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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
23. Februar 2021
Seite 1/2

NSCLC: Real-World-Daten zu Nintedanib + Docetaxel – Konsistent hohe Ansprech- und Krankheitskontrollraten nach Immun-Vortherapie

Die Zulassung neuer Therapien hat das Behandlungsspektrum beim fortgeschrittenen Adenokarzinom der Lunge in den letzten Jahren maßgeblich erweitert. Die Immuntherapie mittels Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) wird heute als Monotherapie oder in Kombination mit Chemotherapie bei Patienten ohne therapierbare Mutation als Standard in der Erstlinie eingesetzt (1). Für den dreifach zielgerichteten Angiokinase-Inhibitor Nintedanib (Vargatef®) in Kombination mit Docetaxel vergrößert sich die Datenbasis nach vorausgegangener Immuncheckpoint-Inhibition aus der klinischen Behandlungsroutine kontinuierlich. Neben der prospektiven nicht-interventionellen Studie (NIS) VARGADO unterstreichen auch unabhängige Analysen den Einsatz von Nintedanib + Docetaxel in der Therapiesequenz nach Immun-Vortherapie.
Derzeit liegen keine Daten aus randomisierten kontrollierten Studien vor, die zur Klärung der Frage der geeigneten Therapiesequenz nach Immun-Vortherapie beitragen könnten. Mittlerweile existieren jedoch zunehmend mehr Daten aus der Versorgungsrealität, die diese Fragestellung adressieren.
 
Für den dreifach zielgerichteten Angiokinase-Inhibitor Nintedanib in Kombination mit Docetaxela liegen Daten aus der klinischen Behandlungsroutine beim fortgeschrittenen Adenokarzinom der Lunge nach Progress unter ICI vor: Neben fortlaufend aktualisierten Datenschnitten aus der prospektiven NIS VARGADO (2)b stützen weitere, unabhängigen Real-World-Analysen die Daten der VARGADO-Studie (3, 4)c,d.

VARGADO: Medianes OS ab Erstlinientherapie 34,5 Monate

Die VARGADO-Studie ist die derzeit einzige NIS, die die Frage zur Wirksamkeit eines Angiokinase-Inhibitors nach vorausgegangener ICI prospektiv adressiert (5)b. Die beim ESMO 2020 präsentierte Interimsanalyse mit erweiterter Datenbasis (n=65) umfasst Patienten, die nach Erstlinienchemotherapie und anschließender ICI eine Therapie mit Nintedanib + Docetaxel erhielten (Kohorte B). Dabei konnten eine hohe Ansprechrate (ORR) von 50% sowie eine Krankheitskontrollrate (DCR) von 83% beobachtet werden (Tab. 1) (2)e.
 
Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) ab Start der antiangiogenen Therapie lag bei 6,5 Monaten (95%-KI: 4,8-7,3). Insgesamt ergab sich ein medianes Gesamtüberleben (OS) ab Beginn der Erstlinienchemotherapie von 34,5 Monaten (95%-KI: 25,5-37,5), davon 12,2 Monate ab Start der Therapie mit Nintedanib + Docetaxel (95%-KI: 11,4-14,1) (2)e.
 
Tab. 1: Übersicht über Real-World-Daten zu Ansprechen und Krankheitskontrolle unter Nintedanib + Docetaxel nach Progress unter ICI (2-4)b-f. * Daten unterschiedlicher Studien, die sich hinsichtlich Methodologie unterscheiden. Die Ergebnisse sind daher nicht direkt miteinander vergleichbar.
Übersicht über Real-World-Daten
 

Konsistenz der Real-World-Daten

Die Ergebnisse der VARGADO-Studie werden durch unabhängige Analysen gestützt. So wurden ebenfalls beim ESMO 2020 Ergebnisse einer retrospektiven Analyse aus den Evang. Kliniken Essen-Mitte mit insgesamt 93 Patienten aus 7 deutschen Zentren veröffentlicht.

