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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
30. Oktober 2008

Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom: Neue Daten zu zielgerichteter Therapie mit Erlotinib und Bevacizumab

33. Jahrestagung der European - Society for Medical Oncology (ESMO) Stockholm, 10.-15.9.2008
Die beim ESMO 2008 präsentierten Daten der TRUST-Studie zeigen, dass Patienten mit den unterschiedlichsten klinischen Parametern, die am nichtkleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) erkrankt sind, nach Versagen einer Chemotherapie von der Erlotinib-Therapie profitieren. Vorgestellt wurde auf dem ESMO auch die finale Analyse der AVAiL-Studie, die das verlängerte progressionsfreie Überleben einer Kombinationstherapie mit Bevacizumab im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen NSCLC bestätigt.
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Die Studie TRUST untersuchte bisher weltweit an über 7000 Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, bei denen eine Chemotherapie versagt hat oder bei denen Kontraindikationen bestanden, die Wirksamkeit und Sicherheit des EGFR-Inhibitors Erlotinib, für den in der Zulassungsstudie BR.21 bereits eine hohe Wirksamkeit und sehr gute Verträglichkeit nachgewiesen werden konnte. Inzwischen wurden die Daten von 5567 Patienten in der TRUST-Studie ausgewertet. Mit einer Krankheitskontrollrate von 69% war das Ansprechen sogar noch besser als in der Zulassungsstudie BR.21, in der 45% der mit Chemotherapie vorbehandelten Patienten eine Remission oder Krankheitsstabilisierung erreichten. Das progressionsfreie Überleben lag in der TRUST-Studie bei 14,3 Wochen vs. 9,7 Wochen in der BR.21-Studie, für Patienten mit einem guten Performancestatus (ECOG 0-1) bei 15,9 Wochen.

In 4% traten schwere, meist gastrointestinale Nebenwirkungen auf, 71% der Patienten hatten einen akneähnlichen Hautausschläge (rash), bei 16% war eine Dosisreduktion von Erlotinib, meist auf 100 mg/Tag erforderlich. Patienten mit Hautausschlag hatten ein signifikantes längeres progressionsfreies Überleben als Patienten ohne Hautausschlag (18,1 vs. 8,1 Wochen), allerdings sei der Hautausschlag für die Theapiesteuerung nur bedingt geeignet, bemerkte Dr. Martin Reck, Großhansdorf.

Eine Interimsanalyse von 477 älteren Patienten (> 70 Jahre) bestätigte auch für dieses Patientenkollektiv mit ungünstiger Prognose eine hohe Wirksamkeit von Erlotinib: 77% hatten eine Remission (12%) oder Krankheitsstabilisierung (65%), das progressionsfreie Überleben betrug 19,7 Wochen. Auch die älteren Patienten vertrugen den EGFR-Inhibitor sehr gut, die Therapieabbruchrate lag bei 4%, schwere therapiebedingte Nebenwirkungen, bei denen es sich in erster Linie um gastrointestinale Nebenwirkungen handelte, wurden bei 3% der Patienten beobachtet (Abstr. 268P, ESMO 2008). Das mediane progressionsfreie Überleben betrug in allen Subgruppen mindestens 10 Wochen, sagte Prof. Christian Grohé. Dies bestätigt ebenfalls die Zulassungsstudie BR.21, die einen Vorteil für alle Subgruppen zeigen konnte, unabhängig von Tumorhistologie, Geschlecht und Raucherstatus. Die Zulassung von Erlotinib wird sich deshalb nicht auf eine Subpopulation beschränken, so Grohé.

Finale Analyse der AVAiL-Studie
Chemotherapeutisch nicht vorbehandelte NSCLC-Patienten (n=1043) wurden in die AVAiL (AVAstin in Lung)-Studie eingeschlossen – eine 3-armige Phase-III-Studie, deren finale Analyse beim ESMO-Kongress im Presidential Symposium vorgestellt wurde. In dieser Studie führte Bevacizumab (7,5 mg/kg KG und 15 mg/kg KG; q3w) in Kombination mit Cisplatin/Gemcitabin über 6 Zyklen, gefolgt von Bevacizumab-Monotherapie bereits in der Interimsanalyse zu einer signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie und zu einer Verbesserung der Ansprechrate. Unter beiden Bevacizumab-Dosierungen verlängerte sich die Ansprechdauer auf 6,1 Monate im Vergleich zu 4,1 Monaten unter Placebo. Die finale Analyse nach einem Follow-up von 12,5 Monaten bestätigt das signifikant verlängerte progressionsfreie Überleben (medianes PFS: 6,8 bzw. 6,6 vs. 6,2 Monate). Somit reduzierte Bevacizumab das Progressionsrisiko in der 7,5 mg Dosierung um 25% (p=0,003;HR 0,75) und in der 15 mg-Dosierung um 15% (p=0,046; HR= 0,85). Der sekundäre Endpunkt, das Gesamtüberleben, war jedoch auch nach der finalen Analyse in den Bevacizumab-Armen nicht signifikant verlängert. Als Grund diskutierten die Referenten, dass die Patienten sehr häufig Zweit- und Drittlinientherapien erhalten hatten, was den Effekt von Bevacizumab in der Erstline hätte beeinflussen können. Mit einer medianen Überlebensdauer von 13,1 Monaten unter alleiniger Chemotherapie und 13,6 bzw. 13,4 Monaten unter den beiden Bevacizumab-Dosierungen waren es die höchsten Überlebenszeiten, die in einer Studie für dieses Patientenkollektiv jemals erzielt wurden, bestätigte Reck. Patienten, die nach der Erstlinienbehandlung mit Bevacizumab keine Folgetherapie erhalten hatten, zeigten ein tendenziell verbessertes Gesamtüberleben im Vergleich zu Plazebo (9,1 vs. 7,6 Monate; p=0,11).

Auch in der finalen Analyse von AVAiL wurden keine unerwarteten Nebenwirkungen beobachtet. Schwere unerwünschte Ereignisse und Therapieabbrüche waren unter der 7,5 mg Dosierung nicht häufiger als unter Plazebo aufgetreten. Schwere Blutungen traten unter beiden Bevacizumab-Dosierungen etwas häufiger auf (4% vs. 2% im Plazeboarm), jedoch war die Rate an zerebralen Blutungen mit 1% vergleichbar mit dem Plazeboarm. Im Bezug auf thromboembolische Ereignisse oder Magen-/Darmperforationen wurde kein Unterschied beobachtet.

as

Quelle: Presidential Symposium und Pressegespräch „Lungenkrebs: Neue Daten zu den zielgerichteten Therapien mit Avastin® und Tarceva®“ zum 33. ESMO-Kongress, Stockholm, Schweden, September 2008


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