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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
15. November 2019

Management der dosisdichten Chemotherapie des Mammakarzinoms: Primäre Neutropenie-Prophylaxe mit Lipegfilgrastim im klinischen Alltag belegt

Leitlinien empfehlen eine dosisdichte Chemotherapie unterstützt durch die Gabe von Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF) für Frauen mit Hochrisiko-Mammakarzinom (1-3). Die anlässlich des ESMO-Kongresses 2019 in Barcelona vorgestellte nicht-interventionelle Studie (NIS) NADENS belegt im deutschen Behandlungsalltag den klinischen Nutzen einer primären Neutropenie-Prophylaxe mit dem langwirksamen G-CSF Lipegfilgrastim (Lonquex®) bei Patientinnen mit primärem Mammakarzinom, die ein dosisdichtes Therapieregime erhalten (4).
Bislang ist die Datenlage zur Effektivität der Primärprophylaxe mit langwirksamem G-CSF im klinischen Alltag noch begrenzt. Deshalb untersuchte die NIS NADENS prospektiv die Inzidenz schwerer und febriler Neutropenien (FN) bei Frauen mit einem primären Mammakarzinom im ersten Zyklus einer dosisdichten Chemotherapie, die durch eine primäre Prophylaxe mit Lipegfilgrastim unterstützt wurde (4). Die dosisdichten Chemotherapieregime umfassten auch die dosisintensivierte und eskalierte Chemotherapie nach dem ETC-Schema (Etoposid-Taxan-Cyclophosphamid). Neben der Inzidenz schwerer Neutropenien und FN im ersten Chemotherapiezyklus wurde auch das Patienten-Management unter Bedingungen der klinischen Routine untersucht, z.B. wie häufig Dosisreduktionen, eine Verlängerung des Behandlungsintervalls oder das Auslassen eines Chemotherapiezyklus notwendig wurden. Zusätzlich wurden auch gesundheitsökonomische Parameter erfasst, beispielsweise Krankenhaustage, Tage auf der Intensivstation, Bluttrans-fusionen oder Einsatz von Antibiotika.
 
Abb. 1: Inzidenz von schweren Neutropenien und FN in der NIS NADENS (mod. nach (4)). FN=febrile Neutropenien
Abb. 1: Inzidenz von schweren Neutropenien und FN in der NIS NADENS (mod. nach (4)). FN=febrile Neutropenien


Sehr niedrige FN-Rate

Für die vorgestellte Analyse wurden Daten von 282 Patientinnen ausgewertet, die in 23 Krankenhäusern (n=126) und 35 onkologischen Schwerpunktpraxen (n=156) mit einer dosisdichten Chemotherapie behandelt worden waren und Lipegfilgrastim erhalten hatten (4). Etwa zwei Drittel der Patientinnen (68,4%) hatten die Chemotherapie neoadjuvant erhalten, ein Drittel (31,6%) adjuvant. Bei 1.093 der dokumentierten 1.121 dosisdichten Chemotherapiezyklen (97,5%) erfolgte eine Prophylaxe mit Lipegfilgrastim, meist am zweiten Tag.

Schwere Neutropenien und FN traten unter der Prophylaxe nur in begrenztem Maße auf. Eine FN entwickelten im ersten Zyklus nur 3 Patientinnen (1,1%), in allen 4 Zyklen nur 6 Patientinnen (2,1%) (Abb. 1). Mindestens eine schwere Neutropenie (Grad 3 oder 4) entwickelten im ersten Zyklus 94 Patienten (33,0%), innerhalb von max. 4 Therapiezyklen 131 Patientinnen (46,5%). Diese unter Alltagsbedingungen aufgetretenen Neutropenie-Raten entsprechen den Ergebnissen randomisiert-kontrollierter Studien mit Lipegfilgrastim (5, 6).

Eine stationäre Behandlung war nur bei 35 Frauen (12,4%) notwendig, keine Studienteilnehmerin musste auf einer Intensivstation behandelt werden. 12 Patientinnen (4,3%) benötigten während der Beobachtungsperiode Bluttransfusionen. 96 Patientinnen (34,0%) erhielten eine antiinfektiöse Therapie.


Sichere Supportivtherapie

Die Behandlung war sicher: Fatale unerwünschte Ereignisse (AEs) traten nicht auf, AEs von Grad 4 nur bei 3,6% der Patientinnen. Eine Modifikation der Chemotherapie mit Dosisreduktion oder Zyklusverschiebung erfolgte zwar bei 74 Frauen (26,2%), eine Neutropenie war aber nur bei 2,5% der Patientinnen der Grund. Für fast alle Patientinnen beurteilten die Studienärzte die Verträglichkeit von Lipegfilgrastim als „sehr gut“ für 53,9% der Patientinnen oder „gut“ für 42,6% der Patientinnen. Für 99,3% der behandelten Patientinnen gaben die Ärzte an, dass die Primärprophylaxe mit Lipegfilgrastim einen klinischen Nutzen hatte.


Mit freundlicher Unterstützung der Teva GmbH

Friederike Klein

Literatur:

(1) Cardoso F et al. Ann Oncol 2019;30:1194-220.
(2) Klastersky J et al. Ann Oncol 2016;27(suppl 5):-v111-v118.
(3) Kommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. Diagnostik und Therapie früher und fortgeschrittener Mammakarzinome. Version 2019-1. https://www.ago-online.de/leitlinien-empfehlungen/leitlinien-empfehlungen/kommission-mamma, letzter Zugriff am 29.09.2019.
(4) Kiechle M et al. ESMO 2019; Abstract 1816P.
(5) Bondarenko I et al. BMC Cancer 2013;13:386.
(6) Volovat C et al. Support Care Cancer 2016;24:4913-20.


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