Samstag, 15. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
CAR T Prelaunch
CAR T Prelaunch
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
14. März 2017
Seite 3/3

Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 


Die Zweitlinientherapie des metastasierten Pankreaskarzinoms wurde in der CONKO003-Studie schon sehr früh randomisiert untersucht (13). In dieser Studie konnte mit dem OFF-Regime ein medianes Überleben von 5,9 Monaten in der zweiten Therapielinie erzielt werden im Vergleich zu 3,3 Monaten in der Kontrollgruppe, die mit 5-FU/Folinsäure (LV) behandelt wurde. Patienten, die 5-FU/LV erhalten hatten, erzielten wiederum ein besseres Überleben als die mit mFolfox-6 therapierten Patienten. Deshalb hat sich aus Sicht von Oettle das OFF-Regime in der Zweitlinie etabliert. Für Patienten, die nach einer Erstlinientherapie mit nab-P+Gem eine Neurotoxizität entwickelt haben, steht als Alternative das für die Zweitlinientherapie des Pankreaskarzinoms nach Gemcitabin-Versagen zugelassene liposomale Irinotecan (nal-IRI) zur Verfügung. In der Phase-III-Studie NAPOLI-1 (14) zeigte nal-IRI in Kombination mit 5-FU/LV eine signifikante Verbesserung des OS gegenüber dem 5-FU/LV (6,1 vs. 4,2 Monate; HR=0,67) und des PFS (3,1 vs. 1,5 Monate; HR=0,56; p=0,0001). In besonderem Maße profitieren Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand, berichtete Oettle. Die Nebenwirkungsrate sei moderat. Im Vordergrund stehen Fatigue, Diarrhoe, Übelkeit und eine etwas höhere Hämatotoxizität als unter Gemcitabin.

Daraus ergibt sich für Oettle folgende Behandlungssequenz für das metastasierte Pankreaskarzinom:
- Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand kann eine Gemcitabin-Monotherapie angeboten werden oder eine BSC unter palliativen Gesichtspunkten.
- Für Patienten mit gutem und eingeschränktem Allgemeinzustand bietet sich nab-P+Gem als Erstlinientherapie an und in der Second-Line nal-IRI+5-FU/LV oder Folfiri – für jene Patienten, die unter der Erstlinientherapie eine Neurotoxizität entwickelt haben – sowie das OFF-Schema (Oxaliplatin 5-FU/LV) für die Patienten, bei denen sich in der Erstlinientherapie keine Neurotoxizität gezeigt hat.
- Für Patienten, die Folfirinox als Erstlinientherapie bekommen haben, bleiben in der Second-Line eine Gemcitabin-Monotherapie oder nab-P+Gem als Optionen übrig, abhängig vom Allgemeinzustand und Therapiewunsch.

Aktuell prüft die PANTHEON-Studie der AIO die Behandlungssequenz OFF gefolgt von IFF vs. IFF gefolgt von OFF nach Erstlinientherapie mit nab-P+Gem. Die Studie ist auf Nichtunterlegenheit ausgerichtet und soll zeigen, welche Sequenz am besten geeignet ist, um die Toxizität in der Second-Line zu managen.
 
Abb. 1: Behandlungsalgorithmus beim metastasierten Pankreaskarzinoms (nach Oettle).
Abb. 1: Behandlungsalgorithmus beim metastasierten Pankreaskarzinoms (nach Oettle).



Tumorregister Pankreaskarzinom: nab-P+Gem wird am häufigsten eingesetzt

Das Tumorregister Pankreaskarzinom, das Dr. Norbert Marschner, Freiburg vorstellte, ist offen, prospektiv, nicht-interventionell und qualitätskontrolliert. Alle Patienten werden zu Beginn ihrer Erkrankung aufgenommen. Dokumentiert werden Patienten- und Tumorcharakteristika, die systemische Behandlung, Radiotherapien und Operationen sowie Outcome-Daten und Patient-reported Outcomes (PROs) über alle Therapiesequenzen. Marschner präsentierte die Daten von bisher 819 auswertbaren Patienten aus 102 Zentren (91 onkologische Schwerpunktpraxen, 11 Kliniken). Alle Patienten hatten eine Erstlinientherapie erhalten, 259 (31,6%) erreichten eine zweite Therapielinie. Das mediane Alter lag bei 70 Jahren (39-94 Jahre). Anders als bei vielen anderen Tumorerkrankungen waren die meisten Patienten schon zum Zeitpunkt der Diagnosestellung in einem reduzierten Allgemeinzustand (ECOG PS 0: 37%; ECOG PS 1: 52%, ECOG PS 2: 11%). Die Mehrzahl hatte mindestens eine Begleiterkrankung (82%), bei 27% war der Charlson-Score ≥ 1.
 
