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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Januar 2021
Seite 3/4

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Die Lebensqualität wird bei Therapieentscheidungen immer wichtiger. Wie kann diese von Ärzten und Patienten bewertet werden? Können Brustkrebs-Patientinnen mit einer angemessenen und gut verträglichen Behandlung in das Arbeitsleben zurückkehren?
 
Gerade in der Therapie der metastasierten Situation spielt die Lebensqualität eine ganz entscheidende Rolle, und das rückt auch immer mehr in den Fokus. In Studien werden daher nun auch Daten zur Lebensqualität betrachtet. Das ist sehr zu begrüßen und wird von den Zulassungsbehörden mittlerweile auch gefordert, sodass Studien zur Lebensqualität inzwischen einen viel höheren Stellenwert haben und nicht mehr nur die Wirksamkeit einer Substanz diskutiert wird. Lebensqualität ist natürlich schwer zu messen. Ein Problem dabei ist, dass die Lebensqualität meist nur für die Zeit der Studie ermittelt wird und wir nicht wissen, wie die Situation davor und danach war. Es ist daher eine absehbare Entwicklung, dass wir als Ärzte die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten regelmäßig und längerfristig miterfassen. Dafür gibt es mehrere Apps, über die die Patienten ihre Daten eingeben können. Das hilft uns besser als z.B. ein oft kurzes Gespräch bei einer Visite, um ein Bild davon zu bekommen, wie es dem Patienten tatsächlich geht. Deshalb ist nicht immer die Therapie die beste, die mit längerem Überleben einhergeht, sondern diejenige, durch die es dem Patienten besser geht bzw. durch die die Lebensqualität nicht beeinträchtigt wird.
 
Das ist im Grunde eine allgemeine Forderung. Es gibt Kriterien, um den Nutzen eines Medikaments zu bewerten, und zwar auch aus Patientensicht. An diesen Kriterien haben auch Patienten mitgearbeitet.
 
Um die Lebensqualität künftig besser erfassen zu können, gibt es Arbeitsgruppen und Projekte, in denen die Patienten vollständig über den gesamten Zeitraum dokumentiert werden und wiederholt Fragebögen zur Lebensqualität bekommen. Dies erfolgt unabhängig von der konkreten Therapie. Es ist vorteilhaft, wenn die Patienten diese Fragebögen in Ruhe ausfüllen können. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Umfang für die Patienten gut machbar sowie für die Ärzte erfassbar ist. Viele Fragebögen haben 10 und mehr Seiten, was sich meiner Meinung nach für eine Routineuntersuchung nicht gut eignet. In den Arbeitsgruppen sollen diese deshalb auf ein sinnvolles, aber dennoch ausreichend zu bewertendes Format gebracht werden.

Bezüglich der neuen zielgerichteten Therapieansätze, die oft zu einer verlängerten Wirksamkeit und auch zu einem längeren Überleben führen, kann man auf jeden Fall sagen, dass diese die Lebensqualität in aller Regel nicht verschlechtern; vielmehr zeigen viele Studien, dass die Lebensqualität besser wird und dies zudem über einen längeren Zeitraum.
 
Das ist ein sehr wichtiger Punkt, nicht zuletzt deshalb, da viele Frauen auch in der metastasierten Situation den Wunsch haben, in das Berufsleben zurückzukehren. Ein wesentlicher Faktor ist für die Patientinnen vor allem aber auch, wieder ein weitgehend normales Familienleben zu haben, da die Frauen oft noch kleine Kinder haben.
 
Das hauptsächliche Ziel ist daher, ein möglichst nur sehr wenig beeinträchtigtes Leben führen zu können. Das ist mit anderen chronischen Erkrankungen durchaus vergleichbar. Ein metastasiertes Mammakarzinom bedeutet für die Patientinnen zwar eine Beeinträchtigung durch das Bewusstsein der Diagnose und durch die langfristige Therapie, aber dennoch ein weitgehend normales Leben – so würden das viele unserer Patientinnen sicher auch ausdrücken.
 
Worauf sollte Ihrer Meinung nach neben der Auswahl der geeigneten Substanz bei der personalisierten Therapie besonders geachtet werden, um den Patienten optimal zu versorgen?
 
Personalisierte Medizin besteht nicht nur daraus, Genveränderungen nachzuweisen und entsprechende Medikamente zu geben. Vielmehr bedeutet personalisierte Medizin gerade in der metastasierten Situation, in der man in der Regel nicht von einer Heilung ausgehen kann, gemeinsam mit dem Patienten einen individuellen Weg für ihn zu finden. Alle Patienten haben ihre eigenen Präferenzen, was die Behandlung betrifft. So ist im Rahmen einer Krebstherapie nicht immer der Verlust der Haare das Kernproblem. Der eine Patient möchte zwar Haarausfall vermeiden, ein anderer möchte dagegen möglichst keine Tabletten einnehmen oder keine Therapie bekommen, die Magenbeschwerden oder Durchfall verursachen. Diese individuell sehr unterschiedlichen Präferenzen sind ebenfalls ein Teil der personalisierten Medizin und sollten daher mit in die Behandlung einfließen.
 
Es ist daher wichtig, die Patienten dazu zu motivieren, sich selbst aktiv einzubringen, ihre Bedürfnisse, Anliegen und Erwartungen mitzuteilen und Entscheidungen dann gemeinsam zu treffen. Um dies besser umsetzen zu können, gibt es das Konzept des „shared decision making“. Diese partizipative Entscheidungsfindung zielt darauf ab, dass Patient und Arzt gemeinsam eine angemessene medizinische Behandlung festlegen. Wenn z.B. eine Patientin in einer metastasierten Situation äußert, dass für sie eine gute Lebensqualität maßgeblich ist, kann die Entscheidung über mögliche Behandlungsstrategien nur im Rahmen einer positiven Kommunikation und Interaktion zwischen Arzt und Patient sowie dessen Angehörigen funktionieren. Generell sollte kein Druck ausgeübt und niemand in eine Situation gedrängt werden, in der er sich nicht wohl fühlt, erst recht nicht in metastasiertem Stadium.
 

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