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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
29. Dezember 2012

Myelosdysplastisches Syndrom - Deferasirox verbessert die Hämatopoese

DGHO 2012 - Myelosdysplastisches Syndrom

Eine post-hoc-Analyse der EPIC-Studie konnte belegen, dass eine Eisenchelation mit Deferasirox eine Verbesserung der Hämatopoese und einen reduzierten Transfusionsbedarf von Patienten mit Myelosdysplastischem Syndrom (MDS) innerhalb weniger Monate bedingen kann (1). Der positive Einfluss auf die Blutbildung war besonders ausgeprägt, wenn Deferasirox zu einer deutlichen Serumferritin-Reduktion führte.

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Ein erythroides Ansprechen unter Deferasirox-Therapie erzielten 21,5% (53/247) der MDS-Patienten. Dieses war definiert als Anstieg des Hb-Wertes um mindestens 1,5 g/dl über mind. 8 Wochen oder als eine Reduktion des Transfusionsbedarfs im Vergleich zum Studienbeginn um mind. 4 Erythrozytenkonzentrat (EK)-Einheiten pro 8-Wochenintervall. Bei 8,9% der Patienten verbesserte sich der Hb-Wert und bei 11,3% sank der Transfusionsbedarf. Die mediane Dauer bis zum Ansprechen betrug in dieser Patientengruppe 109 Tage. Bei 13% der Patienten kam es zu einer Erhöhung der Thrombozyten und 22% hatten ein neutrophiles Ansprechen. Das thrombozytäre Ansprechen wurde im Median nach 169 Tagen erreicht und das neutrophile nach 226 Tagen.

Die Serumferritin-Reduktion war bei MDS-Patienten mit hämatologischem Ansprechen deutlich größer als bei den übrigen Patienten: Bei einem erythroiden Ansprechen konnte im Median eine Reduktion um 560 ng/ml erreicht werden im Vergleich zu 222 ng/ml bei Nicht-Ansprechern. Auch bei Patienten mit einem thrombozytären oder neutrophilen Ansprechen, war die Serumferritin-Reduktion im Vergleich zum Ausgangswert deutlich stärker ausgeprägt als bei den übrigen Patienten.

Bei transfusionsabhängigen MDS-Patienten korreliert das Gesamtüberleben  (OS) signifikant mit dem Serumferritin. Eine prospektive Analyse des ELN-MDS-Registers (2) zeigt, dass Patienten mit Serumferritin-Spiegeln unter 1.000 ng/ml signifikant länger leben als Patienten mit Spiegeln von 1.000 ng/ml und darüber. Die günstigste Prognose hatten Patienten mit Serumferritin-Spiegeln unter 300 ng/ml. Prof. Norbert Gattermann, Düsseldorf, führt dies u.a. auf den signifikant verminderten oxidativen Stress durch die Reduktion der Eisenüberladung zurück.

Wie Prof. Christian Junghanß, Rostock, berichtete, hat eine Eisenüberladung auch bei der allogenen Stammzelltransplantation (HSCT) eine prognostische Bedeutung. So korreliert eine zum Zeitpunkt der HSCT bestehende Transfusionspflicht mit einem schlechteren OS. Wie eine retrospektive Analyse zeigte, sind auch Ferritinwerte über 1.000 ng/ml mit einem schlechteren OS und einer höheren Mortalität, die unabhängig vom Rezidiv war, assoziiert (3). Deferasirox kann auch nach HSCT zur Eisenreduktion eingesetzt werden.

Die Effektivität der Eisenchelation mit Deferasirox ist abhängig von Dosis und Compliance. Für polytransfundierte Patienten mit einem Serumferritin-Wert oberhalb von 1.000 ng/ml und/oder nach Transfusion von 20 EK-Einheiten werden 20 mg Deferasirox/kg KG/d als Intitialdosis empfohlen. Ist der Serumferritin-Wert oberhalb von 2.500 ng/ml und ohne rückläufigen Trend, dann wird vorübergehend eine höhere Dosierung von 40 mg/kg KG/d empfohlen. Dosisanpassungen sind je nach Transfusionsrate und Therapieziel vorzunehmen, der Serumferritin-Spiegel sollte monatlich bestimmt werden.

Wie Prof. Mathias Schmid, Zürich, berichtete, sind die häufigsten Nebenwirkungen unter Deferasirox Diarrhoe, Schmerzen im Oberbauch und Exanthem mit Juckreiz. Diese Nebenwirkungen sind aber durch geignete Maßnahmen durchaus zu handhaben, wodurch Dosisreduktionen und Therapieabbrüche nur in den seltensten Fällen notwendig werden.

Literaturhinweise:
(1) Gattermann N, et al. Haematologica 2012; 97(9):1364-1371.
(2) de Swart L, et al. Blood 2011; 118: Abstr.#2775.
(3) Alessandrino EP, et al. 2010, Haematologica. 2010, 95:476-484.

Pressekonferenz „Kontroverse klinische Kasuistiken - Therapiemanagement bei Eisenüberladung“, 19.10.2012; Veranstalter: Novartis


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