Lebensqualität im Fokus
Nicht-interventionelle Studien (NIS) unter Schirmherrschaft der AIO untersuchen primär die Lebensqualität bei verschiedenen Tumorentitäten. Die NIS QoLiXane ist die weltweit größte Studie beim Pankreaskarzinom zur Erfassung der Lebensqualität. Untersucht wird die Lebensqualität bei Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom, die eine Erstlinientherapie mit nab-P+Gem bekommen (n=600). Primärer Endpunkt ist der Anteil der Patienten, die nach 3 Monaten eine erhaltene Lebensqualität haben. Das Besondere an der Studie ist die Dokumentation des Krankheitsverlaufs unter Therapie, die Erhebung der Lebensqualität und – als ein neuer Aspekt – die Sammlung des Tumormaterials der Patienten zur Unterstützung translationaler Forschungsprojekte, berichtete Prof. Dr. Salah-Eddin Al-Batran, Frankfurt am Main. Es wurden bislang 446 Patienten rekrutiert (Stand 21.11.2016). Bei 252 Patienten (56,5%) konnten bereits Tumorblöcke gesammelt werden. Insgesamt sind 94 Zentren beteiligt (51 niedergelassene Onkologen; 15 universitäre Einrichtungen und 28 Kliniken).


Die meisten Patienten (41%) erhielten als Erstlinientherapie nab-P+Gem. Marschner: „Das zeigt den hohen Stellenwert dieses Schemas in der Erstlinientherapie.“ 24% der Patienten bekamen Gemcitabin und 23% Folfirinox. Patienten, die Folfirinox erhalten hatten, waren mit im Median 59 Jahren deutlich jünger als das Gesamtkollektiv. Sie befanden sich auch in einem besseren Allgemeinzustand als die Patienten, die in der Erstlinie mit nab-P+Gem oder Gem mono behandelt wurden. 47% der Patienten, die Folfirinox firstline erhielten, hatten einen ECOG PS 0 und 81% einen Charlson-Score 0. In der nab-P+Gem-Gruppe lag das mediane Alter bei 71 Jahren, der Anteil der Patienten mit ECOG PS 0 lag bei 38%, 75% hatten einen Charlson-Score 0. Patienten, die Gem mono bekommen haben, waren im Median 77 Jahre alt (ECOG PS 0: 29%, Charlson-Score 0: 63%).

Die Ansprechraten waren in der „real life“-Situation mit nab-P+Gem und mit Folfirinox ähnlich hoch, berichtete Marschner (CR oder PR: 30,2% für nab-P+Gem vs. 28,7% für Folfirinox). Das mediane PFS nach Erstlinientherapie lag im Gesamtkollektiv bei 5,3 Monaten (4,9-5,8), mit nab-P+Gem bei 5,6 (54,9-6,3) vs. 6,6 mit Folfirinox und 4,4 (3,5-5,2) mit Gemcitabin. Marschner: „Obwohl sich in der mit nab-P+Gem behandelten Gruppe mehr ältere Patienten und mehr Patienten in einem eingeschränkten Allgemeinzustand befanden, betrug der Unterschied im PFS zur Folfirinox-Gruppe nur 1 Monat.“ Man dürfe gespannt sein auf die finale multivariate Analyse, die zeigen wird, ob der PFS-Unterschied unabhängig von Alter und Komorbidität ist, sagte Marschner.

