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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
01. April 2008

Kasuistik I: Patientin mit multiplem Myelom und tiefer Beinvenenthrombose unter Lenalidomid/Dexamethason

Vor fünf Jahren stellte sich Frau H., eine damals 72-jährige Patientin, mit Rückenschmerzen und allgemeiner körperlicher Schwäche vor. Auf der Basis der in Tabelle 2 dargestellten Befunde wurde die Diagnose „multiples Myelom“ gestellt.
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Nach neun Zyklen Melphalan/Dexamethason konnte bei der Patientin eine partielle Remission erreicht werden. Sieben Monate später zeigte sich ein erneuter Anstieg des IgG. Eine Anämie oder neue Osteolysen waren nicht aufgetreten, und auch die Calciumwerte und die Nierenfunktion waren normal. Dies wurde als laborchemisches und nicht klinisches Rezidiv eingestuft, sodass zunächst keine neue Therapie begonnen wurde. 0

Nach weiteren drei Monaten lag der Hb-Wert jedoch wieder bei behandlungsbedürftigen 8,9 g/dl, die Konzentration des IgG war weiter angestiegen. Frau H. wurde daraufhin in eine Bortezomib/Doxorubicin-Studie aufgenommen und mit Bortezomib 1,3 mg/m2 an den Tagen 1, 4, 8 und 11 sowie mit liposomalem Doxorubicin 30 mg/m2 an Tag 1 behandelt. Darunter kam es zu einer nahezu vollständigen, jedoch weiterhin Immunofixation-positiven Remission.

Bereits ein Jahr später trat bei der Patientin ein zweites Rezidiv auf. Sie wurde nun in eine Studie aufgenommen, die Lenalidomid/Dexamethason mit Placebo/Dexamethason verglich (Therapieschema siehe Abbildung 1). Darunter kam es innerhalb von sieben Zyklen zu einer kompletten Remission (Immunofixation negativ), die sich unter fortdauernder Therapie als dauerhaft erwies. 1

Zu Beginn des 13. Zyklus berichtete Frau H. plötzlich über akut aufgetretene Schmerzen im linken Unterschenkel, die mit einer Schwellung, Rötung und Erwärmung verbunden waren. Eine Duplexsonographie zeigte einen Thrombus in der linken V. poplitea (siehe Abbildung 2). 2

Die Patientin erhielt daraufhin eine Antikoagulationstherapie mit niedermolekularem Heparin (NMH): Im 1. Monat Enoxaparin 1 mg/kg alle 12 Stunden, ab dem 2. Monat Enoxaparin in prophylaktischer Dosierung mit 1,5 mg/kg einmal täglich. Die Therapie mit Lenalidomid/Dexamethason konnte unverändert fortgeführt werden.

In einer Kontrolluntersuchung sechs Monate später stellte sich eine partielle Rekanalisation bei weiterhin nachweisbarem organisiertem Thrombusmaterial dar.

Es wurde die Entscheidung getroffen, die Antikoagulationstherapie für sechs Monate fortzuführen und auch die Kombinationsbehandlung mit Lenalidomid/Dexamethason beizubehalten.

Verlauf: Aktuell ist die Patientin am Ende des 24. Zyklus angelangt und weiterhin in kompletter Remission.

Quelle: Fallbeispiel mit freundlicher Genehmigung von Dr. med. Jesús F. San Miguel, Universitätsklinik Salamanca, Spanien.


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