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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
12. Dezember 2013

Metastasenprophylaxe mit Bisphosphonaten

Bisphosphonate sind osteoprotektive Substanzen, die in der Therapie von Knochenmetastasen einen festen Platz haben. Darüber hinaus können sie das Tumorgeschehen von Anfang an beeinflussen. Mehrere Untersuchungen bestätigen inzwischen, dass Bisphosphonate das Rückfallrisiko bei Frauen mit Mammakarzinom verringern können. Sehr früh schon konnte ein Überlebensvorteil für Mammakarzinom-Patientinnen gezeigt werden, die mit oralem Clodronat behandelt wurden.

Epidemiologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass Frauen, die wegen Knochenmasseverlust mit Bisphosphonaten behandelt werden, seltener an einem Mamma- oder Kolorektalkarzinom erkranken. Eine Erklärung dafür liefert die "seed-and-soil"-Theorie. Die "seed" sind disseminierte Tumorzellen, die Prof. Ingo J. Diel, Mannheim, auch als "sleeper" bezeichnete, die sich in Tumorzellnischen ("soil") ansiedeln, wo sie lange Zeit in einer Art Ruhezustand verharren, bis sie durch einen äußeren Reiz aktiviert werden. Das Ziel einer Bisphosphonat-Therapie ist es, den Boden für ein späteres Tumorzellwachstum unfruchtbar zu machen.

Mehrere Untersuchungen haben in der Zwischenzeit ergeben, dass das Rückfallrisiko mit einem Bisphosphonat verringert wird. Diel und seine Arbeitsgruppe konnten bereits in einer 1998 publizierten Studie nachweisen, dass eine adjuvante Therapie mit dem oralen Non-Amino-Bisphosphonat Clodronat das Auftreten von Metastasen - sowohl von Knochenmetastasen als auch von viszeralen Metastasen - bei Frauen mit Brustkrebs verhindert und das Gesamtüberleben verbessert (1). Bestätigt wurden diese Daten in einer späteren großen, randomisierten Studie von Powles et al. (2): Orales Clodronat reduzierte die Mortalität bei Brustkrebs-Patientinnen im Stadium II und III (HR 0,743; p=0,041), wobei Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko am meisten profitierten. In der Studie NSABP B34 zeigte sich ein signifikanter Benefit bezüglich krankheitsfreiem Überleben bei älteren Frauen (≥ 50 Jahre) durch eine adjuvante Behandlung mit Clodronat. Das Langzeit-Follow-up der ABCSG-12 Studie wiederum bestätigt den anhaltenden positiven Einfluss einer adjuvanten Therapie mit i.v. Zoledronat auf das krankheitsfreie und auch auf das Gesamtüberleben bei prämenopausalen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs (3). Auch hier war der Benefit besonders stark ausgeprägt bei älteren Patientinnen (> 40 Jahre).

"Im Gegensatz zu den anderen Bisphosphonaten ist unter Clodronat kaum mit Kieferosteonekrosen zu rechnen", sagte Diel. In der NSABP B34-Studie ist nur ein fraglicher Fall von Kieferosteonekrose aufgetreten. Clodronat kann auch bei Patienten mit einer bestehenden Niereninsuffizienz eingesetzt werden.

Die Kommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) empfiehlt in ihrer Leitlinie zur Therapie von Knochenmetastasen neben anderen Bisphosphonaten auch die orale Clodronsäure. Der frühe Einsatz bei Patientinnen mit einem hohen Rückfallrisiko ist mit einem "+" als sinnvolle Therapie eingestuft. Zwischen den verschiedenen Darreichungsformen wird kein Unterschied gemacht. Orales Clodronat nimmt also den gleichen Stellenwert ein wie intravenös verabreichte Präparate.

as


25. Münchner Fachpresse-Workshop "Onkologische Supportivtherapie und Onkologie", München, 6.11.2013


Literaturhinweise:
(1) Diel IJ et al. N Engl. J Med 1998;339:357-363.
(2) Powles et al. J Clin Oncol 2002;20:3219-24.
(3) Gnant M, et al. NEJM. 2009;360:679-91.


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