Donnerstag, 6. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
CAR T Prelaunch
CAR T Prelaunch
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
29. Dezember 2012

Metastasiertes Mammakarzinom: Mit Nanotechnologie auf Erfolgskurs

Die Nanotechnologie hat in vielen Bereichen der Medizin bereits Einzug gehalten. Für die Therapie des metastasierten Mammakarzinoms gibt es 3 zugelassene Substanzen, die dank Nanotechnologie zielgerichteter an den Tumor gelangen, berichtete Prof. Nadia Harbeck, München. Dabei handelt es sich um Abraxane®, Caelyx® und Myocet®, die dadurch wirksamer und besser verträglich sind als im „nicht verpackten“ Zustand.

Anzeige:
Revolade
Revolade
 

Bei Myocet® und Caelyx® handelt es sich um liposomale Formulierungen von Doxorubicin, die sich vor allem durch eine bessere kardiale Verträglichkeit auszeichnen. Laut Harbeck können die Substanzen auch eingesetzt werden, wenn die Patienten bereits mit Doxorubicin vorbehandelt sind.

Abraxane® (nab-Paclitaxel) ist an Albumin gebundenes Paclitaxel, das in Nanopartikeln vorliegt. nab-Paclitaxel bindet zunächst an den gp60-Rezeptor auf Endothelzellen. Über Transzytose wird der Albumin-Paclitaxel-Komplex dann in das Tumorinterstitium transportiert, wo die Partikel an das Bindungsprotein SPARC binden, das von vielen Tumoren überexprimiert wird. Somit gelangt mehr Substanz an den Tumor, erklärte Harbeck. Es würde auch Hinweise darauf geben, dass eine hohe SPARC-Expression mit einer erhöhten Aggressivität des Mammakarzinoms einhergeht.

Im Vergleich zu herkömmlichem Paclitaxel zeigte sich in der Phase-III-Studie von Gradishar et al. (2005) mit nab-Paclitaxel eine fast doppelt so hohe Ansprechrate (33 vs. 19%; p=0,001), ein längeres progressionsfreies Überleben (TTP 23 vs. 16,9 Wochen; p=0,006) sowie ein längeres Gesamtüberleben (65 vs. 55,7 Wochen) bei überwiegend stark vorbehandelten Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom, die Paclitaxel oder nab-Paclitaxel als 1., 2. oder 3. Therapielinie erhalten hatten. Das Toxizitätsprofil war vergleichbar, es waren allerdings etwas häufiger Neuropathien unter nab-Paclitaxel aufgetreten, die jedoch kürzer andauerten als mit konventionellem Paclitaxel (median 22 vs. 79 Tage).

Als Vorteile von nab-Paclitaxel im klinischen Alltag nannte Harbeck, dass eine Prämedikation nicht notwendig sei, die Infusionszeiten kürzer seien als mit konventionellem Paclitaxel, und dass keine speziellen i.v.-Leitungen (PVC-frei) benötigt würden.

In der Phase-III-Studie CALGB 40502, die auf Überlegenheit gepowert war, unterschieden sich progressionsfreies und Gesamtüberleben nicht signifikant unter nab-Paclitaxel und konventionellem Paclitaxel, das jeweils mit Bevacizumab kombiniert worden war. In dieser Studie erwies sich konventionelles Paclitaxel in Kombination mit Bevacizumab als besser verträglich als die Kombination aus nab-Paclitaxel und Bevacizumab. Harbeck kritisierte, dass nab-Paclitaxel dabei in der hohen Dosierung von 150 mg/m2 wöchentlich verwendet wurde. Bei Patientinnen mit einer metastasierten Erkrankung sollte man vorher Toxizitätsstudien durchführen und hohe Dosen nicht kritiklos einsetzen. Eine Optimierung der Dosis von nab-Paclitaxel in Kombination mit Bevacizumab sei notwendig.

nab-Paclitaxel wird jetzt in Deutschland auch in der neoadjuvanten Therapie geprüft (GEPARSEPTO-Studie), wobei zuerst das Taxan und anschließend das Anthrazyklin eingesetzt wird, was laut Harbeck zu einer deutlich verringerten Nebenwirkungsrate führt als in der umgekehrten Reihenfolge.

In Zukunft wird es vermehrt Substanzen für die Behandlung gynäkologischer Tumoren geben, die auf der Nanotechnologie beruhen, so das Fazit von Harbeck. Es besteht die Hoffnung, damit Wirkstoffe besser an den Tumor heranzubringen und somit die Effektivität zu steigern und die Toxizität zu verringern.

as

Symposium „Tumorgerichtete Chemotherapie beim Mammakarzinom“, 59. DGGG-Kongress, München, 11.10.2012


Anzeige:
Kyprolis
Das könnte Sie auch interessieren
Hautkrebsreport: Nur jeder Sechste geht zur Früherkennung
Hautkrebsreport%3A+Nur+jeder+Sechste+geht+zur+Fr%C3%BCherkennung
© Alexander Raths / fotolia.com

Hautkrebs ist mit 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Bei jeder siebten Erkrankung handelt es sich um ein sogenanntes malignes Melanom, den gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Allein in Rheinland-Pfalz waren im Jahr 2017 9.907 gesetzlich Krankenversicherte vom schwarzen Hautkrebs betroffen. Die häufigsten Erkrankungsfälle wurden in Hessen, Niedersachsen und Thüringen...

Brustkrebs: Was Frauen über die Früherkennung wissen sollten – und welche Risikofaktoren existieren
Brustkrebs%3A+Was+Frauen+%C3%BCber+die+Fr%C3%BCherkennung+wissen+sollten+%E2%80%93+und+welche+Risikofaktoren+existieren
© serhiibobyk / Fotolia.com

Etwa jede achte Frau erkrankt hierzulande an Brustkrebs. Insgesamt betrifft dies 72.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Obwohl Brustkrebs in erster Linie eine Erkrankung der Frau nach den Wechseljahren ist, können auch deutlich jüngere Frauen erkranken. Aber – für welche Frau macht welche Untersuchung in welchem Alter Sinn? Das Mammographie-Screening-Programm gilt für Frauen von 50 bis 69 Jahren. Was insbesondere Frauen...

Krebstherapien können Herz und Gefäße schädigen: Wie schützt man Patienten?
Krebstherapien+k%C3%B6nnen+Herz+und+Gef%C3%A4%C3%9Fe+sch%C3%A4digen%3A+Wie+sch%C3%BCtzt+man+Patienten%3F
©freshidea / Fotolia.de

Die Therapie von Krebserkrankungen hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Verbesserte Operationsmethoden, eine präzisere Strahlenbehandlung und neue Medikamente konnten die Überlebenschancen der Patienten deutlich verbessern. Doch der Fortschritt hat seinen Preis: „Viele Krebstherapien können Herz und Kreislauf schädigen – auch die modernen, zielsicherer an Krebszellen ansetzenden...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Metastasiertes Mammakarzinom: Mit Nanotechnologie auf Erfolgskurs"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.