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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
30. Oktober 2008

"Schwankungen im Level der Resterkrankung könnten bei CML-Patienten auf ein Complianceproblem hinweisen"

Interview mit PD Dr. med. Claudia Haferlach, München
Die CML ist eine Erkrankung des älteren Menschen und seit etwa 5 Jahren gilt Imatinib als die Standardtherapie, wobei es sich um eine orale Therapie handelt, die über viele Jahre durchgeführt werden kann. Dadurch hat die Krankheit heute einen chronischen Charakter bekommen. Ergeben sich damit auch Complianceprobleme ähnlich wie bei anderen chronischen Krankheiten?

Studien hierzu, die in den USA durchgeführt wurden, zeigen, dass je nach Patientenkollektiv bis zu 25% der Patienten ihre Medikation nicht kontinuierlich einnehmen. Geprüft wurde dabei, wie häufig die Patienten ihre Rezepte in den jeweiligen Zeiträumen eingelöst hatten, so dass eine kontinuierliche Einnahme gewährleistet war. Es gibt Hinweise darauf, dass Patienten vor allem in der Urlaubsphase eine Medikamentenpause einlegen. Eine Imatinib-Spiegelbestimmung im peripheren Blut erlaubt Rückschlüsse auf eine kontinuierliche Einnahme.

In einem Vortrag hatten Sie darauf hingewiesen, dass auch die Therapieverlaufskontrollen einen guten Hinweis auf eine mangelnde Compliance geben können.

Verlaufskontrollen zur Überprüfung des Therapieansprechens beim CML-Patienten werden über eine quantitative PCR durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Methode, die einen sehr sensitiven Nachweis von Resterkrankung ermöglicht. Ein Anstieg der Resterkrankung kann natürlich sehr unterschiedliche Ursachen haben, das Complianceproblem kann ein Teilaspekt ist. Einen Hinweis auf ein Complianceproblem könnten zum Beispiel Schwankungen im Level der Resterkrankung geben, ohne dass an der Therapie etwas geändert wurde. Für mich wäre das ein Grund beim Patienten gezielt nachzufragen, ob er seine Medikamente regelmäßig einnimmt.

Welche Rolle spielt die Komedikation?

Rein vom psychologischen Aspekt her betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ein Patient, der viele Medikamente einnehmen muss, die eine oder andere Tablette weglässt. Aber es gibt natürlich auch tatsächliche Interaktionen mit anderen Medikamenten. Deshalb ist es ganz wichtig, die Patienten zu fragen, welche Medikamente sie noch einnehmen. Wenn Medikamente über die gleichen Stoffwechselwege abgebaut werden, kann es dadurch auch zu Spiegelschwankungen kommen. Zu einer Verminderung von Imatinib-Spiegeln kann es zum Beispiel durch bestimmte Psychopharmaka, Kortisonpräparate oder Antikonvulsiva kommen. Auch Johanniskrautpräparate können zu einer Verminderung des Plasmaspiegels von Imatinib führen. Deshalb ist es wichtig, die Patienten darauf hinzuweisen.

Wenn ausgeschlossen ist, dass die Schwankungen der Resterkrankung auf eine Resistenzentwicklung zurückzuführen sind, kann man direkt den Plasmaspiegel von Imatinib bestimmen und dann abklären, ob der Abfall von Medikamenteninteraktion gekommen ist – oder man muss den Patienten darauf ansprechen, dass man Hinweise darauf hat, dass das Medikament nicht richtig eingenommen wurde.

Was sind die möglichen Folgen einer schlechten Compliance?

Eine fehlende Compliance kann eine Ursache für eine Resistenzentwicklung sein. Wird der Zellklon durch eine adäquate Therapie nicht ausreichend unterdrückt, so steigt die Anzahl der Bcr-Abl positiven Zellen wieder an und umso höher ist das Risiko eine Resistenz zu entwickeln. In Abhängigkeit davon, um welche Resistenz es sich handelt, sprechen die Patienten dann nicht mehr auf Imatinib an und müssen auf eine andere Therapie umgestellt werden. Außerdem gibt es bestimmte Resistenzen, bei denen es gar kein therapeutisches Ansprechen auf einen Tyrosinkinaseinhibitor mehr gibt.

Wie ließe sich die Therapietreue der Patienten verbessern?

Das Wichtigste ist, den Patienten darüber zu informieren, dass Nebenwirkungen auftreten können. Sie sind auch ein Grund für eine mangelnde Compliance und stellen gerade für Patienten mit CML ein gewisses Problem dar, da sie mit zunehmender Therapiedauer die Schwere ihrer Erkrankung vergessen. Ein Patient hingegen, der an einer akuten Leukämie erkrankt war und eine intensive Chemotherapie hinter sich hat, wird nicht so schnell vergessen, was seine Erkrankung bedeutet.

Man muss die Patienten eindringlich darauf hinweisen, dass sie – selbst wenn sie sich subjektiv wohl fühlen – das Medikament unbedingt weiter nehmen müssen, weil sie sonst ihre Chancen auf eine dauerhafte Remission oder Heilung reduzieren. Man sollte sie auch darauf hinweisen, dass außerdem die Möglichkeit besteht, auf andere Tyrosinkinase-inhibitoren (TKI) umzustellen, wenn die Nebenwirkungen zu ausgeprägt sind. Unter manchen anderen TKI zeigen sich die Nebenwirkungen von Imatinib nicht, weshalb sich ein Versuch lohnen kann. Aber die meisten Nebenwirkungen von Imatinib sind leichterer Natur und durch Begleitmedikation gut zu kontrollieren.


Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle:


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