Auch das OS war mit 8,8 Monaten (8,0-9,6) für nab-P+Gem und 11,3 (10,0-13,4) für Folfirinox in der „real life“-Situation trotz deutlich höherem Alter und häufigerer Komorbidität nicht zu dem in randomisierten klinischen Studien unterlegen. Die finale Analyse wird auch hier zeigen, ob der OS-Unterschied zwischen Folfirinox und nab-P+Gem unabhängig ist von Alter und Komorbidität.

Lesen Sie hier den Part des Summit zum NSCLC
Literatur:

(1) Bailey P et al. Nature 2016;531, 47-52
(2) Gillen S et al. PLoS Med 2010
(3) Petrelli F et al. Ann Oncol 2015
(4) Suker M et al. Lancet Oncol 2016
(5) Mukherjee S et al. Lancet Oncol 2013
(6) Hammel P et al. JAMA 2016
(7) von Hoff DD et al. N Engl J Med 2013
(8) Ramanathan RK et al. ESMO Abstract 743P
(9) Chiorean G et al. Ann Oncol 2016
(10) Goldstein D et al. ASCO GI 2014, Abstr. 178
(11) Goldstein G et al. ASCO GI 2016, Abstr. 333
(12) Giordano G et al. ASCO 2016, Abstr. 4120
(13) Oettle H et al. J Clin Oncol 2014
(14) Wang-Gillam A et al. Lancet 2016

Nächste Seite

Anzeige:
Revolade
Revolade
 
Das könnte Sie auch interessieren
Internetplattform „Stärker gegen Krebs“: noch informativer, übersichtlicher und komfortabler
Internetplattform+%E2%80%9ESt%C3%A4rker+gegen+Krebs%E2%80%9C%3A+noch+informativer%2C+%C3%BCbersichtlicher+und+komfortabler
© undrey / Fotolia.com

Ziel des im letzten Jahr gestarteten Portals „Stärker gegen Krebs“ ist es, krebskranke Menschen und ihre Angehörigen über ergänzende, qualitativ gesicherte Hilfsmaßnahmen zu informieren – kompakt, übersichtlich und wohnortnah mit konkreten Expertenkontakten. Nach einer technischen und inhaltlichen Optimierung werden Betroffene nun noch komfortabler durch die bisher...

Darmkrebsvorsorge: Künstliche Intelligenz vermag Krebsvorstufen von harmlosen Wucherungen zu unterscheiden
Darmkrebsvorsorge%3A+K%C3%BCnstliche+Intelligenz+vermag+Krebsvorstufen+von+harmlosen+Wucherungen+zu+unterscheiden
© kras99 / fotolia.com

Die Entwicklung von Systemen mit Künstlicher Intelligenz geht rasend schnell voran – auch in der Medizin. 2017 hat in China mit dem kleinen Roboter-Arzt „Xiaoyi“ erstmals ein System mit Künstlicher Intelligenz das ärztliche Examen bestand. Auch die Früherkennung von Darmkrebs könnte in Zukunft durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verbessert werden. In aktuellen Untersuchungen konnten...

Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung
M%C3%A4nner+sind+Vorsorgemuffel+bei+Krebsfr%C3%BCherkennung
© deagreez / Fotolia.com

In Deutschland geht nur gut jeder neunte Mann zur Prostatakrebsvorsorge. 4,65 Millionen und zwar 11,7 Prozent aller anspruchsberechtigten Bürger nahmen im Jahr 2014 die kostenlose Früherkennungsuntersuchung wahr, wie die BARMER GEK zum Weltmännertag am 3. November mitteilt. Damit bleiben Männer Präventionsmuffel. Denn im Jahr 2010 absolvierten 11,41 Prozent den Check. „Eine Krebsvorsorgeuntersuchung kann Leben...

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen
Junge+Menschen+vor+Geb%C3%A4rmutterhalskrebs+und+anderen+Krebsarten+sch%C3%BCtzen
© Jochen Schönfeld / Fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen zur HPV-Impfung erweitert. Während es die offizielle Empfehlung für Mädchen bereits seit dem Jahr 2007 gibt, empfiehlt sie die HPV-Impfung seit diesem Jahr auch für Jungen. Um auf die Wichtigkeit der HPV-Impfung hinzuweisen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationsmaterialien entwickelt, die derzeit an die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Pankreaskarzinom: Einblicke und Ausblicke"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.