Mittwoch, 28. Juli 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
15. November 2019

„Das HER2+/HR+ Mammakarzinom als eigene Entität betrachten“

Interview mit Prof. Dr. Diana Lüftner, Berlin.
Unter den verschiedenen Ausprägungen des Mammakarzinoms gilt HER2+/HR+ als therapeutische Herausforderung, zumal es häufig mit spät auftretenden Rezidiven einher geht. Wie die Daten der ExteNET-Studie zeigen, kann Spätrezidiven durch eine extendierte Adjuvanz mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Neratinib (Nerlynx®) begegnet werden. Prof. Dr. Diana Lüftner, Oberärztin an der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am Campus Benjamin Franklin der Charité Berlin, berichtete über diese neue Möglichkeit.
Ein differenzierter Blick auf die Tumorbiologie des HER2 (human epidermal growth factor receptor 2)-positiven Mammakarzinoms ist notwendig, wie Prof. Lüftner deutlich machte: „Der Hormonrezeptor (HR)-Status macht den Unterschied. Das HER2+/HR+ und das HER2+/HR-negative Mammakarzinom werden gern in einen Topf geworfen.“ Tatsächlich weisen HR+ Patientinnen eine höhere Wahrscheinlichkeit für späte Rezidive auf (1, 2). „Dadurch ergibt sich eine besondere Risiko-Konstellation und dieser müssen wir durch unseren therapeutischen Ansatz Rechnung tragen“, hielt die Expertin fest.


HER2+/HR+ Mammakarzinom: Behandlungsoptionen

Die aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) empfehlen für dieses Setting im Anschluss an eine Operation und (ggf. nach neoadjuvanter Behandlung) eine medikamentöse adjuvante Therapie (3). Die aktuelle Datenlage zeigt, dass HER2+/HR+ Patientinnen nach Gabe einer adjuvanten Trastuzumab-basierten Therapie von einer extendierten Adjuvanz mit Neratinib profitieren können (4). „Um einen prolongierten Rezidivschutz herbeizuführen, stellt ein verlängertes (Behandlungs-)Intervall durchaus eine sinnvolle weitere Therapieoption dar“, so Lüftner mit Blick auf die ExteNET-Studie (5, 6).


ExteNET-Studie: Nutzen der extendierten Adjuvanz

Die ExteNET-Studie verglich die Wirksamkeit und Sicherheit von Neratinib (240 mg tgl.; n=1.420) gegenüber Placebo (n=1.420) bei Patientinnen mit HER2+ Mammakarzinom im Frühstadium, die gemäß Einschlusskriterien vor weniger als einem Jahr per Amendment eine adjuvante Trastuzumab-Behandlung abgeschlossen haben. Im 2-jährigen Beobachtungszeitraum verbesserte die 12-monatige Neratinib-Therapie das Überleben frei von invasiver Erkrankung (iDFS) signifikant (5, 7). Die Überlegenheit von Neratinib wurde anschließend auch nach 5 Jahren Beobachtung bestätigt (6). In der Subgruppenanalyse zeigte sich, dass insbesondere Patientinnen von Neratinib profitieren, die HR+ Tumoren aufwiesen und jene, die Neratinib innerhalb eines Jahres nach Beendigung der adjuvanten Trastuzumab-basierten Therapie erhielten (6). Ihr Risiko für einen invasiven Krankheitsrückfall oder Tod war um 42% reduziert (4, 7). „Die absolute Reduktion der Rezidivwahrscheinlichkeit lag nach 5 Jahren Be-obachtung bei 5,1% – das ist sehr viel für diese Population“, kommentierte Lüftner die Ergebnisse.

Das am häufigsten auftretende unerwünschte Ereignis unter der Therapie mit Neratinib war in dieser Studie die Diarrhoe (4, 5). Ohne vorgegebene Prophylaxe trat bei fast allen Patientinnen im Neratinib-Arm Diarrhoe auf. Die Häufigkeit, Schwere und Dauer kann mit geeigneten Maßnahmen allerdings reduziert werden (8). Dabei wurde kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für eine Langzeittoxizität beobachtet (5). Lüftner ergänzte: „Tyrosin-kinase-Inhibitoren mit Wirkung auf den EGFR-Rezeptor weisen ein gewisses Nebenwirkungsprofil im Gastrointestinaltrakt auf; das ist hinreichend in Studien evaluiert worden.“


Erfolgreiches Therapie-management bei Diarrhoe

„Die Diarrhoe erfordert ein besonders hohes Augenmerk“, erläuterte Lüftner. Eine Prophylaxe mit Loperamid sei von Beginn an zu empfehlen. Zu einem guten Therapiemanagement gehöre aus ihrer Sicht außerdem eine detaillierte Ernährungsanamnese. Im Rahmen einer engmaschigen Verlaufskontrolle sollte auch auf sekundäre Elektrolytentgleisungen oder Niereninsuffizienz geachtet werden. Lüftner resümierte: „Wenn diese Aspekte berücksichtigt werden, ist das Management alles in allem nicht schwer.“


Mit freundlicher Unterstützung der Pierre Fabre Pharma GmbH


* Neratinib ist indiziert für die erweiterte adjuvante Behandlung von erwachsenen Patienten mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-überexprimiertem/amplifiziertem Brustkrebs in einem frühen Stadium, die vor weniger als einem Jahr eine Trastuzumab-basierte adjuvante Therapie abgeschlossen haben.
Literatur:

(1) Iancu G et al. Rom J Morphol Embryol 2017; 58(1):21-26.
(2) Minckwitz G et al. N Engl J Med 2019; 380(7):617-28.
(3) Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) e.V., Diagnostik und Therapie früher und fortgeschrittener Mammakarzinome, 2019.
(4) Fachinformation Nerlynx®, Pierre Fabre Médicament, Stand: August 2018.
(5) Chan A et al. Lancet 2016;17:367-77.
(6) Martin M et al. Lancet Oncol 2017;18:1688-1700.
(7) Gnant M et al. San Antonio Breast Cancer Symposium 2018, Abstract, Poster.
(8) Barcenas CH et al. J Clin Oncol 2019;37:(suppl; abstr 548).


Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"„Das HER2+/HR+ Mammakarzinom als eigene Entität betrachten“"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose