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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. Juni 2020

Nivolumab: NIS HANNA bestätigt Erstlinien-Einsatz nach Platin auch im klinischen Alltag

Rezidiviertes oder metastasiertes SCCHN
Die immunonkologische Therapie mit dem PD-1 (Programmed Cell Death-1)-Inhibitor Nivolumab (Opdivo®) ergab in der Studie CheckMate 141 auch nach 2 Jahren einen Überlebensvorteil gegenüber einer Vergleichstherapie bei Patienten mit rezidivierten oder metastasierten plattenepithelialen Kopf-Hals-Tumoren (R/M SCCHN) (1). Dieser langanhaltende Vorteil von Nivolumab konnte unabhängig vom PD-L1 (Programmed Cell Death Ligand-1)-Status (2) und auch in der Erstlinie direkt nach Versagen einer platinbasierten Radiochemotherapie (RCT) gezeigt werden (3). Real-World-Daten der nicht-interventionellen Studie (NIS) HANNA, die am ASCO (American Society of Clinical Oncology) 2020 Virtual Meeting präsentiert wurden, bestätigen die Ergebnisse zur Erstlinienbehandlung und ergänzen die Daten für Platin-sensitive SCCHN-Patienten (4).
Nivolumab war 2015 der erste in der Europäischen Union zugelassene Anti-PD-1-Antikörper und ist mittlerweile in 6 verschiedenen Tumorentitäten zugelassen (5). Zur Behandlung des R/M SCCHN bei Erwachsenen mit einer Progression während oder nach platinbasierter Therapie steht Nivolumab als erste immunonkologische Therapieoption seit April 2017 zur Verfügung (5). Entitätsübergreifend wurde dieser Checkpoint-Inhibitor in Deutschland bereits zur Behandlung von mehr als 50.000 Patienten eingesetzt (6). Mit Nivolumab kann nicht nur auf die längste, sondern auch auf eine umfangreiche klinische Erfahrung im Bereich der PD-1-Inhibitoren nach Zulassung in Deutschland zurückgegriffen werden.
Anhaltender Überlebensvorteil
In der Zulassungsstudie CheckMate 141 zeigte sich mit Nivolumab erstmals ein signifikant längeres medianes Gesamtüberleben (mOS) der R/M SCCHN-Patienten gegenüber einer Monotherapie nach Wahl des Prüfarztes (Methotrexat, Docetaxel oder Cetuximab; Investigator’s Choice: IC) (7). Der PD-1-Inhibitor ermöglichte einem Teil der SCCHN-Patienten ein Langzeitüberleben von über 2 Jahren. Die Überlebensrate betrug nach 2 Jahren 17,0% (95%-KI: 12,4-22,0) unter Nivolumab vs. 6,0% (95%-KI: 2,7-11,3) unter IC, was beinahe einer Verdreifachung entspricht (1). Mit einem um 32% verringerten Sterberisiko nach 2 Jahren (HR=0,68; 95%-KI: 0,54-0,86) konnten die Patienten deutlich von Nivolumab profitieren (1).
OS-Vorteil unabhängig vom PD-L1-Status
Die Patienten konnten unabhängig vom PD-L1-Status von der Nivolumab-Therapie profitieren. Das mOS betrug bei Patienten mit PD-L1-TC ≥ 1% 8,2 Monate unter Nivolumab vs. 4,7 Monate unter IC (HR=0,55; 95%-KI: 0,39-0,78). Doch auch bei Patienten mit PD-L1-TC < 1% verlängerte Nivolumab das mOS gegenüber IC (6,5 vs. 5,5 Monate (HR=0,73; 95%-KI: 0,49-1,09)) (1). Das 2-Jahres-OS war bei Patienten mit positiver (≥ 1%) und negativer (< 1%) PD-L1-Expression unter Nivolumab vergleichbar (18,5% und 20,7%) (1). Da die Zulassung für Nivolumab einen PD-L1-unabhängigen Einsatz zulässt, kann die Therapieentscheidung unabhängig vom PD-L1-Status getroffen werden. Eine PD-L1-Testung ist vor Therapiebeginn nicht erforderlich.
Erstlinien-Therapie nach platinbasierter RCT
Eine weitere Subgruppenanalyse der CheckMate 141 zeigte, dass Patienten, die im lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium Nivolumab direkt nach Versagen einer platinbasierten RCT erhielten, bereits sehr früh von der Immuncheckpoint-Blockade profitieren konnten (3, 6). In dieser Patientengruppe verringerte Nivolumab das Sterberisiko um 46% gegenüber IC (HR=0,54; 95%-KI: 0,33-0,89). Das mOS verdoppelte sich von 3,3 Monaten (95%-KI: 2,1-6,4) unter IC auf 7,7 Monate (95%-KI: 3,1-13,8) unter Nivolumab. Die 2-Jahres-OS-Rate lag in dieser Subgruppe bei 21,6% vs. 3,8% (3, 6).
NIS HANNA – Bestätigung der Wirksamkeit im klinischen Alltag
Eine Interimsanalyse der prospektiven, multizentrischen, einarmigen NIS HANNA, die am ASCO 2020 präsentiert wurde, zeigt, dass die Erfahrungen mit Nivolumab auch im klinischen Alltag bei unselektierten Patienten (n=351) mit R/M SCCHN gemäß der Zulassung bestätigt wurden (4). In dieser in Deutschland in verschiedenen Zentren durchgeführten NIS erhielt ein Drittel der Patienten Nivolumab bereits als Erstlinientherapie nach einer platinbasierten RCT. Des Weiteren wurden auch Patienten mit Hirnmetastasen oder einem schlechteren Allgemeinzustand (ECOG-Performance-Status (PS) ≥ 2) sowie Platin-sensitive Patienten, die nicht Teil der Studienpopulation der Zulassungsstudie CheckMate 141 waren, eingeschlossen. Die Patienten waren in der NIS HANNA im Schnitt auch älter (63 vs. 59 Jahre), verglichen mit der CheckMate 141 (4).

Die Subgruppenanalyse der Erstlinienpatienten nach einer platinbasierten RCT ergab eine 12-Monats-OS-Rate von 47% unter Nivolumab. Nach 18 Monaten lag das OS noch bei 36%. Das mOS betrug 10,4 Monate (95%-KI: 7,9-NE) (4) (Abb. 1). Diese Ergebnisse bestätigen die Daten der Studie CheckMate 141 (3). Der Einsatz von Nivolumab in der Erstlinie nach platinbasierter RCT wurde somit im klinischen Alltag bekräftigt und bestätigt die Erfahrungen, die in den letzten Jahren erlangt werden konnten (4).
 
Abb. 1: NIS HANNA: OS unter Nivolumab in der Erstlinientherapie nach einer platinbasierten RCT (mod. nach (3, 4)). 1 Mit Progress während oder nach platinbasierter adjuvanter oder primärer Therapie (z.B. RCT), 2 Interimsanalyse (März 2020), 3 Die Studien sind nicht vergleichbar, Daten aus der CheckMate 141 wurden nur zur Veranschaulichung eingefügt
KI=Konfidenzintervall, NE=nicht erreicht, OS=Gesamtüberleben, RCT=Radiochemotherapie
Abb. 1: NIS HANNA: OS unter Nivolumab in der Erstlinientherapie nach einer platinbasierten RCT.


In der Subgruppe der Platin-refraktären Patienten (n=197; 56,1%) betrug das 12-Monats-OS 37% und das mOS 8,8 Monate (95%-KI: 6,3-10,6). Diese Subgruppe entspricht der Patientenpopulation der CheckMate 141-Studie, in der ähnliche Ergebnisse erzielt wurden (12-Monats-OS: 34%; mOS: 7,7 Monate (95%-KI: 5,7-8,8)) (4, 7). Bei Platin-sensitiven Patienten (n=150; 42,7%), die nicht in die CheckMate 141 eingeschlossen waren, betrug das 12-Monats-OS 50% und das mOS 12,2 Monate (95%-KI: 8,8-15,6) (4). Diese Daten aus der NIS HANNA ergänzen somit die Daten aus der Zulassungsstudie. Patienten mit einem späten Progress nach einer platinbasierten Therapie können von dem Einsatz von Nivolumab noch besser profitieren.

In einer weiteren Subgruppenanalyse wurde das OS in Abhängigkeit vom ECOG-PS und Alter der Patienten untersucht. Hier zeigt sich, dass auch Patienten mit ECOG-PS ≥ 2 oder in höherem Alter von der Therapie profitieren können. Diese beschriebenen Patientengruppen sind im Behandlungsalltag stark vertreten, in Zulassungsstudien aber unterrepräsentiert oder gänzlich ausgeschlossen. Daher schließen die Ergebnisse der NIS HANNA bedeutende Erkenntnislücken.

Die Therapie mit Nivolumab war gut verträglich und konsistent mit dem Sicherheitsprofil der Zulassungsstudie. Entsprechend wurden in der NIS HANNA bei 29% der Patienten Nebenwirkungen (AEs) dokumentiert. Unerwünschte Ereignisse der Grade 3/4 traten bei 10,2 % der Patienten auf. Grad 5 behandlungsbedingte AEs traten bei 3 Patienten auf.
 
Abb. 2: OS unter Nivolumab bei Platin-refraktären und Platin-sensitiven R/M SCCHN-Patienten in der NIS HANNA (mod. nach (3, 4, 6)). 1 Interimsanalyse (März 2020), 2 Platin-refraktäre Patienten, 3 Die Studien sind nicht vergleichbar, Daten aus der CheckMate 141 wurden nur zur Veranschaulichung eingefügt
KI=Konfidenzintervall, OS=Gesamtüberleben, Platin-sensitiv=Patienten mit einem Progress > 6 Monate nach platinbasierter Therapie, Platin-refraktär=Patienten mit einem Progress während oder ≤ 6 Monate nach platinbasierter Therapie
Abb. 2: OS unter Nivolumab bei Platin-refraktären und Platin-sensitiven R/M SCCHN-Patienten in der NIS HANNA.
 
Fazit
Beim R/M SCCHN wird der Einsatz des PD-1-Inhibitors mit der längsten klinischen Erfahrung nach Zulassung in Deutschland durch die Real-World-Daten der NIS HANNA unterstützt. Trotz eines unselektionierten Patientenkollektivs konnten die positiven Ergebnisse mit Nivolumab aus der Zulassungsstudie bestätigt werden. Dies spricht für den Einsatz von Nivolumab bereits in der Erstlinientherapie nach einer platinbasierten RCT – unabhängig vom Zeitpunkt des Progresses und unabhängig vom PD-L1-Status.



Mit freundlicher Unterstützung der Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

Andrea Warpakowski

Literatur:

(1) Ferris RL et al. Oral Oncology 2018;81:45-51.
(2) Ferris RL et al. ASTRO Head & Neck Symposium 2018; Poster LBA 10.
(3) Gillison ML et al. Oncologist 2018;23(9):1079-82.
(4) Dietz A et al. J Clin Oncol 38: 2020 (suppl; abstr 6532).
(5) Fachinformation Opdivo®. Aktueller Stand.
(6) Bristol-Myers Squibb. Data on file, wird auf Anfrage gerne zur Verfügung gestellt.
(7) Ferris RL et al. N Engl J Med 2016;375(19):1856-67.


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