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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Juli 2018 mRCC: Cabozantinib neu in der Erstlinientherapie

Die neue Zulassung des Tyrosinkinase-Inhibitors beruht auf der Phase-II-Studie CABOSUN. Darin hat sich Cabozantinib (Cabometyx®) mit Blick auf das progressionsfreie Überleben (PFS) gegenüber Sunitinib bei Patienten mit metastasierten Nierenzellkarzinom (mRCC) als überlegen erwiesen (1, 2). Die bereits aktualisierte Leitlinie der European Association of Urology (EAU) und auch die amerikanischen NCCN-Guidelines empfehlen den Einsatz bei nicht-vorbehandelten Erwachsenen mit mittlerem oder hohem Risiko (3, 4).
Von den 157 Patienten, die in die CABOSUN-Studie eingeschlossen wurden, erhielten randomisiert je die Hälfte entweder Cabozantinib oder den am meisten verwendeten Therapiestandard Sunitinib, wie Prof. Dr. Gunhild von Amsberg, Hamburg, auf einem Pressegespräch des Unternehmens Ipsen berichtete. 81% der Patienten hatten ein mittleres und 19% ein hohes Risiko gemäß IMDC (International Metastatic RCC Database). Auch hinsichtlich Allgemeinzustand und Knochenmetastasen waren die Patienten nach Auskunft von Amsberg schwerer erkrankt als durchschnittliche Studienpatienten (1, 2).


Verzögerung der Krankheitsprogression

Das mediane PFS betrug unter Cabozantinib 8,6 Monate im Vergleich zu 5,3 Monaten unter Sunitinib, entsprechend einer Hazard ratio von 0,48 (95%-KI:0,31-0,74; p=0,0008) (Abb. 1) (1, 2). „Das ist ein wirklich starkes Signal, besonders für diese Patienten mit bislang bescheidener Prognose“, kommentierte PD Dr. Philipp Ivanyi, Hannover, das eindeutige Ergebnis. Die Erklärung liegt vermutlich im Wirkmechanismus von Cabozantinib: Der Wirkstoff inhibiert nicht nur den VEGF-Rezeptor, sondern auch die Tyrosinkinasen c-MET und AXL, die an der Entwicklung von Resistenzen gegen VEGFR-Inhibitoren beteiligt sind (2). Hinsichtlich der Subgruppen-Analysen hob von Amsberg die konsistent gute Wirksamkeit bei Patienten mit Knochenmetastasen hervor (5,5 vs. 3,3 Monate) – obwohl diese bekanntermaßen einen negativen Einfluss auf die Prognose haben. Deutlich war das Ergebnis darüber hinaus bei den Patienten mit positivem MET-Status (39% der Studienteilnehmer). Sie profitierten hinsichtlich des PFS mit 11,8 im Vergleich zu 3,0 Monaten besonders stark von der Therapie mit Cabozantinib (5). „Das ist sicher etwas, das auch wissenschaftlich enorm spannend ist“, so von Amsberg. Das mediane Gesamtüberleben betrug unter Cabozantinib 26,6 Monate im Vergleich zu 21,2 Monaten unter Sunitinib (nicht signifikant) (2). Unter beiden Substanzen traten die bekannten Nebenwirkungen von Tyrosinkinase-Hemmern (Diarrhoe, Fatigue, Bluthochdruck, Hand-Fuß-Syndrom) in ähnlichem Ausmaß auf (2). Zugleich führte die Therapie mit Cabozantinib im Vergleich zu Sunitinib zu einer Verlängerung der Zeit ohne Toxizität oder Symptomen der Krankheitsprogression (+121 Tage) und reduzierte das Risiko einer Verschlechterung des ECOG (-66%) (6, 7). Beides spricht laut von Amsberg für eine bessere Lebensqualität unter Cabozantinib.
 
Abb. 1: Erstlinientherapie des mRCC: Cabozantinib verlängert das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zu Sunitinib (2).
 Abb. 1: Erstlinientherapie des mRCC: Cabozantinib verlängert das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zu Sunitinib (2).


Aktualisierte Leitlinienempfehlung

Die neuen Daten haben bereits Eingang in aktuelle Therapieempfehlungen für die Erstlinientherapie des mRCC gefunden. Die EAU empfiehlt für Patienten mit mittlerem oder hohen Risiko die Behandlung mit der Immun-Checkpoint-Kombination Nivolumab/Ipililumab (höchster Evidenzgrad; in Europa allerdings noch nicht zugelassen) oder Cabozantinib („Kann“-Empfehlung, da die CABOSUN-Studie eine Phase-II-Studie ist). Weiterhin können Sunitinib und Pazopanib nach der EAU-Leitlinie bei niedrigem, mittlerem und hohem Risiko eingesetzt werden (3). Auch die amerikanischen NCCN-Leitlinien haben Cabozantinib bereits in die Therapieempfehlungen für die Erstlinie aufgenommen (4). Die Empfehlung für Cabozantinib in der Zweit- und Drittlinie bleibt unverändert.


Mit freundlicher Unterstützung der IPSEN Pharma GmbH

Dr. rer. nat. Anne Benckendorff

Quelle: Pressegespräch „Next level für Cabozantinib“, 13.06.2018, Frankfurt am Main; Veranstalter: Ipsen

Literatur:

(1) Choueiri TK et al. J Clin Oncol 2017;35:591-6.
(2) Choueiri TK et al. Eur J Canc 2018;94:115-25.
(3) http://uroweb.org/guideline/renal-cell-carcinoma/#7
(4) https://www.nccn.org/professionals/physician_gls/pdf/kidney.pdf
(5) George DJ et al. ASCO 2018; Abstract 582.
(6) Chen RC et al. ASCO 2018; Abstract 4556.
(7) Feldman DR et al. ASCO 2018; Abstract e18690.


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