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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
17. Dezember 2010

Myelodysplastische Syndrome: Einfluss der Eisenchelationstherapie auf das Überleben

Etwa zwei Drittel der Patienten mit Myelodysplastischen Syndromen (MDS) erhalten Bluttransfusionen. Es hat sich gezeigt, dass MDS-Patienten, die auf Bluttransfusionen angewiesen sind, eine kürzere Überlebensrate haben als nicht-transfusionspflichtige Patienten. Ein Grund dafür ist, dass bereits 20 Transfusionseinheiten zu einer Eisenüberladung führen können, so Prof. Wolf-K. Hofmann, Mannheim. Standardtherapie ist hier die Gabe eines Eisenchelators, der freies Eisen bindet und aus dem Körper entfernt, möglichst bevor es zu Organschäden kommt. Deferasirox (Exjade®) wurde 2006 als erster oral einzunehmender Eisenchelator mit einer 24-stündigen, kontinuierlichen Wirkung in der EU zugelassen.
Die Inzidenz von MDS in Deutschland beträgt ca. 4/100.000 pro Jahr. Mit einer jährlichen Neuerkrankungsrate von etwa 30/100.000 bei über 70-Jährigen ist MDS die häufigste hämatologische Erkrankung bei älteren Menschen.

Zur Abschätzung der Prognose ist die IPSS-Klassifikation (International Prognostic Scoring System) etabliert, die Risiko-Parameter wie Blastenanteil im Knochenmark, Zahl der betroffenen Zellreihen sowie zytogenetischen Anomalien (Karyotyp) mit einschließt und eine Einteilung in vier Risikogruppen ermöglicht. Patienten der Risikogruppen low und intermediate-1 weisen mediane Überlebenszeiten von 5,7 bzw. 3,5 Jahren auf. Patienten mit den Einstufungen intermediate-2 und high zeigen hingegen deutlich kürzere Überlebenszeiten von 1,2 beziehungsweise 0,4 Jahren [1]. Vor allem Patienten mit MDS der Risikogruppen low oder intermediate-1 haben ein höheres Risiko für eine Eisenüberladung, weil sie über einen längeren Zeitraum Bluttransfusionen bekommen. „Dies sind die Patienten, die am meisten von einer Eisenchelat-Therapie profitieren“, so Prof. Hofmann [2].

Ein Serumferritin-Wert von >1.000 ng/ml ist bei MDS-Patienten mit einer signifikant verkürzten Gesamtüberlebenszeit vergesellschaftet [3] und wirkt sich negativ auf die Prognose einer allogenen Stammzelltransplantation aus (Abb. 1). Darüber hinaus haben klinische Studien gezeigt, dass die Überlebensdauer nicht nur vom Schweregrad der Erkrankung, sondern auch von der Eisenchelat-Therapie abhängt. In einer französischen Studie mit 97 MDS-Patienten der IPSS-Risikogruppe low oder intermediate-1, die regelmäßig Bluttransfusionen erhielten und mit oder ohne Eisenchelat-Therapie (Deferoxamin, Deferipron oder Deferasirox) behandelt wurden, gab es für die chelierten Patienten im Vergleich zu nicht-chelierten Patienten einen signifikanten Überlebensvorteil von 71 Monaten (p<0,0003) [4]. Dies verdeutlicht die Relevanz einer frühzeitigen und effektiven Therapie der Eisenüberladung.

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Der mit einer Eisenchelat-Therapie assoziierte Gesamtüberlebensvorteil wurde durch die Ergebnisse einer retrospektiven Matched-Pair-Analyse des Düsseldorfer MDS-Registers bestätigt [4]. 93 MDS-Patienten mit langfristiger Eisenchelat-Therapie wurden 93 MDS-Patienten zugeordnet, die ausschließlich eine Supportivtherapie mit Bluttransfusionen erhielten. Die Stratifizierung erfolgte auf Basis von Alter bei Erstdiagnose, Geschlecht, MDS-Typ (nach WHO) und Zugehörigkeit zu einer IPSS-Risikogruppe. Bei allen 186 Patienten lag eine Eisenüberladung vor. Da die Patienten gemäß der Empfehlungen für eine Eisenchelat-Therapie rekrutiert wurden, zählten die meisten Patienten zu den günstigeren IPSS-Risikogruppen (IPSS-low: 37%; IPSS-intermediate-1: 46%). In der Eisenchelat-Therapie-Gruppe erhiel-ten im Krankheitsverlauf 53 Patienten Deferoxamin, 47 Deferasirox, 14 Deferasirox nach Vorbehandlung mit Deferoxamin und 3 Patienten erhielten Deferipron gefolgt von Deferoxamin. Die mediane Überlebenszeit in der Eisenchelat-Therapie-Gruppe betrug 75 Monate vs. 49 Monate in der Supportivtherapie-Gruppe (p=0,002). Die Ergebnisse zeigen, dass eine Eisenchelat-Therapie das Gesamtüberleben polytransfundierter MDS-Patienten signifikant verlängern kann.
ab

1. Greenberg P et al. Blood 1997, 89: 2079-2088.
2. Gattermann N et al. Leuk Res 2010, 34(9): 1143-1150.
3. Sanz G et al. Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2008, 112(11): Abstract #640.
4. Rose C et al. Leuk Res 2010, 34(7):864-870.
5. Fox F et al. ASH Annual Meeting 2009: Poster #1747

Novartis Oncology Satelliten-Symposium (DÖSGHO 2010): „Neue Horizonte in der Therapie hämatologischer Erkrankungen“ Vortrag: „Hat die Eisenchelationstherapie bei den MDS Patienten einen Einfluss auf das Überleben?“, 03. Oktober 2010, Berlin

Quelle:


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