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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
09. Juli 2006

mRCC: Progressionsfreie Überlebenszeit wird verdoppelt

Neue Substanz für fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom
Nach langer Zeit der Stagnation kommt wieder Bewegung in die Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms. Dank des zielgerichteten Multi-Tyrosinkinase-Inhibitors Sorafenib lässt sich die Dauer der progressionsfreien Überlebenszeit verdoppeln. Darüber hinaus wird im Vergleich zu Plazebo die Gesamtüberlebenszeit um 39% verlängert. Es kann also zu Recht ein Durchbruch konstatiert werden.
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Auf das Nierenzellkarzinom entfallen zwar nur 2-3% aller Tumorentitäten, doch gibt es Indizien dafür, dass Neuerkrankungen mit dem Alter permanent zunehmen. Am häufigsten ist der Tumor in Skandinavien und Nordamerika. Die Ätiologie ist noch nicht definitiv entschlüsselt. Belegt ist aber, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen Mutationen im Von-Hippel-Lindau-Gen (VHL-Gen) aufweist. „Das VHL-Syndrom ist eine autosomal-dominante Erbkrankheit, die durch eine Keimbahnmutation des Chromosoms 3p gekennzeichnet ist“, erläuterte Professor Axel-Rainer Hanauske, Hamburg. Assoziiert ist das Syndrom beispielsweise mit polyzystischen Läsionen des Pankreas und der Nieren.
Neben dem VHL-Syndrom als führendem Risikofaktor nannte Hanauske das Rauchen, welches das relative Risiko 2,7-fach steigert. Auch Adipositas, Diuretika-Medikation und täglicher Kaffeekonsum können dem Nierenzellkarzinom Vorschub leisten. In Frage kommen zudem berufsbedingte Kontakte mit Lederchemikalien, Cadmium, Asbest und petrochemischen Nebenprodukten. Eine mehrjährige Hämodialyse lässt das Risiko auf 6% ansteigen.

Am meisten Hoffnung bringen Multi-Target-Medikamente
Das metastasierte Nierenzellkarzinom ist nach wie vor unheilbar. Die Patienten haben eine mittlere Überlebenszeit von lediglich zehn Monaten, bedauerte Dr. Martin Gore, London. In aller Regel versagen Chemo- und Hormontherapie. In rund 5% der Fälle ist indessen eine dauerhafte und komplette Remission zu erzielen, wenn man die Patienten einer hochdosierten, aber recht toxischen Interleukin-2-Therapie unterzieht. Mit Interferon a lässt sich bei einem kleinen Teil der Patienten das Gesamtüberleben etwas verlängern. Vor diesem tristen Hintergrund spielt sich seit langem die Suche nach innovativen therapeutischen Optionen ab.
Am meisten verspricht man sich von zielgerichteten Medikamenten wie den Multi-Tyrosinkinase-Inhibitoren Sorafenib und Sunitinib sowie dem monoklonalen Anti-VEGF-Antikörper Bevacizumab, sagte Gore. In der bislang größten Studie an Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom wurde das oral applizierbare Sorafenib (Nexavar®) gegen Plazebo getestet. Teilnehmer der randomisierten, multizentrischen und doppelblinden Phase-III-Studie waren 903 Patienten, die entweder täglich zweimal 400 mg Sorafenib oder Plazebo bekamen, und zwar jeweils unter der Best Supportive Care (BSC), berichtete Dr. Bernhard Escudier, Villejuif, Frankreich.
„Nach einer vorläufigen Analyse des progressionsfreien Überlebens wurde das Protokoll geändert, um Patienten den Wechsel von Plazebo auf Sorafenib zu ermöglichen“, machte Escudier deutlich. Als die Daten im Mai 2005 ein zweites Mal ausgewertet wurden, zeigte sich die signifikante Überlegenheit des Multi-Tyrosinkinase-Inhibitors. Während unter Plazebo die progressionsfreie Überlebenszeit nur 2,8 Monate erreichte, wurde sie unter Verum auf 5,5 Monate angehoben, also praktisch verdoppelt. Und das entspricht einer signifikanten Risikoreduktion um 49%. Dieser handfeste Vorteil fand sich auch in allen Subgruppen.

Gesamtüberleben wurde deutlich verlängert
Zudem wurde die Krankheit nach dem Urteil der Prüfer bei 84% der mit Sorafenib Behandelten stabilisiert. In der Plazebogruppe traf das nur auf 55% der Patienten zu. Überdies wurde unter Verum im Vergleich zu Plazebo das Gesamtüberleben um 39% verlängert. Und das ist „besonders wichtig“, betonte Escudier, der das Wirkprinzip von Sorafenib auf eine einfache Formel brachte: „Es lässt den Tumor schrumpfen und reduziert seine Vaskularisation.“
Unter den Nebenwirkungen dominierten Diarrhoe, Hand-Fuß-Hautreaktionen und Hypertonie, die sich aber gut beherrschen ließen. Der Gesamtsymptom-Index, bestimmt anhand des Functional Assessment of Cancer Therapy Kidney Cancer Symptom Index (FKSI-10-Score), bildete sich nicht zurück. Daraus ist zu schließen, dass Sorafenib die Lebensqualität nicht beeinträchtigte. Zudem wurden unter Verum die respiratorischen Symptome und ebenso die Lebensfreude günstig beeinflusst.

Symposium „Multi-targeted Drugs vs. Multi-drug Targeting” anlässlich des 37. Deutschen Krebskongresses, Berlin, 24. März 2006; Veranstalter: Bayer HealthCare AG, Leverkusen

kbf

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