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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
08. Januar 2001

Primäres Ovarialkarzinom nicht ausreichend nach Standard therapiert

Ovarialkarzinom
Das Ovarialkarzinom an dem jährlich rund 8000 Frauen neu erkranken, steht an erster Stelle der gynäkologischen Krebstodesursachen! Mit Therapiestandards sind die Bestrebungen groß, die Situation zu verbessern. Dennoch sind die Therapieergebnisse hierzulande eher mittelmäßig. Dies hat eine Umfrage der Organkommission Ovar der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) gezeigt. Ein Drittel der Patientinnen wird nicht „richtig“ therapiert.
Zwar werden gemäß den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft die meisten Patientinnen mit Ovarialkarzinom operiert, doch bei der Mehrzahl der Frauen ist postoperativ noch ein Tumorrest vorhanden. Der Anteil der Frauen, bei denen eine komplette Tumorresektion durchgeführt wird, ist kleiner, als dies möglich wäre, wenn überall optimal operiert würde. Unerfreuliche Situation und hohes Rezidivrisiko Dieses Ergebnis bezeichnet die Organkommission Ovar als eine „unerfreuliche Situation“, so ihr Sprecher, Prof. Jacobus Pfisterer, Kiel. Dies gilt insbesondere deshalb, weil ein Großteil der Patientinnen mit postoperativem Tumorrest in relativ kurzer Zeit ein Rezidiv bekommt und 65% in einem mittelfristigen Zeitraum an dieser Erkrankung sterben. Vor diesem Hintergrund ist es erschreckend, dass nur zwei Drittel der Patientinnen nach dem Standard therapiert werden, wie die Untersuchung der Organkommission Ovar der AGO herausgefunden hat. Nach PD Andreas du Bois, Wiesbaden, Leiter der Umfrage der Organkommission Ovar, wollte man herausfinden, welche Ursachen den eigentlich nur mittelmäßigen Therapieergebnissen zugrunde liegen und inwieweit die Resultate mit Charakteristika der Therapieeinrichtungen erklärt werden können.
Für die Untersuchung wurden von 87 Institutionen (Universitätskliniken, Schwerpunktkrankenhäuser und Krankenhäuser der Grund-/Regelversorgung Daten von 501 im 3. Quartal 2000 behandelten Patientinnen evaluiert, das entspricht ca. einem Viertel aller in diesem Zeitraum in Deutschland diagnostizierten Patientinnen. 0 Operatives Vorgehen nicht einheitlich nach Standard Von 310 Patientinnen im FIGO-Stadium IIA-IIIC wurden in Universitätskliniken und Schwerpunktkrankenhäusern 80 und 81% nach dem Standard operiert, in Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung hingegen nur 63%. Patientinnen die in Krankenhäusern der Regelversorgung operiert werden, haben nach der Analyse folglich ein signifikant höheres Risiko, nicht gemäß dem Standard operiert zu werden. Postoperativer Tumorrest nach chirurgischer Extirpation Eine optimale Tumorresektion mit maximalem Tumorrest bis zu 1 cm erfolgte bei 57,2% der Patientinnen im Stadium FIGO IIB-IV. Auch hier fand sich in der Analyse kein Unterschied zwischen Universitäts- und Schwerpunktkliniken. In den Krankenhäusern der Regelversorgung hingegen wurde insgesamt bei 47,9% der Patientinnen ein Tumorrest von >2 cm belassen, gegenüber 22,6% in Uni- und Schwerpunktkrankenhäusern. Auch die optimale Tumorresektion von <1 cm wurde mit 44,8% versus 63,1 und 62,9% in den Häusern der Grundversorgung wesentlich seltener erreicht. Das heißt, Patientinnen der Krankenhäuser zur Grund-/Regelversorgung haben ein doppelt so hohes Risiko, dass bei der Operation ein Tumorrest von >2 cm belassen wird. Nur zwei Drittel erhalten die Standard-Chemotherapie Die Durchführung der Chemotherapie als zweite Säule der Therapie beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom weist gleichfalls erhebliche Qualitätsunterschiede auf. So ergab die Untersuchung, dass die aktuelle Standardtherapie bestehend aus Platinderivaten in Kombination mit Paclitaxel in Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung seltener angewandt wird als in Uni- oder Schwerpunktkliniken.
Nur 59,4% der Patientinnen mit einem Ovarialkarzinom im FIGO-Stadium IIB-IV erhielten die Standardtherapie Platin/Paclitaxel. Die meisten nicht nach dem Standard chemotherapeutisch behandelte Patientinnen bekamen ausschließlich Platin oder Platin kombiniert mit älteren Zytostatika. Während in den Uni-Kliniken und den Schwerpunktkrankenhäusern mehr als zwei Drittel mit der Standard-Chemotherapie behandelt wurden, erhielten in den anderen Krankenhäusern nur 38% ein dem Standard vergleichbares Chemotherapie-Regime.
28,3% der Patientinnen in den kleineren Kliniken erhielten sogar postoperativ keine oder nicht einmal eine Chemotherapie gemäß dem früheren Standard mit Platin.
Des weiteren hat die Untersuchung ergeben, dass die Teilnahme an einer zertifizierten klinischen Studie signifikant die Chance verbessert, eine dem internationalen und nationalen Standard entsprechende Therapie zu erhalten.


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