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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
18. Dezember 2005

Mammakarzinom: Adjuvante Therapie im Fokus

Inzwischen zeichnet sich ab, dass in der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms Taxan-haltigen Schemata den Anthrazyklin-haltigen Schemata überlegen sind und für nodalpositive Patientinnen eine signifikante Überlebenszeitverbesserung bringen. Einen weiteren Fortschritt verspricht der Einzug von Trastuzumab in die adjuvante Therapie für hormonrezeptorpositive Frauen. Aufgrund der vorliegenden Daten darf ihnen der Antikörper nicht mehr vorenthalten werden, auch wenn eine Zulassung noch nicht besteht, sagte PD Diana Lüftner, Berlin, während eines Symposiums im Rahmen der DGHO.
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Die Oxford Metaanalyse aus dem Jahr 2000 hat für eine anthrazyklinhaltige Polychemotherapie im Vergleich zu CMF eine Mortalitäts- und Rezidivrisikoreduktion von absolut 4% nach 10 Jahren ergeben. Lüftner wies ausdrücklich darauf hin, dass diese Risikoreduktion für alle Subgruppen galt, unabhängig z.B. von Nodalstatus oder Alter. In dieser Studienübersicht sind die Taxane noch nicht eingeschlossen. Nach Ansicht von Lüftner unterstützen insbesondere die beiden Studien PACS 01 und BCIRG 001 die wahrscheinliche Überlegenheit Taxan-haltiger Schemata in der adjuvanten Therapie.
In beide Studien waren nodalpositive Patientinnen eingeschlossen. In der PACS 01-Studie, erreichte das sequentielle Regime mit Docetaxel im Anschluss an drei Zyklen 5-FU/Epirubicin/Cyclophosphamid (FEC-Docetaxel) gegenüber 6 x FEC einen signifikanten Überlebensvorteil (HR 0,77). Die BCIRG 001 Studie zeigte nach 55 Monaten medianer Nachbeobachtungszeit ein signifikant verbessertes rezidivfreies und Gesamt-Überleben durch ein Docetaxel-haltiges Schema (TAC) gegenüber dem FAC-Standardarm (HR 0,70). Dieser Therapievorteil war unabhängig von Steroidhormonrezeptor- oder HER2-Status. Insbesondere profitierten Patientinnen mit 1-3 befallenen Lymphknoten. Bei ihnen wurde das Rezidivrisiko durch das Docetaxel-haltige Therapieschema um mehr als ein Drittel gesenkt.
Das Nebenwirkungsspektrum der Taxane ist bekannt, es handelt sich um keine banale Therapie, so Lüftner. Deshalb ist – gerade in Hinblick auf das gute Effektivitätsprofil – die Optimierung der Supportivtherapie besonders wichtig. Hierzu stellten Minckwitz et al. auf der ASCO 2005 vorläufige Daten aus der Gepartrio-Studie vor, in der sich durch die prophylaktische Gabe von Pegfilgrastim plus Ciprofloxacin die Rate schwerer Neutropenien signifikant reduzieren ließ. Lüftner: „Dies ist ein wichtiger Aspekt in der Therapieoptimierung, gerade in der adjuvanten Therapie, so dass bezüglich Dosisdichte, Intervall und Gesamtdosierung keine Kompromisse eingegangen werden müssen.“
Zur adjuvanten Immuntherapie mit dem Antikörper Trastuzumab (Herceptin®) liegen inzwischen 4 positive Studien vor, die einen krankheitsfreien Überlebenszeitgewinn für hormonrezeptorpositive Frauen belegen (NSABP B-31, NCTTG N9831, BCIRG006, HERA). Das Rezidivrisiko durch die zusätzliche Gabe von Trastuzumab signifikant reduzieren. Hormonrezeptor-positiven Patientinnen darf deshalb die Gabe von Trastuzumab nicht mehr vorenthalten werden, lautete die Forderung von Lüftner. Besonders die HERA-Studie bietet laut Lüftner eine Hilfe im klinischen Alltag, da auch nodalnegative Patientinnen mit eingeschlossen waren und jede Chemotherapie erlaubt war.


Anthrazyklin-freie Kombination mit Trastuzumab war mit keiner erhöhten Kardiotoxizität verbunden

Zwischenergebnisse der Studie BCIRG 006 zeigen, dass durch die Kombination von Docetaxel (Taxotere®) mit Trastuzumab das krankheitsfreie Überleben bei HER2-positiven Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium signifikant verlängert werden kann. Die Studie verglich adjuvant den Standard-Arm von 4 Zyklen Doxorubicin und Cyclophosphamid gefolgt von 4 Zyklen Docetaxel (AC-T), mit zwei weiteren Studienarmen: Im ersten wurde nach der Standardbehandlung ein Jahr lang Trastuzumab weiter gegeben (AC-TH), im zweiten Docetaxel plus Carboplatin für 6 Zyklen plus Trastuzumab für ein Jahr (TCH). Im letzen Arm wurde der Antikörper gleichzeitig mit der Chemotherapie gegeben.
Die relative Reduzierung des Rezidivrisikos betrug 51% und 39% für den AC-TH- bzw. TCH-Arm im Vergleich zum AC-T-Kontrollarm. Nach der ersten Interimsanalyse ging die höhere Effektivität im AC-TH-Arm wie erwartet mit einer erhöhten Kardotoxizität einher, jedoch war die Anthrazyklin-freie Kombination (TCH) mit keiner erhöhten Kardiotoxizität verbunden. Lüftner: „Dies bringt uns in Einzelfällen, wenn man keine Anthrazykline geben kann und den Effekt von Trastuzumab optimal ausnutzen möchte, möglicherweise sehr viel weiter.“

as

Quelle: Satellitensymposium im Rahmen der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologische Onkologie. Vortrag PD Dr. D. Lüftner. Hannover, 4.10.2005. Veranstalter: sanofi -aventis.


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