Studie zur Erhaltungstherapie [3].
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Abb. 1: Adenokarzinome, die aus einer Kultur von Adenokarzinomzellen auf einer Agarplatte herangezogen wurden.

Reck: „Somit konnte mittlerweile in drei randomisierten Phase-III-Studien gezeigt werden, dass ein signifikanter und relevanter Überlebensvorteil zugunsten einer Pemetrexed-haltigen Chemotherapie für Patienten mit nicht-plattenepithelialem Lungenkarzinom besteht.“
Auch das Tumorprofil und das vaskuläre Risikoprofil des Patienten, mit dem sich das Risiko einer antiangiogenetischen Therapie besser einschätzen lässt, gewinnen mit der Verfügbarkeit neuer Substanzen zunehmend an Bedeutung und bestimmen die Therapieentscheidung. Die Rolle des Pathologen hat sich dadurch grundlegend gewandelt. Seine Aufgaben beschränken sich nicht mehr allein auf die Diagnosestellung, sondern auf die exakte histologische Typisierung des NSCLC, die es ermöglicht, das Ansprechen auf eine bestimmte Therapie vorherzusagen. Wie der Pathologe Dr. Florian Länger, Hannover, erläuterte, kann bei etwa 95% der Patienten mit NSCLC anhand der Biopsie oder des resezierten Tumors eine Typisierung durchgeführt werden. Durch eine weiterführende molekulare Diagnostik könnte auch mit der Bestimmung der TS-Expression die Befundung noch verbessert werden, um dem Patienten die bestmögliche Therapie anbieten zu können. as

Literatur:
1. Scagliotti G et al.; J Clin Oncol; 2008; 26: 3543-3551
2. Hanna N et al.; J Clin Oncol; 2004; 22: 1589-1597
3. Ciuleanu TE et al. J Clin Oncol 2008; 26:811.

Lilly Onkologie Symposium: Intrathorakale Tumoren individuell behandeln, anlässlich des 29. Deutschen Krebskongresses 2010, Berlin, 25. 2.2010
Mit freundlicher Unterstützung von Lilly Deutschland GmbH.

Quelle:


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