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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Januar 2021
Seite 2/4

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Kann durch personalisierte Therapie nun häufig(er) auf Chemotherapien verzichtet werden? Welche Substanzen werden aktuell eingesetzt oder derzeit in Studien untersucht?
 
Die präzise Subtypisierung von Tumoren ist bei der Wahl der geeigneten Therapie für die Patientin entscheidend, auch um abzuschätzen, ob eine Chemotherapie benötigt wird oder nicht. Es sollte spätestens beim Auftreten einer Metastasierung die Testung auf HER2 und zumindest beim Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom auf die PI3K-Mutation erfolgen. Bei triple-negativen Tumoren sollte der PD-L1-Status untersucht werden sowie bei Frauen mit Metastasen, die HER2-negativ sind, die Mutationstestung auf BRCA1 und 2 erfolgen.
 
Bei einem Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom wird die Antihormontherapie kombiniert mit zielgerichteten Therapieansätzen, die keine Chemotherapien sind. In diesem Zusammenhang sind die CDK4/6-Inhibitoren zu erwähnen. Es ist bereits eine Substanz bei einer Mutation im PI3K-Gen zugelassen, Alpelisib. Eine Reihe anderer Substanzen, die in den PI3K/AKT-Signalweg eingreifen, befinden sich derzeit in der klinischen Entwicklung.
 
Für viele der anderen zielgerichteten Therapien bleibt eine Chemotherapie aber tatsächlich ein wichtiger Kombinationspartner, oft für eine begrenzte Zeit. Beim HER2-positiven Brustkrebs z.B. erfolgt erst eine Kombination mit einer Chemotherapie, dann setzt man die Chemotherapie ab und führt die Antikörper-Gabe weiter. Es gibt die Idee – und auch Studien dazu –, dass man die Antihormontherapie beim HER2-positiven Brustkrebs durch Kombination z.B. mit endokriner Therapie besser nutzt und auf die Chemotherapie komplett verzichtet. Das ist allerdings weitgehend noch kein Standard, da uns hierfür ausreichende Daten fehlen.
 
Für einen Teil der Patientinnen mit triple-negativem Brustkrebs gibt es jetzt die Möglichkeit, eine Chemotherapie mit einer Immuntherapie zu kombinieren. Und für alle Frauen mit einer Mutation in den Genen BRCA1/2 besteht die Option, anstelle einer Chemotherapie PARP-Inhibitoren einzusetzen. PARP-Inhibitoren erweisen sich als großer Fortschritt und zwar nicht nur für Frauen mit triple-negativem, sondern auch mit hormonempfindlichem Brustkrebs.
 
Ein weiterer Aspekt ist die Idee, Chemo-therapiemoleküle an Antikörper zu koppeln, d.h. die Chemotherapie zielgerichteter auf Tumorzellen und deren Umgebung zu transportieren. Ein solches Antikörper-Wirkstoff-Konjugat – Trastuzumab Emtansin, T-DM1 – ist schon länger bei HER2-positivem Brustkrebs verfügbar.
 
Hier sind noch 2 weitere Substanzen wichtig. Für den HER2-positiven Brustkrebs gibt es das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab Deruxtecan, also die Kombination des schon lange verwendeten Anti-HER2-Antikörpers Trastuzumab mit einem Zytostatikum. Auch dafür gibt es in den USA bereits eine Zulassung, und in Europa wird die Substanz voraussichtlich Anfang 2021 die Zulassung erhalten. Man kann sagen, dass das triple-negative Mammakarzinom hier sicherlich die Subgruppe ist, bei der wir am dringendsten noch weitere Behandlungsansätze brauchen. Eine weitere Substanz ist bereits in den USA für das triple-negative Mammakarzinom zugelassen und wird auch in Europa die Zulassung erhalten. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus einer Chemotherapie und einem Antikörper, die gegen das Protein Trop-2 gerichtet ist, das man häufiger auf triple-negativen, aber auch auf anderen Brustkrebszellen gefunden hat. Dieses Antikörper-Wirkstoff-Konjugat heißt Sacituzumab-Govitecan und hat einen Vorteil gegenüber einer Standardchemotherapie ergeben, sogar was das Gesamtüberleben betrifft, bei gleichzeitig guter Lebensqualität.
 
Beim HER2-positiven Brustkrebs gibt es zudem 2 neue Tyrosinkinase-Inhibitoren. Neratinib ist zugelassen für die Behandlung des frühen Hormonrezeptor-positiven, HER2-positiven Mammakarzinoms nach einer Therapie mit Trastuzumab, um die Heilungsrate zu erhöhen.
 
Tucatinib wird für das HER2-positive metastasierte Mammakarzinom Anfang 2021 zugelassen, basierend auf der Studie HER2Climb mit einem Überlebensvorteil gegenüber der Standardtherapie. Tucatinib sowie Trastuzumab Deruxtecan befinden darüber hinaus auch in der Entwicklung bei gastrointestinalen Tumoren.
 

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