Für Patienten nach Erstlinienchemotherapie und anschließender ICI (n=47) konnte eine ORR von 55% und eine DCR von 83% unter Nintedanib + Docetaxel gezeigt werden (Tab. 1) (3)c,f. Die Ergebnisse der unabhängigen Analyse sind somit konsistent zu den Daten der VARGADO-Studie (2). Auch eine Analyse des Krankenhauses Bethanien Moers zeigte konsistente Beobachtungen zum Ansprechen sowie zur Krankheitskontrolle (Tab. 1) (4)d.
 
Die Auswertung einer ersten Kohorte von Patienten (n=7), die nach Erstlinienkombination ICI + Chemotherapie in der Zweitlinie Nintedanib + Docetaxel erhielten, zeigte erste Hinweise auf die Wirksamkeit (ORR und DCR von 43% bzw. 57%) in dieser Therapiefolge (3)g. Auswertungen zu dieser Patientengruppe (Kohorte C) aus der prospektiven NIS VARGADO werden auf einem der kommenden Kongresse erwartet.

Vorteile bei patienten-individueller Anwendung

Der orale Angiokinase-Inhibitor Nintedanib bietet in der praktischen Anwendung viele Vorteile. Die empfohlene Dosis von Nintedanib beträgt 200 mg 2x tägl., die im Abstand von etwa 12 Stunden an den Tagen 2 bis 21 eines 21-tägigen Standardbehandlungszyklus mit Docetaxel eingenommen wird (mit einem Glas Wasser zu einer Mahlzeit). Nintedanib ist in 2 Dosierungen verfügbar, die eine flexible Dosisanpassung bei auftretenden Nebenwirkungen ermöglichen (Abb. 1). Patienten können die Therapie mit Nintedanib nach Beendigung der Docetaxel-Therapie fortsetzen, solange ein klinischer Nutzen beobachtet wird oder bis eine inakzeptable Toxizität auftritt (6)h.
 
Durch die orale Einnahme lässt sich Nintedanib patientenfreundlich in den Alltag integrieren. Im Falle der Fortsetzung der oralen Monotherapie mit Nintedanib können Kontrolltermine patientenindividuell geplant und ggf. zeitintensive Aufenthalte in der Klinik-ambulanz oder onkologischen Praxis reduziert werden.
 
Abb. 1: Dosisanpassung bei Diarrhoe, Übelkeit, Erbrechen und anderen nicht-hämatologischen oder hämatologischen Nebenwirkungen (mod. nach (6)). A Grad 2: 4-6 Stuhlgänge/Tag über Ausgangswert, Einschränkung der instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL), mäßiger Anstieg der Stuhlmenge über Kolostoma, B Grad 3: ≥ 7 Stuhlgänge/Tag über Ausgangswert, Einschränkung der selbstversorgenden ATL, Hospitalisierung angezeigt, schwerwiegender Anstieg der Stuhlmenge über Kolostoma, C Grad 2: Ambulante i.v.-Flüssigkeitszufuhr, ärztliche Intervention, D Grad 3: Unzureichende orale Kalorien- o. Flüssigkeitsaufnahme, Sondenernährung, Totale Parenterale Ernährung (TPE) oder Hospitalisierung angezeigt
Dosisanpassung
 

Proaktives Therapiemanagement bei Diarrhoe

Nintedanib zeichnet sich durch ein gut handhabbares Nebenwirkungsprofil aus (7, 8). In der LUME Lung 1-Zulassungsstudie war das Nebenwirkungsprofil von Nintedanib + Docetaxel hauptsächlich durch den Kombinationspartner Docetaxel geprägt (7). Zu den Nebenwirkungen ≥ Grad 3, die häufiger unter Nintedanib + Docetaxel als unter Placebo + Docetaxel auftraten, gehörten Diarrhoen (6,3% vs. 3,6%) sowie ein reversibler Anstieg von Leberenzymen. In der Regel ließen sich Nebenwirkungen durch unterstützende Therapiemaßnahmen bzw. Dosisanpassung gut beherrschen (7).
 
Diarrhoen sollten bei den ersten Anzeichen mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Antidiarrhoika, z.B. Loperamid, behandelt werden und können eine Unterbrechung, Dosisreduktion oder ein Absetzen der Therapie mit Nintedanib erfordern (gemäß Fachinformation Vargatef®) (6).
 
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